Projekt Via Belgica

„Römische Autobahn“ führt direkt durch Jülich
Von Maximilian Baur [19.09.2008, 17.14 Uhr]

Die Verbindungsstraße von Köln über Jülich ans Meer beschäftigt das Projekt "via belgica"

Die Verbindungsstraße von Köln über Jülich ans Meer beschäftigt das Projekt "via belgica"

Wer sich heute von Köln aus auf den Weg nach Brüssel, nach Paris oder sogar nach London macht, sieht Aachen als erste Station. Stets führt die Autobahn oder läuft die Bahnstrecke schnurstracks nach Westen, bevor sie die Grenze überschreitet.

Anders zur Römerzeit: Als Köln und der Rhein die Ostgrenze des Reichs darstellten, eine sichere und zuverlässige Armee- und Reiseroute aus dem Westen gebraucht wurde, stellte Jülich einen bedeutenden Wegpunkt der via belgica dar, die London über den heutigen französischen Ärmelkanalhafen Boulogne-sur-Mer, Arras, Tongeren und Heerlen mit Köln verband.

Ein in den Dimensionen gigantisches Bauprojekt: Allein auf dem Kontinent wurde über hunderte von Kilometern eine bis zu 25 m breite Straße angelegt – das entspricht heute einer zweispurigen Autobahn und wurde auch damals als ähnlich schnelle Fortbewegungsmöglichkeit wahrgenommen.

Am vicus iuliacum, also im heutigen Jülich, querte die Straße die Rur, wozu sie von ihrem ansonsten schnurgeraden Verlauf abwich: Die Markierungen im Straßenpflaster zeigen, wie der Straßenverlauf von der Römerstraße kommend am Marktplatz nach Südwesten abknickt und schließlich in die Kleine Rurstraße übergeht, die als einziger Straßenzug im Stadtzentrum noch heute der via belgica folgt.

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Als im Mittelalter Aachen an Bedeutung gewann, änderte sich auch der Verlauf der wichtigen Verkehrswege: Jülich wurde zum Verkehrsknotenpunkt. Diese Bedeutung der Stadt, die den „neuen“ Weg und die alte Römerstraße verband, wertete Jülich bis weit in die Neuzeit hinein auf und kann als einer der Gründe gelten, warum Jülich als Festungsstadt ausgewählt wurde, eine Entscheidung, die durch den Bau der Zitadelle und der Stadtbefestigung Jülich bis in die Neuzeit prägte.

Von Köln bis Jülich wurde die via belgica über Jahrhunderte als Verkehrsweg erhalten, danach knickte die neue Route über Aachen nach Süden ab, während im Lauf der Jahrhunderte die ursprüngliche via belgica verfiel, überwuchert und überbaut wurde. Der Braunkohletagebau in der Neuzeit und die zunehmende Besiedlung des Nordkreises sowie die Grenzziehung zwischen Deutschland und den Niederlanden taten ihr Übriges, sodass die Routenführung der via belgica nun nur noch sporadisch festzustellen ist.

Um das zu ändern, um Besuchern und Bewohnern die Möglichkeit zu bieten, den Lauf dieser „antiken Autobahn“ nachzuvollziehen, haben sich zehn deutsche Kommunen und ihre niederländischen Partner zusammengeschlossen. Im Projekt „Erlebnisraum Römerstraße“ wollen sie gemeinsam mit der EuRegionale 2008 und Regionale 2010 die archäologischen Zeugnisse entlang der Haupttrassen des römischen Verkehrsnetzes im Rheinland kulturtouristisch und landschaftsplanerisch sichtbar machen.

In diesem Zusammenhang sollen die ursprünglichen Straßenverläufe festgestellt werden. Aufgrund der landwirtschaftlichen Nutzung der Gegend wird dazu das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege ein Projekt durchführen, bei dem die Straße und die römischen Fundstellen an dieser durch Feldbegehungen untersucht werden. Mit Einverständnis der Eigentümer werden hierbei die Felder sorgfältig abgeschritten.

Mit Hilfe der genannten Kommunen und Institutionen soll also der Grundstein dazu gelegt werden, die via belgica dokumentarisch und landschaftsplanerisch wieder einzubinden, um die Vernetzung unserer Region von der Antike über das Mittelalter bis heute sichtbar zu machen und die regionale Identität über Staatsgrenzen hinweg zu stärken.


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