Immer noch verrückt nach all den Jahren
Von Arne Schenk [10.06.2009, 16.20 Uhr]

15 Jahre sind eine Ewigkeit im Rockbusiness. Das ist etwa die doppelte Zeit, wie zwischen der ersten und letzten LP der Beatles lag und ungefähr die fünffache im Vergleich mit Jimi Hendrix offiziellem Oeuvre. Genau 15 Jahre dauerte es, bis Thomas Hoffmann das Kribbeln in den Fingern nicht mehr aushielt und wieder zur Gitarre griff, um etwas Professionelles zu produzieren.

Thomas Hoffmann alias Tom 5

Thomas Hoffmann alias Tom 5

Kein Wunder, dass die Ideen derzeit nur so aus ihm heraussprudeln. Jetzt ist er wieder voll da. Und dies gleich zwei Mal: mit neuer Band „Blind Sun“ und seinem Soloprojekt „Tom 5“. Bereits im Oktober 2007 fragte sein alter „Underdog“-Kumpel Rudolf „Randy“ Engel an, ob Thomas wieder etwas Musikalisches machen wolle, allerdings keinen Nachfolger der alten Band, auch wenn die Beiden mit „Underdog“ eine recht erfolgreiche Karriere hinter sich haben.

In die um 1980 von Randy mitgegründete Hardrocktruppe stieg Tom 1986 ein. Die größten Erfolge waren ein Major-Deal bei EMI mit der dritten LP „Out of the Night“, etwa 60.000 verkaufte Exemplare des Samplers „Heavy Rock Super Groups“, auf dem sich die Band ein Stelldichein mit anderen namhaften Größen wie den Scorpions, Whitesnake, Saxon oder Queensryche gab, sowie Tourneen mit Manfred Mann’s Earth Band und Inga Rumpf.

Der ganz große Durchbruch indes blieb aus. „Wenn Du glaubst, dass Du es mit einem Major-Deal geschafft hast, wirst Du eines besseren belehrt“, meint Thomas Hoffmann. „Es hat Spaß gemacht, aber leben konnte ich davon nicht.“ Beruflich orientierte er sich daraufhin anders, und irgendwann war in der Musik generell die Luft ’raus.

Bis Randy sich meldete. Gleichsam meldete sich bei Thomas auch die Lust an der „Mucke“ wieder. Als Bassist gewann das Duo sinnigerweise Thomas Gitarristen-Vorgänger bei „Underdog“, Ritchie Reinhold. Den Posten als Schlagzeuger ergatterte Manni Linden, in Jülicher Landen bekannt von „Veiled Secrets“. „Dann kam das schwere Unterfangen, einen Sänger finden zu müssen“, stöhnt Tom.

Zwischenzeitlich hatte die Band bereits angefangen, Backing Tracks für neue Songs im Studio einzuspielen, als plötzlich Marcus Treinen alias Mr. Tottler auf der Matte stand. Er brachte sich direkt in die Stücke ein, so dass die Gruppe einige Songs umarrangierte, um sie bestmöglich auf den Sänger abzustimmen. „Marcus ist ein Glücksfall. Seine Einflüsse haben uns gut getan.“

Nicht nur die Stimme passt perfekt zur Band: „Er ist auch von der Optik her eine absolute ‚Frontsau’“, bekräftigt der Gitarrist. „Ich freue mich schon auf den ersten Auftritt.“ Die Maxi-CD „Stargazer“ mit den sechs Songs „Stargazer“, „Over the Rainbow“, „Into this“, „On Wheels of Fire“, „Hold on“ und „An exciting Way“ wird über DFU Records vertrieben und ist weltweit über Internet-Kaufhäuser wie Amazon.de oder Amazon.com und Download-Shops wie Musicload.de erhältlich.

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Blind Sun: Manni Linden, Randy Engels, Thomas Hoffmann, Mr. Tottler, Rich Reinhold

Blind Sun: Manni Linden, Randy Engels, Thomas Hoffmann, Mr. Tottler, Rich Reinhold

Allerdings pausierte zwischendurch „Blind Sun“ eine Zeitlang Leerlauf. „Hey, ich habe noch so viele Ideen, da machste was draus“, dachte sich Thomas, der „Tom 5“ bereits vor Jahren als Pseudonym für Songs angegeben hatte. Das Zahlen als Namen-Spiel hat er sich bei „Star Trek“ abgeschaut: „7 of 9 fand ich toll.“ Genau das Richtige für die eigene Produktion also.

Ebenfalls fünf Stücke nahm er dabei im Alleingang auf: „Metal Aperitif“, „Gothic Nights“, „No Return“, „Point Zero“ und „Dirty Day“. Gitarren, Bass und Schlagzeug selber eingespielt oder programmiert. Als Axel Niehaus, Chef der New Yorker Produktionsfirma „Stray Dog Music“, das mit „Gothic Nights“ betitelte Werk unter seine Ohren bekam, bekundete er spontan sein Interesse daran. Weil diese Art instrumentaler Musik etwas Neues sei.

„Zeig mir doch mal was Neues in der Musik“, wunderte sich Tom 5. „Es gibt doch nichts.“ Von wegen, entgegnete wiederum Niehaus. Gerade im instrumentalen Hardrock und Metalbereich wollen sich Gitarristen mit Virtuosität beeindrucken, somit sind diese Produktion eher etwas für Spezialisten. Tom 5 arbeite dazu im Gegensatz songorientiert, ersetzt den Gesang durch eine Gitarrenmelodie. Damit sind die Weichen für eine weltweite Veröffentlichung des Projekts gestellt.

Allerdings hätte Tom gerne noch zwei weitere Stücke auf seinem Werk: „Mary Jane“ und vor allem „The Fortune Teller“. „Das ist die geilste Nummer, die ich je geschrieben habe“, grinst er. Da ist sie wieder, die alte Begeisterung. Wie sagt er selber so schön: „Es ist eine verrückte Welt.“

Infos unter www.blind-sun.com sowie unter www.myspace.com/tom5metal im Internet.


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