Architekt Helmut Rademächers über die Baugeschichte

Grundstein zum "Gebetsreaktor" wurde vor 40 Jahren gelegt
Von Dorothée Schenk [14.05.2010, 06.40 Uhr]

Dereinst noch im Grünen: Anfang der 70er Jahren wurde St. Franz von Sales gebaut. (Repro)

Dereinst noch im Grünen: Anfang der 70er Jahren wurde St. Franz von Sales gebaut. (Repro)

Gesicht der Stadt entscheidend mitgeprägt. Neben einer Vielzahl von Wohnhäusern, Ladenlokalen und der „Kleinen Kö“ entstammt seiner Feder auch das Wahrzeichen des Nordviertels: Die Kirche St. Franz von Sales. Vor 40 Jahren wurde der Grundstein gelegt.

Es war an Heiligabend 1968 um 14 Uhr, als der damalige Bürgermeister Karl Knipprath bei Rademächers anrief mit dem Auftrag, bis zum Neujahrsempfang der Propsteipfarre den Plan für einen Kirchenbau im Nordviertel vorzustellen. Fakten sollten geschaffen werden, denn das Bistum Aachen wollte, so erinnert Helmut Rademächers, lediglich eine „Behelfskirche“ errichten lassen. Festpreis 470.000 DM. Bei diesem unvorstellbar niedrigen Preis für den Baukörper – zuzüglich 50.000 Mark für die Innenausstattung – ist es geblieben. Die Kirche aber ist ein kleines Schmuckstück geworden. 13 Meter in der Höhe zeichnet das unverkennbare Dach, eine Faltkonstruktion aus Holz und Stahl, seine unverwechselbare Silhouette.

Das Oktogon wählte der Architekt gründend auf den Erkentnnissen des 2. Vatikanischen Konzils, um das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gemeinde zu fördern. Außerdem hatten die Gläubigen so Blickkontakt untereinander und zum Altar. Schließlich das pekuniäre Argument: Es war die preiswerteste Bauweise. „Im Bistum Aachen ist nach dem Krieg keine Kirche in Festbauweise zu diesem günstigen Kubikmeterpreis gebaut worden“, erklärt Rademächers. Johannes Palm, Chorleiter in Sales, erinnert zum zehnjährigen Pfarr-Bestehen schriftlich nicht nur an die Anfangszeiten mit Messfeiern in der Nordschule, er überliefert auch die „Kosenamen“ der Kirche wie „Tissen-Hütte“ – angelehnt an den ersten Pfarrer, Franz Tissen, und vermutlich in Erinnerung an die Nissenhütten auf dem Artilleriefahrplatz – und „Gebetsreaktor“.

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Hat alle Artikel über seine Arbeit archiviert: Architekt Helmut Rademächers.

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Helmut Rademächers ist aber nicht nur der Architekt im Nordviertel, er ist auch echter „Nordviertler“: Für 90 Pfennige kaufte Vater Willi, langjähriger erster Beigeordneter der Stadt Jülich und Interims-Stadtdirektor, das Grundstück zwischen Linnicher Straße und heutigem Schützenhof von der Kirche. Das Elternhaus steht noch. Im „Garten“, wo einst 120 Obstbäume wuchsen, errichtete Architekt Rademächers sein Wohn- und Bürohaus. Historischer Boden, denn hier vergrub Willi Rademächers die wichtigsten Akten der Stadt während des Angriffs auf die Stadt 1944. Nach dem Krieg „sorgte“ Vater Rademächers außerdem für die Besiedlung des Nordviertels durch Ankauf des Grundes von den Landwirten und Verkauf an Bauherrn. „Seit Napoleons Zeiten hat niemand mehr in Jülich so viele Verträge geschlossen“, erzählt Helmut Rademächers. Rund 2200 Stück seien es gewesen.

Übrigens: Das erste Grundstück habe für 1,10 Mark den Quadratmeter der Tenor Rudolf Schock gekauft, und so heißen die Wohnblöcke im Wurmfortsatz Artilleriestraße zur Neusser Straße immer noch „Schock-Häuser“. Der Bogen vom ersten zum bislang letzten Bauprojekt im Nordviertel schlägt sich mühelos zur nächsten Generation: Helmut Rademächers zeichnet gestalterisch für die Seniorenwohnanlage „Am Wallgraben“ verantwortlich. Untätig ist der Architekt als 76-Jähriger im vermeindlichen Ruhestand dennoch nicht: Spätestens seit der Ausstellung 2002 ist er Jülichern auch als Zeichner bekannt. Erst jetzt hat er für den Brückenkopf-Park einen Kalender gestaltet, der derzeit in Berlin gedruckt wird.


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