Thema im „Spiegel“

Umweltministerium prüft Alt-Vorfälle in Jülicher Reaktor
Von Redaktion/tee [19.07.2009, 11.44 Uhr]

AVR Reaktorgebäude mit Materialschleuse im Jahre 2007 Quelle: www.ewn-gmbh.de

AVR Reaktorgebäude mit Materialschleuse im Jahre 2007 Quelle: www.ewn-gmbh.de

In seiner neuen Ausgabe berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ über alte Störfälle im Reaktor im Forschungszentrum Jülich. Laut einer dort veröffentlichten Studie sei der Reaktor jahrelang mit viel zu hoher Temperatur betrieben worden. Autor der Analyse ist Rainer Moormann. Der Kernenergie-Experten war jahrelang in Jülich in der Sicherheitsforschung tätig.

In der Studie wird berichtet, dass der Reaktor durch hohen Graphiteinsatz extrem strahlenintensiv und mit viel zu hohen Temperaturen betrieben worden sei. Grundlage hierfür ist der 1978 bekannt gewordene Störfall im Jülicher Reaktor. Damals trat infolge eines länger unbemerkten Lecks im Überhitzerteil des Dampferzeugers 27,5 t Wasser in den He-Primärkreislauf und damit in den Reaktorkern ein. Der Störfall wurde in die Kategorie C eingeordnet. Der Störfall blieb wahrscheinlich nur deshalb ohne schwere Folgen, da der Kern nur Temperaturen kleiner 500 °C aufwies. Trotzdem musste der Reaktor fast ein Jahr lang durch das Fahren mit verringerter Temperatur "getrocknet" werden. Infolge dieses Störfalles wurden bei nachfolgenden Designs von Hochtemperatur-Reaktoren Vorkehrungen getroffen, die eine Flutung des Kerns mit Sekundärkühlmittel verhindern sollen. (Quelle: Wikipedia)

Im „Spiegel“ wird das Darmstädter Öko-Instituts zitiert, demzufolge es sich im Jülich sich aufgrund der hohen Nuklearstrahlung um einen der „problematischsten Reaktoren weltweit“ handeln soll. Allerdings, so wird im weiteren Verlauf das mit dem Abbau des Reaktors betraute Unternehmen EWN zitiert, sei mit der Verfüllung durch 500 Kubikmeter Porenleichtbeton vor einigen Monaten bereits eine Gefährdung für Mensch und Umwelt ausgeschlossen.

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AVR Gelände aus der Luft. Quelle: www.ewn-gmbh.de

AVR Gelände aus der Luft. Quelle: www.ewn-gmbh.de

Mit den Alt-Vorfällen wird sich nun auch das Bundesumweltministerium beschäftigen. Es soll das NRW-Ministerium beauftragt haben, die Vorfälle aus den 70er Jahren zu untersuchen. Hierbei stehe die Aufklärung im Vordergrund um sicherheitstechnisch wichtige Konsequenzen aus den Erfahrungen mit der Versuchsanlage für Hochtemperatur-Reaktoren zu ziehen.

Das Kernkraftwerk AVR Jülich (Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor Jülich) war der erste deutsche Hochtemperaturreaktor. Die Anlage basierte auf einem Konzept der Unternehmen BBC/ Krupp Reaktorbau/Hochtemperatur Reaktorbau (Kugelhaufenreaktor) und hatte eine elektrische Nettoleistung von 13 Megawatt. 1967 wurde das Kraftwerk, welches auch Strom ins öffentliche Netz lieferte, in Betrieb genommen. Nach 21 Betriebsjahren wurde der Reaktor am 31. Dezember 1988 abgeschaltet.

Das Stillegungskonzept wurde in den Folgejahren von „Sicherer Einschluss“ über „Entkernung“ in „vollständiger Abbau“ geändert. Dazu wurde die AVR im Jahr 2003 in das bundeseigenene Rückbau-Unternehmen Energiewerke Nord integriert. Derzeit laufen Vorbereitungen für die totale Beseitigung der Anlage. Mit Abschluss aller notwendigen Arbeiten (Plantermin 2015) ist das Abbauprojekt „Grüne Wiese“ beendet und die AVR GmbH übergibt das Gelände wieder dem Land Nordrhein-Westfalen. Der Reaktorbehälter soll rund 200 Meter entfernt für gut 60 Jahre zwischengelagert werden.


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