Prof. Buchal und Prof. Schönwiese stellten im Science College ihr Klima-Buch vor

Fakten für Ausbrüche menschlicher Intelligenz
Von Dorothée Schenk [18.02.2010, 11.37 Uhr]

Außenstehende hätten den Eindruck gewinnen können, ein Filmstar kommt. Die Stuhlreihen im Barmener Science College Overbach waren voll besetzt, auf den Galerien standen Jugendliche und jubelten den Hauptpersonen zu: Prof. Christoph Buchal und Prof. Christian-Dietrich Schönwiese kamen zur Präsentation des Buches „Klima. Die Erde und ihre Atmosphäre im Wandel der Zeiten.“

Halten das "Klima" in ihren Händen: Prof. Schönwiese (l) und Prof. Buchal (r).

Halten das "Klima" in ihren Händen: Prof. Schönwiese (l) und Prof. Buchal (r).

Im positivsten Sinne auf Konfrontationskurs war Physiker Buchal bei der Buchvorstellung. Kritische Worte gab es zum Welt-Klimarat ebenso wie in Richtung der rund 100 anwesenden Schüler des Gymnasiums Haus Overbach. Letztere forderte er dezidiert auf, das Schicksal erfinderisch in die Hand zu nehmen. Die notwendigen Grundlagen dazu haben im Forschungszentrum Jülich (FZJ) Prof. Buchal und sein Co-Autor, der Klimaforscher und Meteorologe Prof. Schönwiese, auf rund 200 Seiten zusammengetragen. Betont verständlich kommt das Thema daher, das hilft, „Argumente zu sammeln und Fakten zusammenzubringen“, wie Prof. Sebastian Schmidt als Vorstandsmitglied des FZJ bei der Begrüßung im Hause der Salesianer erklärte.

Zur Sachlichkeit, betonte Prof. Buchal, müsse man dringend wieder zurückkehren. Seit 1986 der Spiegel das Titelbild vom Kölner Dom im Wasser gedruckt hätte und damit der Klimawandel zur Klimakatastrophe geworden sei, würde das Thema emotional behandelt und medienwirksam aufgeblasen. „Bei allen Extremen hört man den sanften Mahner nicht mehr“, bedauert der Physiker. „ Einfach, ohne Ängste und Übertreibungen“ hätten sie die Klimaentwicklung betrachtet.

Einige Fakten: Die Wissenschaftler rechnen vor, dass sich bis zum Jahr 2050 der Energiebedarf verdoppelt. „Strom ist der Superalleskönner der Gegenwart“, so Prof. Buchal. Dieser Bedarf werde sich im gleichen Zeitraum verfünffachen. In den vergangenen Jahren sei bereits der Kohlebedarf um 40 Prozent gestiegen. Im „Schicksalsdiagramm“ – „Ich nenne es so, weil es mir so wichtig ist“ – wird aufgezeigt, dass sich die Zahl der Menschen seit 1947 von 2,5 Milliarden auf 6,9 Milliarden bis Ende 2010 erhöht hat.

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Prof. Buchal und seine Frau verfolgen den Vortrag von Prof. Schönwiese bei der Buchpräsentation im Science College

Prof. Buchal und seine Frau verfolgen den Vortrag von Prof. Schönwiese bei der Buchpräsentation im Science College

Wie hängen nun Faktor Mensch und Energieverbrauch mit dem Klima zusammen? Diesen Part stellte Meteorologe Prof. Schönwiese dar. Schwankungen von warmen und kalten Perioden auch mit Spitzenwerten seien normal. Vulkanismus als eine Ursache hierfür wird derzeit untersucht. Fakt ist aber, dass seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert die Temperatur insgesamt stetig gestiegen ist und innerhalb dieser Steigung die Schwankungen in normalem Maße verzeichnet sind. Ursache hierfür ist laut Prof. Schönwiese die Nutzung fossiler Brennstoffe: 37 Gigatonnen Kohlenstoff werden durch den Faktor Mensch zusätzlich der Atmosphäre zugeführt. Nicht betrachtete würden hier die 30 bis 40 weiteren Gase, etwa Methan, die zusätzlich die Lufthülle belasten würden. Durch die Gase steigt die Temperatur in der unteren Atmosphäre und steigt in der Stratosphäre – eine „Wärmefalle“.

Prof. Buchal betonte, dass alle Szenarien lediglich Prognosen seien, die auf den derzeitigen Erkenntnissen basierten. „Je nach Modell gehen wir von einer Erwärmung zwischen 1,1 und 6, 4 Grad aus.“ Der Prozess lässt sich nicht mehr umkehren, da die Auswirkungen auf die derzeitigen Ursachen erst mit Zeitverzögerung bei den Menschen ankommen. Die Frage sei aber vielmehr, „wie wir uns auf die Zukunft vorbereiten“.

Als „genialste chemische Formel“ stellte Prof. Buchal die künstliche Photosynthese vor: H 2O plus CO 2 plus Licht = CH 2O plus O 2 sei die „Weltrettungsformel“. Allein die Herstellung gelänge noch nicht. Landwirtschaft, fossile Brennstoffe, regenerative Energie und die Dünnschichttechnik wären bislang die Mittel der Gegenwart und es gebe nur eine Formel: Der Mix macht es. „Die Diagramme berücksichtigen weder Vulkanausbrüche noch Ausbrüche menschlicher Intelligenz“, so Prof. Buchal, das sei die Chance.

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Infos

Der Buch „Klima. Die Erde und ihre Atmosphäre im Wandel der Zeiten.“ ist postalisch bei der MIC GmbH, 50674 Köln zu bestellen oder via Internet über www.mic-net.de. Je Exemplar kostet das Buch 6 Euro, ab 3 Exemplaren je 4 Euro inklusive Versand.

Die Autoren Prof. Christoph Buchal, Institut für Bio- und Nanosysteme, und Prof. Christian-Dietrich Schönwiese, Institut für Atmosohäre und Umwelt arbeiten im Forschungszentrum Jülich.

Herausgeber: Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung


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