Balto Matzerath sammelt Karnevalsabzeichen aus Leidenschaft

Für diese Sammlung gäb es einen Orden…
Von Dorothée Schenk [10.02.2010, 18.34 Uhr]

Balto Matzerath ist Ordenssammler aus Leidenschaft.

Balto Matzerath ist Ordenssammler aus Leidenschaft.

Wenn die Session beginnt, so wächst sie weiter, die Sammlung von Balto Matzerath. Der Muttkraat und seit 40 Jahren Senator der KG Ulk Jülich sammelt Karnevalsorden. Alle Abzeichen seiner Gesellschaft aus den Jahren seit 1950 hat er sogar vollständig.

Sie sind nicht größer als ein Handteller und erzählen immer eine (Zeit-)Geschichte: Karnevalsorden. An den Wänden, hinter Glas und auch in gesonderten Kisten bewahrt der Ur-Jülicher Matzerath seine guten Stücke auf: Rur-Sternchen und Rur-Blümchen, Lazarus und natürlich die zusammengetragenen Jahresgaben des eigenen Vereins, der KG Ulk. Von Interesse ist nicht nur die individuelle Gestaltung, sondern auch die Veränderung der Form im Laufe der Jahre. So wurden in den 50er Jahren die Auszeichnungen grundsätzlich in Kreuzform gegossen. Heute beugt sich die Form der inhaltlichen Gestaltung, also dem Thema.

Zwei „Abweichler“ gibt es, die ebenfalls zur Sammlung Matzerath gehören: Die kreisrunden Jubiläums-Orden von 1972 und 2002, die so genannten Meißen-Orden, die in der Porzellan-Metropole gefertigt wurden. „Ein Orden aus der DDR, das war in den 70ern schon eine kleine Sensation“, erinnert Ulk-Präsident Jörg Bücher. Außerdem gehören in die Reihe die Auszeichnung von 1989, die gleich in fünf verschiedenen Ausführungen gefertigt wurde, sowie zehn Jahre später der teuerste Orden der KG Ulk: „De Euro kütt – de Mark jeht“. Per Hand wurde auf die etwa 400-Stück-starke Auflage je eine Mark aufgeklebt. „Für mich ist der interessanteste Orden der 1927er zum 25-jährigen Jubiläum“, kürt der Sammler sein persönliches Lieblingsstück.

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Ulk-Präsident Jörg Bücher vor den „Schätzen“, die Balto Matzerath zusammengetragen hat, wie den Meißner-Jubiläumsorden in seiner Hand.

Ulk-Präsident Jörg Bücher vor den „Schätzen“, die Balto Matzerath zusammengetragen hat, wie den Meißner-Jubiläumsorden in seiner Hand.

Ob 1929/30 der so genannte Befreiungsorden oder heute die Themen Golfplatz, Hallenbad versus Freibad oder die verkehrsberuhigte Zone – kaum ein lokaler Aspekt, der nicht vom Ulk aufs Korn und anschließend auf den Orden genommen worden ist. Von Theo Prömper über Hans Lafos bis zu Frank Lafos – Kreateur der aktuellen Ausgabe – hatten die kreativen Ulk-Geister seit den 50er Jahren freie Hand bei der Gestaltung. Dabei stößt nicht jede Umsetzung auf die Zustimmung des Sammlers: „Manchen Orden wurden in Büttenreden kommentiert“, erzählt Balto Matzerath schmunzelnd.

Gute Tradition ist es bei Matzeraths gewesen, zur Ulk-Familie zu gehören. Schon Vater und Großvater waren Mitglieder, der 1902 gegründeten KG. Dennoch sind Vorkriegs-Orden eine Rarität und darum begehrt. „Viele Überlebende des 16. November 1944 haben natürlich bei der Flucht ihre Orden zurückgelassen,“ erklärt Matzerath. Wer seine karnevalistische Auszeichnung rettete, mag sich oft nicht trennen. Und wie ist Balto Matzerath zu so einer umfangreichen Sammlung gekommen? Bei dem Jülicher Urgewächs gehen gute Kontakte, detektivisches Gespür und Beredsamkeit Hand in Hand.

Frau Monika erzählt lachend, wie ihr Mann im Nichtraucherhaushalt einem „Verhandlungspartner“ sogar die Zigarette gestattete, um an das Objekt des Begehrens zu kommen, das sich in der Hosentasche des Gesprächspartners befand. Und es fließen auch schon mal Tränen, wenn in einer Schuhkiste auf einem Dachboden Schätzchen entdeckt und ihm übergeben werden. Derzeit ist der Muttkraat wieder in Verhandlungen „da ist aber noch nichts entschieden“, schmunzelt Balto Matzerath verschmitzt und der Jagdinstinkt blitzt aus den Augenwinkeln.


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