VHS bietet seit über 35 Jahren Weiterbildung für Jülicher

Mehr als 100 Prozent Angebot
Von Dorothée Schenk [31.01.2010, 12.45 Uhr]

Eine feste Größe ist seit 35 Jahren in Jülich die Volkshochschule. „In unserer schnelllebigen Zeit eine beachtliche Konstante“, wie Günter Vogel, seit über 15 Jahren Leiter der Bildungseinrichtung zu recht findet. Jetzt startet die VHS in das neue Frühjahrsemester. Ein Blick auf die Institution im Wandel der Zeit.

Günter Vogel, Leiter der Jülicher VHS.

Günter Vogel, Leiter der Jülicher VHS.

Es gibt aus heutiger Sicht „vorsintflutliche“ Zeiten, die historisch betrachtet noch gar nicht so lange her sind. Etwa jene Zeiten, in denen Karteikärtchen statt Dateien für Verwaltungsvorgänge benutzt wurden, persönliche Anmeldungen tatsächlich eine körperlich-persönliche Präsenz und nicht eine Email meinten und Klebestift und Schere ein Computerprogramm ersetzten. Man schrieb das Jahr 1994 als diese „Zustände“ in der Volkshochschule Jülich Normalität waren. Es war die Zeit, in der Günter Vogel gerade die Spitze der Erwachsenen- und Weiterbildung in der modernen Forschungsstadt übernommen hatte.

„Die Verfahren sind heute natürlich rationeller und bequemer geworden“, berichtet der VHS-Leiter, „aber auch weniger persönlich“. Jedes Jahr vor dem Semesterstart schleiche sich das Gefühl bei ihm und seinem Mitarbeiterstamm ein: „Wird das Semester laufen?“. „Uns fehlen die damals vorhandenen langen Anmeldeschlangen, die bis vor die Türe auf den Marktplatz führten und an den drei Tischen im Sitzungssaal endeten“, schmunzelt Vogel. Letztlich füllen sich aber immer die einzelnen Kurse mit Anmeldungen, die nunmehr hauptsächlich per Telefon, Mail oder online einlaufen. Die gehen dann in den PC, den Papier-Beleg (Anmeldekarte), also die „Altvätersitte“, wie Vogel es nennt, gibt der VHS-Leiter schon aus Dokumentationsgründen nicht auf. Das lehrt auch die Erfahrung, denn einmal sind für 14 Tage Daten verloren gegangen, weil der Server des Hauses zusammenbrach.

Die Digitalisierung der Anmeldung – etwa 30 Prozent nutzen heute schon die Online-Anmeldung – geht auch einher mit der rückläufigen Barzahlung. „Früher sind wir noch mit der großen Kasse zur Bank gegangen“, erinnert sich Günter Vogel, „heute wird überwiegend per Lastschriftverfahren bezahlt.“

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Ein starkes Team weiß VHS-Leiter Günter Vogel (l) an seiner Seite.

Ein starkes Team weiß VHS-Leiter Günter Vogel (l) an seiner Seite.

Apropos Bezahlung: Wurde vor 15 Jahren noch für jede VHS-Stunde ein Fixbetrag vom Teilnehmer erhoben, ist der Preis heute variabel und abhängig von vielerlei Faktoren. Ergeben hat sich diese Veränderung durch grundsätzliche kaufmännische Überlegungen und durch die Änderungen in der Förderung und Bezuschussung der gemeinnützigen öffentlichen „Lehranstalt“ durch Land und Kommune. NRW fördert 2,6 pädagogische Stellen und – seit dem Jahr 2000 statt 4800 nur noch – 3200 Unterrichtsstunden in den Bereichen Nachholen schulischer Abschlüsse, Gesellschaft und Politik, berufsorientierte und -begleitende Weiterbildung und Sprachen.

Tatsächlich bietet die VHS Jülich insgesamt ca. 10.000 – 12.000 an und zwar über den Förderungsbereich hinaus auch in den Kategorien Gesundheit, Sport und Kreativität. „Das Mehrangebot mit Deckungsgraden über 100% ist ein wesentlicher Aspekt zur Steuerung unserer Finanzen“, erläutert Günter Vogel, der kein Verständnis dafür aufbringen kann, dass Angebote im Bereich von Gesundheit und Kreativität nach Sicht der Landesregierung nicht „gesellschaftlich relevant“ sein sollen. „Jede Stunde, die jemand nicht konsumierend vor dem Fernseher, sondern sinnvoll und gestaltend verbringt, ist ein Gewinn und damit gesellschaftlich relevant“, ist seine Überzeugung.

In diesem Sinne geben sich Pädagogik und ökonomisches Management die Hand. Das Credo des VHS-Leiters: „Die pädagogische Ausrichtung soll mit dem ökonomischen Denken so verbunden sein, dass beide Seiten davon profitieren.“ Perspektivisch der richtige Weg, wie sich auch in der Weitsicht bezüglich der Zertifizierung zeigt. Als sie 2004/05 noch keine Verpflichtung war, nahm die Jülicher VHS bereits an dieser Qualitätssicherung teil. Trotz erhöhtem Arbeitswand ein Gewinn, denn „wir haben uns selbst aus einer anderen Warte betrachtet“. Außerdem hieß es, dass nur zertifizierte Einrichtungen Aufträge vom Arbeitsamt erhalten könnten. Dieser Markt ist aber aufgrund einer Entscheidung des Kartellamtes 2005/06 weggefallen. Den öffentlichen Weiterbildungseinrichtungen wurde unterstellt, dass sie wegen der öffentlichen Förderung gegenüber privaten Anbietern im Wettbewerbsvorteil seien. Der Ausschluss ist ein Ärgernis und, wie Vogel überzeugt ist, für eine qualitätvolle Weiterbildung nicht eben förderlich. Dennoch ist die Zertifizierung nicht vergebens, die 2009 erneuert worden ist. Denn ab 2010 gilt: Nur wer zertifiziert ist, erhält noch Geld aus Landesmitteln.

Info:
Wie immer am Anfang eines neuen Jahres erscheint auch das Frühjahrsprogramm der VHS und ist in der Stadt überall zu haben (in der Kernstadt und in fast allen Stadtteilen, in den beiden Rathäusern, der Stadtbücherei, in Buchhandlungen, Sparkassen und Banken; für Auswärtige wird es auf Wunsch auch zugesandt). Das Programm ist gewohnt umfangreich. Mehr als 230 Angebote aus den Bereichen „Schulabschlüsse“, „Mensch und Gesellschaft“, „Arbeitswelt und Beruf“, „Sprachen“, Gesundheit und Sport“ sowie „Kultur und Kreativität“ warten darauf, begutachtet und genutzt zu werden.

Natürlich ist die VHS Jülich auch im Internet unter www.juelich.de/vhs zu erreichen.

Neben dem Programm gibt es dort auch ausführlichen Informationen rund um ihr Angebot. Trotz der ausführlichen Darstellungen empfiehlt die VHS Jülich vor der Kursbuchung eine fachkundige Beratung, vor allem in den Bereichen EDV und Sprachen.

Die Anmeldungen zum neuen Semester laufen seit 11. Januar. Das Semester selbst startet für die meisten Kurse nach Fastnacht, sodass Belegungen problemlos möglich sein werden. Die Anmeldungen können persönlich in der Geschäftsstelle, Altes Rathaus, erfolgen oder schriftlich (VHS, Marktplatz 1, 52428 Jülich), per Fax (02461/63232), per e-Mail: vhs@juelich.de oder direkt über das Internet (online-Anmeldung unter www.juelich.de/vhs).

Ein besonderer Service ist die telefonische Anmeldung, bequem und schnell unter : 02461/ 632 - 31/ -19/ -20. Natürlich gibt es keinen Anmeldeschluss, d.h. Anmeldungen werden so lange angenommen, wie Plätze in den Kursen frei sind.


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