Siebte Produktion der Regisseurin Sonja Wirtz

Schule als Hölle und weitere „krasse“ Jugendsorgen
Von Arne Schenk [23.01.2009, 14.18 Uhr]

Lucy (Jaci Lüttgen) drängt die neue Mitschülerin Svenja (Hannah Richardy) in die Ecke

Lucy (Jaci Lüttgen) drängt die neue Mitschülerin Svenja (Hannah Richardy) in die Ecke

„Meinste, Matze sitzt in der Hölle?“, fragt Minnie, Lucy kontert: „Quatsch! ’ne Hölle gibt’s auch nicht.“ Dies sieht Minnie anders: „Doch, die Schule ist die Hölle.“ Sah Matze etwa seinen Suizid als einzigen Ausweg, um diesem irdischen Fegefeuer zu entkommen?
Themen wie Gewaltbereitschaft, Mobbing und sprachliche Verarmung bei Jugendlichen spricht das Theaterensemble „Zwischendrin“ mit ihrem neuen Stück „Eins auf die Fresse“ des Autors Rainer Hachfeld an und reflektiert damit die Lebenswirklichkeit vieler Kinder und Jugendlicher. Beleidigungen bestimmen die Anrede untereinander, da ist „Schwein“ noch die harmloseste. „Ein krasses Beispiel, wie Sprache verkommt“, meinen die jungen Schauspieler.

Die Positionen scheinen klar verteilt: Lucy Kunewski (Jaci Lüttgen) als fiese Bandenchefin, die mit Hilfe von Marie-Luise „Minnie“ Blohme (Mirjam te Laak) die restlichen Jugendlichen unter Druck setzt, insbesondere Neuschülerin Svenja Sommerland (Hannah Richardy). Wird Leon Schmitt (Sebastian Reinartz) Farbe bekennen und offen für Svenja Stellung beziehen? Welche Rollen spielen Frau Erbach (Annegret Neubauer), die Mutter des toten Matze, und Lehrer „Ratze“ Ratzenauer (Phillip Czichowski)?

Lebendiges Theater verspricht „Zwischendrin“ mit „Eins auf die Fresse“. Die Aufführung kommt nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daher, verspricht aber dennoch, lehrreich zu sein, erklärt Sebastian Reinartz. Für die sechsköpfige Theatertruppe zwischen 16 und 18 Jahren um Regisseurin Sonja Wirtz bedeutet das Schauspiel eine besondere Herausforderung. „Weil man so sein kann, wie man sonst nie ist“, erklärt Lucy, die im wirklichen Leben auf den Namen Jaci hört.

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Das Ensemble "Zwischendrin" zeigt das Stück "Eins auf die Fresse"

Das Ensemble "Zwischendrin" zeigt das Stück "Eins auf die Fresse"

Krimimäßig ist das Ganze aufgezogen, nicht nur wegen des kriminellen Hintergrundes, sondern auch wegen der verwickelten Beziehungen zueinander. Oberflächlich scheinen die Rollen klar verteilt, doch wie Handlungsträger tatsächlich zueinander stehen, bleibt lange unklar. So bringt das Ende so manche Überraschung.

„Es werden auch Lösungswege angedeutet“, bekräftigt Sonja Wirtz. Nach ihrem letztjährigen Erfolg „Irre alte Welt“ ist „Eins auf die Fresse“ bereits die siebte Produktion, die Sonja Wirtz im Kulturbahnhof inszeniert. Neu dabei sind die beiden männlichen der Darsteller, während die weiblichen bereits zum zweiten oder dritten Mal mitwirken.

Die aktuelle Produktion feiert am Freitag, 30. Januar, 20 Uhr, Premiere im KuBa. Weitere Vorstellungen laufen am 31. Januar, 1. Februar, 6. Februar, 7. Februar und 8. Februar. Karten sind zum Preis von 9 Euro / 5 Euro ermäßigt im KuBa-Büro, Bahnhofstraße 13, Tel. 02461/246642, Email info@kuba-juelich.de erhältlich. Infos unter www.kuba-juelich.de im Internet.

„Nehmt mal alles mit auf die Bühne“, fordert schließlich Sonja ihr Ensemble auf, als die Probe weitergeht. Die Jungspieler greifen gehorsam Mülleimer, Taschen, Skateboards und Jacken. Mehr Requisiten brauchen sie nicht. Dazu fehlt einerseits die nötige Finanzierung, Sponsoren werden gesucht. Gleichzeitig birgt dieser Mangel auch Vorteile, wie Mirjam feststellt: „Das ist ganz bewusst reduziert, um nicht von der Geschichte abzulenken.“


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