Nordviertel: Gute Infrastruktur aber einiges Konfliktpotential

Mit Jugendarbeit und Stadtteilbüro gegen schlechtes Image
Von Dorothée Schenk [30.09.2008, 21.12 Uhr]

Das Wahrzeichen des Jülicher Nordviertels: Die Sales-Kirche

Das Wahrzeichen des Jülicher Nordviertels: Die Sales-Kirche

Ein Zwei-Säulen-Modell für das Nordviertel stellte Katarina Esser, Leiterin des Amtes für Gleichstellung, Soziales und seit neuestem auch Integration den Ausschussmitgliedern im Neuen Rathaus vor: Ein Stadtteilbüro und die Einrichtung einer offenen Jugendarbeit sollen Jülichs jüngstem Stadtteil wieder zu einem besseren Image verhelfen.

Das Nordviertel, gewachsen mit der Errichtung der Kernforschungsanlage, heute Forschungszentrum, sinkt laut Sozialanalyse des Amtes 56 im Ansehen. Die Infrastruktur zwischen Einkaufsmöglichkeiten, Schule, Kindergärten und Kirche ist seit den Anfang der 70er Jahre unverändert gut, allerdings zitiert Amtsleiterin Esser als Negativfaktoren eine steigende Anonymität, Abwanderungen, viele Leerstände von Wohnungen und vermehrten Zuzug von Sozialhilfeempfängern.

Dabei geht es gar nicht so sehr um das gesamte Viertel: Zwischen Linnicher, Petternicher, südlicher Kopernikus- und Artilleriestraße dominieren, wie auf einer Karte gut sichtbar, Einfamilienhäuser das Bild – an der nördlichen Kopernikusstraße und im Dreieck Gutenberg, Robert-Koch- und Röntgen-Straße sind es Mehrfamilien- oder Hochhäuser. Dort hat die im Ausschuss vorgestellte Analyse das Problemfeld ausgemacht: 16 Nationen auf engem Raum, viele Sozialhilfeempfänger und Langzeitarbeitslose, Kinder und Jugendliche, die sich hauptsächlich auf der Straße aufhalten und spielen, sorgen für Konfliktpotential. Allerdings bleibt festzuhalten: Polizei und Ordnungsamt registrieren keine Auffälligkeiten.

Die Verwaltung will mit einem Stadtteilbüro eine Anlaufstelle schaffen, die vor Ort Vernetzung und Problemlösung möglich macht. Ein städtischen Mitarbeiter soll – durch Personalverlagerung – dort 10 bis 12 Stunden in der Woche zum Einsatz kommen. Der Standort ist noch unklar. Allerdings rückte Katarina Esser ihn in die Nähe des Projekts „Übernahme der Jugendarbeit durch die Pfarre St. Mariä Himmelfahrt“. Michael Gerken vom Kirchenvorstand präsentierte das Konzept, verdeutlichte aber: „Ich bin heute nicht hier, um Geld von der Stadt zu erbitten, sondern eine Änderung des Bebauungsplanes.“

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Viele Kinder und Jugendliche der Kopernikusstraßen spielen auf der Straße, das sorgt für Konfliktpotential - auf dem Foto wird allerdings ganz offiziell beim Straßenfest 2006S Streetball gespielt.

Viele Kinder und Jugendliche der Kopernikusstraßen spielen auf der Straße, das sorgt für Konfliktpotential - auf dem Foto wird allerdings ganz offiziell beim Straßenfest 2006S Streetball gespielt.

Nötig ist diese, weil auf dem Bolzplatz hinter der Röntgenstraße nach Vorstellung der Planer fünf bis sechs Container aufgestellt werden sollen. Auf den rund 109 Quadratmetern sollen neben einem Büro auch Räume gemeinsam mit den Jugendlichen gestaltet werden, um die „Verantwortung für das Eigene“ zu gewährleisten. Der Standort Bolzplatz ist ideal, weil er durch den Bahndamm einen natürlichen Lärmschutz zum benachbarten Wohngebiet hat und bereits jetzt Anziehungspunkt der Jugendlichen ist. Neben den klassischen Jugendheim-Angeboten in den Containern bietet er zusätzlich direkt vor der Türe Sportmöglichkeiten.

Das Grundstück ist nicht im Besitz der Stadt, der Eigner unterstützt aber das Vorhaben, wie Gerken versicherte. Finanziert werden soll das Projekt durch einen privaten Sponsor, der im ersten Jahr des auf drei Jahre angelegten Projektes 65.000 Euro beisteuern will. Mit 90.000 bis 100.000 Euro – inklusive Anschaffungs-, Erschließungskosten und Personal – werden die Gesamtkosten beziffert. In den Folgejahren sollen sie auf 56.000 Euro sinken. Personell ausgestattet werden soll die Offene Jugendeinrichtung mit einer Fachkraft, Honorarkraft und einem Praktikanten. Partner im Projekt sind die Sales-Pfarre, der Sozialdienst katholischer Frauen, die Stadt Jülich und der Kreis Düren.

Bei aller Zustimmung, die Michael Gerken für das Propstei-Pfarren-Projekt erhielt, hinterfragten die Ausschussmitglieder dennoch die Perspektive: Wer soll künftig die Betriebskosten für die Container bezahlen? Was ist, wenn die drei Jahre vorbei sind und die Förderung des Sponsors nicht mehr fließt? Wie werden dann die Kosten gedeckt? Hat die Einrichtung einer neuen Jugendeinrichtung, die zum Kreisjugendamt gehören, Auswirkungen auf die existierenden?

Diese Eckpunkte blieben letztlich noch ungeklärt. Befassen wird sich damit im November der Jugendhilfeausschuss, deren Vorsitzende Helga Contzen bereits positive Signale in Richtung Jülich gesendet hat. Wird zügig über die Änderung des Bebauungsplanes entschieden, kann im Frühjahr mit der Umsetzung des Konzeptes begonnen werden.


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