Spatenstich zum Science College

Bewegte Erde für bewegte Köpfe
Von Redaktion [28.04.2008, 18.35 Uhr]

Das Science College Overbach in Jülich ist ein sieben Millionen-Euro-Projekt, das mit vereinten Kräften gestemmt wird…

Das Science College Overbach in Jülich ist ein sieben Millionen-Euro-Projekt, das mit vereinten Kräften gestemmt wird…

Science College Overbach will künftig viel in den Köpfen junger Menschen bewegen – dazu musste erst einmal Erde bewegt werden. Mit Gästen aus Politik und Wirtschaft begingen die Bauherren, der Orden der Salesianer, in Barmen den Spatenstich für die künftige Wissensschmiede.

Bis zur Elite-Universität RWTH Aachen ist es ein knappes halbes Autostündchen, die Fachhochschule und das Forschungszentrum Jülich, in dem Prof. Peter Grünberg die Grundlage für die heutige Computertechnik und seinen Physik-Nobelpreis legte, liegen nur einen Katzensprung entfernt: Einen besseren Standort als das Gelände des Gymnasiums Haus Overbach in Jülich-Barmen hätte man für das Science College nicht finden können.

Nach vierjähriger Planungszeit wurde nun ein sichtbares Zeichen gesetzt für den Projektstart. Die Bagger sind angerollt. Über sieben Millionen Euro werden im Rahmen des NRW-Regionenwettbewerbs EuRegionale 2008 investiert. Das Science College des Ordens der Oblaten des Heiligen Franz von Sales ist ein außergewöhnliches Vorhaben, das außergewöhnliche Maßnahmen erfordert. Dem Land Nordrhein-Westfalen ist der Brückenschlag zwischen Spitzenforschung und begeisterungsfähigen jungen Leute eine Förderung aus drei ministeriellen Töpfen wert: So tragen das NRW-Bau-, -Jugend- und -Schulministerium das Projekt ebenso wie das Wissenschaftsministerium des Bundes. Insgesamt fließen fünf Millionen Euro öffentlicher Mittel in das Kompetenzzentrum, das seinen Betrieb schon 2009 aufnehmen soll.

Dabei wird der Zirkel weit geschlagen. Nicht nur junge Leute aus der Region sollen künftig am außerschulischen Lernort Science College Overbach probieren und studieren können. Dank eines Gästehauses mit zwölf Betten sind Schüler aus Deutschland und aller Welt auf dem Campus willkommen, um bei renommierten Wissenschaftlern zu studieren. Rund 1000 Teilnehmer sollen die Jugendbildungsstätte jährlich nutzen.
Eingebettet wird sie in regionale, nationale und internationale Bildungsnetzwerke, begleitet von Partnern aus Schule, Jugendbildung, Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft.

"Geld ist nirgends besser angelegt als in Bildung. Da wirft es die höchste Rendite ab", zitierte NRW-Bau- und Verkehrsminister Oliver Wittke den Börsenguru Andre Kostelany, als man sich jetzt auf dem Gelände des Gymnasiums zum ersten Spatenstich traf. 1,5 Millionen Euro steuert Wittkes Haus bei, um den wichtigsten Rohstoff der Deutschen zu fördern, jener, der zwischen den Ohren lagert. "Gott, der Schöpfer hat uns die Welt nicht als Fertigprodukt anvertraut. Er ermutigt und ermächtigt uns zur Forschung", schlug Pater Josef Lienhard, Provinzial des Ordens, die Brücke zwischen Naturwissenschaft und Religion.

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… und mit technischer Unterstützung.

… und mit technischer Unterstützung.

Natürlich mündet Forschung in Produkte, die sich verkaufen lassen. Doch den Orden leiten beim Projekt Science College andere Motive als Gewinnmaximierung im ökonomischen Sinne. "Wir wollen jungen Menschen die Chance geben, ihre Talente voll zu entfalten", nannte Heinz Lingen, Leiter des Gymnasiums Haus Overbach, den zentralen Beweggrund. Dass sich die Ordensschule bestens auf Talentförderung versteht, dafür legte das große Schulorchester während der Feierstunde eindrucksvoll Zeugnis ab.

Ihren Schwerpunkt Musik ergänzt die von 900 Kindern und Jugendlichen besuchte Schule nun um den der Naturwissenschaft. Am Science College werden mehrtägige Studientage, Feriencamps, Wochenendkurse und spezielle Unterrichtsreihen zum Beispiel in Computeralgebra, Hirnforschung oder Nanotechnologie angeboten. So sollen Jugendliche mit einem Faible für Naturwissenschaften und Technik auf entsprechende Berufe oder Studiengänge vorbereitet werden. "Auch wenn mancher die Globalisierung mit Sorgen sieht, dürfen wir uns nicht abschotten. Doch wer eine gute Ausbildung hat, der hat auch eine gute Zukunft", sagte Schulleiter Heinz Lingen, der geistige Vater des Projekts, an die Adresse der Schüler unter den rund 200 Spatenstichgästen. Doch der außerschulische Lernort steht nicht nur ihnen, sondern grundsätzlich allen Interessierten zur Verfügung. "Wir geben mit dem Science College eine regionale Antwort auf eine Herausforderung, der sich niemand entziehen kann", sagte Lingen mit Verweis auf den Ingenieurmangel in Deutschland.

Lingens Dank galt insbesondere Landrat Wolfgang Spelthahn. Er, der das Gymnasium Haus Overbach 1982 mit dem Abitur in der Tasche verlassen hatte und sich ihm nach wie vor verbunden fühlt, "hat in meiner fixen Idee stets eine Vision gesehen, ein Superprojekt für die Region". Dem Slogan des Kreises Düren - "Wir machen das!" - folgend, habe sich der Landrat für die Umsetzung der Idee in die Tat stark gemacht, sprich die diffizile öffentliche Förderung in trockene Tücher gebracht, während der Orden Geld bei vielen privaten Spendern und Firmen eingeworben habe. "Die Verantwortlichen der Schule haben es verstanden, so viele Menschen für ihre Vision zu begeistern, dass sie nun greifbar wird", spielte der Landrat den Ball zurück. Henk Vos, Geschäftsführer der EuRegionale 2008-Agentur, schloss sich ihm an: "Man braucht Leute, die vorangehen, und viele Helfer, damit am Ende alle Rädchen perfekt ineinander greifen."

So einzigartig das Projekt, so außergewöhnlich der Bau: Dank exzellenter Wärmedämmung, ausgeklügelter Lüftungstechnik und Nutzung von Erdwärme erreicht das Science College Passivhausniveau. Es wird pro Jahr und Quadratmeter nur so viel Energie benötigen, wie in 1,5 Liter Heizöl stecken. Dabei ist das Gebäude selbst Forschungs- und Unterrichtsgegenstand zugleich. Denn die Besucher und Nutzer können einerseits ständig verfolgen, wie hoch sein Energieverbrauch ist. Andererseits können sie über die PC-Steuerung Einfluss auf entscheidende Parameter nehmen.

Im Zentrum des Hauses wird es ein Forum geben, einen Raum der Begegnung. Er ist multifunktional, bietet Platz für Ausstellungen, Konzerte und Vorträge mit bis zu 150 Sitzplätzen. Um das Forum herum sind die Klassen und Fachräume gruppiert. Durch ihre transparente Gestaltung wird eine anregende, von Austausch geprägte Lernatmosphäre geschaffen. In den Fachbereichen Biologie, Physik und Chemie finden Dozenten und Schüler alles vor, was zum Lehren, Lernen und Experimentieren notwendig ist. Darüber hinaus wird es einen speziellen Kreativbereich mit Bio-, Nano- und SimuLAB geben. Zudem wird der Blick der jungen Leute ins All gelenkt. Ein Astronomieraum und eine Beobachtungsplattform bieten dafür beste Voraussetzungen. Und spätestens dort oben reichen sich Naturwissenschaft und Religion wieder die Hand.


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