Zweite europäischen Sommerschule für Nuklearchemie an der FH in Jülich

Die ganz normale Dosis an Strahlen
Von Arne Schenk [25.09.2008, 09.39 Uhr]

Mit weißen Kitteln bekleidet stehen die Studenten im Vorraum des radiochemischen Labors, schauen in ein Dosimeter. Dabei fällt der Blick durch ein Röhrchen auf eine Skala. Den abgebildeten Wert tragen sie in eine Tabelle ein, komplett mit Namen, Datum und Uhrzeit. Wenn sie das Labor verlassen, dann wiederholen sie das Prozedere. Die Daten veranschaulichen die Strahlungsmenge, der die Nachwuchswissenschaftler ausgesetzt waren.

„Seit ich hier bin, ist noch nie eine messbare Dosis vorgekommen“, erinnert sich Professor Dr. Ulrich Scherer, der gemeinsam mit seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter, dem Diplom-Ingenieur Jochen Schütz, die Studierenden an diesem Tag begleitet. Nicht einmal bei sich selbst stellten Scherer und Schütz jemals Spuren der Kontamination fest, obwohl sie mit den hochradioaktiven Stoffen umgehen.

Eine solide theoretische und praktische Ausbildung erfordert eben auch das ganz normale Arbeiten mit Werkstoffen, die Strahlung abgeben, sowie die vorgesehenen Schutzmaßnahmen. Genau dort liegt die Stärke der Nuklearchemie am Campus Jülich der Fachhochschule Aachen. „Bei uns sind es insbesondere die Labors, aber auch spezielle Kenntnisse“, erklärt Prof. Scherer. Das Netzwerk „Cherne“ macht sich die Besonderheiten beteiligter Hochschulen zu Nutze und sorgt dafür, dass Studierende aus EU-Ländern davon profitieren.

Zur 2. europäischen Sommerschule für Nuklearchemie hatte der Dozent besondere „Leckerbissen“ aufgefahren. Gleich fünf verschiedene Versuchsanordnungen warteten auf die Studenten. Dabei erlernen sie an offenen radioaktiven Stoffen wie Jod 331, Uran 238 oder auch Protactinium 234 m typische Arbeitstechniken, setzten Markierungen, führen Qualitätskontrollen aus oder üben die Anwendung von radioaktiven „Tracer“.

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Die Ergebnisse werden an Ort und Stelle in den Kleingruppen diskutiert. Alles auf Englisch. Erst wenn der Nachwuchs nicht weiterkommt, wenden sich die „Zöglinge“ an die Dozenten.

Ein Stamm eigener Scherer-Studenten aus dem fünften Semester des Fachbereichs Nuklearchemie am Campus Jülich gesellt sich zu dem Kreis. In der vorlesungsfreien Zeit erwerben sie dadurch vier ECTS- oder Kreditpunkte, die sonst im Wintersemester fällig würden. Geschenkt wird ihnen dennoch nichts, nach der ersten Woche des Kurses ist ein Multiple-Choice-Prüfung fällig, nach der zweiten präsentieren sie dem Gremium die Ergebnisse ihrer Versuche. Auch die ausländischen Kommilitonen erhalten ihre Leistungen für ihr Studium anerkannt.

Die Aussichten scheinen glänzend. Aufgrund des letztjährigen Praktikums ergaben sich für die Teilnehmer Abschlussarbeiten, Master- oder Promotionsstellen, teilweise in Verbindung mit Arbeitsstellen. Absolventen sind von der Industrie in allen Bereichen heiß umworben, egal ob in der Energiewirtschaft, bei der Endlagerung, beim Abriss von Atomkraftanlagen, in Strahlenschutz, Forschung oder der Medizin bei der Radiopharmazie.

Die Geselligkeit hat einen wesentlichen Anteil bei der Gruppenmotivation und –identifikation. Der Besuch der Isotopenproduktion und Radiopharmazie des Jülicher Forschungszentrums gehörte genau so dazu wie eine Führung durch die Herzogstadt oder eine Besichtigung der Brauerei in Welz. Die Kontakte halten bis tief in die Nacht, auch zu den deutschen „Kollegen“. „Ich habe sie dazu gebracht, mit den anderen im Gästehaus des Forschungszentrums zu bleiben, damit die ganze Gruppe zusammen ist“, betont Ulrich Scherer. Dies beweist nicht nur einen guten Teamgeist, sondern auch eine gut funktionierende Kooperation von FH und FZJ und somit einen hohen Praxisbezug.


Hintergrund:
Unterstützt durch das EU-Förderprogramm Erasmus reisten 15 Studierende von der italienischen Universität Bologna, der belgischen Haute-Ecole Paul-Henri Spaak Brüssel und der XIOS Hoogeschool Diepenbeek, der spanischen Polytechnischen Universität Valencia sowie erstmalig der portugiesischen Universität Coimbra nach Jülich zur (zweiten?) europäischen Sommerschule für Nuklearchemie. Auf Dozentenseite unterstützen Dr. Friedrich Hoyler, Professor für Kernphysik an der FH Aachen, und Dr. Caroline Licour aus Brüssel Professor Scherer. Die Hilfe ist gegenseitig, Prof. Ulrich Scherer war dafür im Mai in Valencia und fährt im Herbst 2009 nach Bologna.


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