St. Martinus in Stetternich ist renoviert

Möbelrücken für die erste Messe
Von Dorothée Schenk [06.09.2008, 12.10 Uhr]

Bis vergangene Woche parkte zuweilen ein Fahhrad am Altar…

Bis vergangene Woche parkte zuweilen ein Fahhrad am Altar…

Das ist Millimeterarbeit: Mit Körperkraft und Unterstützung von Rollbrettern manövrieren vier Männer Kirchenbänke Stück für Stück durch das schmale Portal an ihren Bestimmungsort. Nach fünf monatiger Renovierungszeit wird am Sonntag, 14. September, in St. Martinus in Stetternich zum ersten Mal wieder die Messe gelesen.

Bis vor zwei Wochen parkte zuweilen noch ein Fahrrad vor den Treppen zum Altar und der Beichtstuhl stand dort, wo das Predigtpult hingehört. In der Sakristei stapelte sich die Kirchenausstattung, die Heiligen waren vom Sockel geholt und unter der Treppe zur Empore in Sicherheit gebracht worden. Nach 30 Jahren hatte die Gemeinde St. Martinus entschieden ist das Gotteshaus reif für einen neuen Anstrich. Vor allem die Warmluftheizung hatte für eine starke Verschmutzung gesorgt. Außerdem war die Zeit der Teppiche unter den Betbänken und im Gang im wahrsten Sinne abgelaufen.

Wie so oft, war es eine Frage des Geldes: Sieben Jahre lang floss die Kollekte in das Projekt „Neuanstrich“, wurden Spenden gesammelt und der Martinus-Bauverein tat das seine dazu, ehe es zur rund 16.000-Euro-teuren Umsetzung kam. Mittel vom Bistum oder der Denkmalbehörde gab es nicht. Dafür aber Auflagen: Wie etwa die Farbe des amtlich als erhaltenswert eingestuften Kirchenbaus zu wählen ist. „Hätten wir nicht nur renoviert, sondern restauriert“, berichtet Kirchenvorstand Klaus Peter Schmitz, „hätte das Projekt 90.000 Euro gekostet – unbezahlbar!“

Ein lichtes Gelb, akzentuiert mit Grautönen ist es letztlich geworden, was Decke, Wände, Empore und Altarraum ziert. Der Anstrich ist übrigens das einzige, was die rund 25 aktiven Gemeindemitglieder nicht in Eigenleistung erbracht haben. Hier hat sich ein kullanter Fachbetrieb in zweiwöchiger Arbeit ans Werk gemacht. Ansonsten wurde manche Stunde emsig das Knie gebeugt, vor allem als die Schäden im Holzboden entdeckt wurden, über die der Teppich bislang den Mantel des Schweigens gehüllt hatte.

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…jetzt wurden die Kirchenbänke wieder eingeräumt

…jetzt wurden die Kirchenbänke wieder eingeräumt

Das Gute daran: Die Entscheidung fiel, das Holz zu reparieren, zu streichen und zu versiegeln. Freie Sicht bleibt ebenso künftig auf den schönen Blausteinboden im Mittelgang. „Wenn man ihn sieht könnte man meinen, die Römer seien bereits mit Pferd und Wagen hier durchgezogen,“ ließ ein Gemeindemitglied verlauten. „Aber ist nicht das gerade sehenswert?“ fragt Pfarrgemeinderatsvorsitzender Peter Rainer.

Sehenswert ist St. Martinus in Stetternich ohnehin – ein kleines Schatzkästchen. Nicht nur, dass die Grundmauern bis ins 12. Jahrhundert zurück reichen; der Turm 1716 errichtet wurde – übrigens im Frühjahr ebenfalls frisch verputzt und angestrichen –, vor allem die Innenausstattung ist wahrlich von Adel: Aus der herzöglichen Schlosskapelle der Jülicher Zitadelle stammen der barocke Hauptaltar, Kanzel und Taufstein, die Seitenaltäre und die Pietà sind aus dem 1802 aufgelösten Kartäuserkloster bei Jülich nach Stetternich gekommen.

Da gab es für Annemie Fensky manches Edelmetall zu polieren, während Gaby Schmitz auf der Leiter stehend den reich ornamentierten Holzrahmen der Marienikone im Eingang mit Öl einreibt. „Sehen Sie, wie der Rahmen das Öl trinkt? Das war mal wieder nötig“, strahlt sie bei der Arbeit. Eine fröhliche Gemeinde, die hier zu Werke geht: Michael Kogel, der gerade noch mit dem Zollstock exakt 40 Zentimeter zwischen den Kirchenbänken markiert hat, witzelt mit Ferdinand Piel, der mit Holzleim den Rahmen der Pièta richtet. Barbara Pabst reibt plaudernd die frisch „gelieferten“ Kirchenbänke ab und ihr 12-jähriger Sohn Florian lässt sich von Ortsvorsteher Rolf Berns beim Steckdosen montieren Nachhilfe in Elektrik geben. Das alles zu den harmonischen Klängen des „Menuet gotique“ von Leon Boellmann. „Ich störe jetzt wahrscheinlich, aber ich muss üben“, erklärt Sebastian Houben ehe er sich an die Orgel setzt, „Morgen ist Hochzeit…“ Dann wird sich erstmals zeigen, ob die Kirchenbesucher gut hingucken können. Denn, wie Peter Rainer augenzwinkernd erklärt, hat es einige Änderungen gegeben: „Mal sehen, wem sie auffallen.“

Offiziell wird das Kirchenleben am Sonntag, 14. September, nach der Festmesse um 9 Uhr neu eingeläutet. Zu geselligem Gemeindeleben sind die Kirchgänger dann in das neue Gartenhaus neben St. Martinus eingeladen, das in Renovierungszeit errichtet wurde.

Gucken Sie hier: 25 Engel für St. Martinus


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