Werner Wieczorek ist neuer Leiter der Stadtbücherei Jülich

Keine Leseratte – aber voller Ideen für Bücherfreunde
Von Dorothée Schenk [22.04.2008, 17.35 Uhr]

70.000 Leser nutzen alljährlich die Stadtbücherei Jülich. Aber das reicht Werner Wieczorek nicht. Der neue Leiter der öffentlichen Bibliothek hat die Nicht-Leser im Visier. Das sind nicht nur die „Minis“, sondern vor allem auch die Jugendlichen. Im Interview erzählt im Vorfeld zum Welttag des Buches am 23. April, von sich und seinen Plänen.

Werner Wieczorek ist neuer Leiter der Jülicher Stadtbücherei und…

Werner Wieczorek ist neuer Leiter der Jülicher Stadtbücherei und…

Zu welchen Gelegenheiten lesen Sie?
Wieczorek: Abends vor dem Schlafengehen und im Urlaub – ich bin keine hundertprozentige Leseratte. Der Faktor Zeit spielt eine große Rolle. Derzeit lese ich parallel verschiedene Bücher, unter anderem Woody Allen, den ich sehr schätze. Natürlich muss ich bei der Arbeit viel lesen, zumindest auch in das ein oder andere neue Buch hereinschauen. Orientierung bietet uns bei der Auswahl der Lektoratsdienst der EKZ, der Empfehlungen für Bücher ausgibt. Derzeit groß in der Diskussion ist ja das neue Buch von Charlotte Roche. Die Frage unter anderem auch in bibliothekarischen Foren war, ob es überhaupt ohne Altersbeschränkung freigegeben werden sollte. Sicher habe ich eine gewisse Verantwortung, aber mir liegt fern, eine Zensur einzuführen.

Der Jahresbericht zeigt es: die Stadtbücherei hatte 2007 zwei Tage weniger geöffnet als 2006 – das schlägt sich in den Medienausleihen insgesamt nieder. Wie sehen Sie die Chancen für eine Ausweitung der Öffnungszeiten?
Wieczorek: Eine Stundenausweitung ist nicht einfach und mit dem Personalstamm nicht zu machen. Aber eine Verlegung der Zeiten ist möglich. Ersten Gesprächen habe ich entnommen, dass in Jülich donnerstags Banken und die Verwaltung länger geöffnet haben. Hier könnte man die Zeiten anpassen und bis 19 Uhr öffnen, dafür aber mittwochs schließen. Hierzu sollten aber auch die Leser befragt werden. Berücksichtigen müssen wir natürlich auch eingespielte Termine, denn mittwochs ist unsere Aktion „Treffpunkt-Leserabe“ in der Stadtbücherei etabliert – das wissen nicht nur die Besucher, auch die Lesepaten stellen sich ja darauf ein.

Apropos: „Minis an die Bücher“ ist eines der zentralen Projekte in diesem Jahr. Welche Schwerpunkte werden gesetzt?
Wieczorek: Die erste Veranstaltung hat bereits letzte Woche stattgefunden. „Minis an die Bücher – Medienwelten für Ein- bis Sechsjährige“ ist ein Projekt, das aus Landesmitteln gefördert wird. Wir wollen für die Erstleser nicht nur eigene Medien anschaffen, sondern auch kindgerechte Möbel zur Präsentation der Medien. Ich könnte mir auch einen optisch separaten Bereich mit Sitzkissen vorstellen, in den sich Kinder mit ihren Eltern zum Vorlesen zurückziehen können. Hier könnten auch die „Leseraben“-Bücher stehen. Dafür müssen wir aber erst einmal umräumen. Zum Welttag des Buches am 23. April wollen wir mit einer „Buchkette“ aus Leseraben-Kindern, Lesepaten und Mitarbeitern der Bücherei den Anfang machen und die fremdsprachlichen Bücher in ihren angestammten Bereich im Untergeschoss bringen.

Welche Pläne bewegen Sie außerdem?
Wieczorek: Ich habe im Jugendparlament Jülich (JuPaJü) schon das Projekt „School Corner“ vorgestellt. Allerdings steht noch nicht fest, wo diese Schüler-Ecke entstehen wird. Das Ziel ist es, die Leser „13plus“ zu erreichen, weil wir festgestellt haben, dass die Kinder und die Erwachsenen lesen, aber Jugendliche weniger in die Bücherei kommen. Ich habe schon eine positive Rückmeldung von einem Mädchen aus dem JuPaJü, das sich nach dem Projekt erkundigt hat. Mit der EDV habe ich schon Gespräche geführt, wie wir die „School Corner-Online“ im Internet einrichten und ein Forum dazu. Da möchte ich Lehrer und Schüler aufrufen, sich in den Prozess einzubringen.

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…will in dieser Eigenschaft allerlei bewegen.

…will in dieser Eigenschaft allerlei bewegen.

Gerne würden wir die Jugendlichen auch als Lesepaten für die „Minis“ gewinnen. Außerdem wollen wir in diesem Jahr den „SommerleseClub“ nicht mehr auf die Fünft- und Sechstklässler beschränken, sondern auch für Schüler bis Klasse 10 ausweiten. Das können wir nur anbieten, weil wir eine so umfassende Unterstützung durch den Förderverein Stadtbücherei Jülich haben – ohne ihn könnten wir das nicht stemmen.

Die ersten 100 Dienst-Tage sind geschafft. Welche Impulse haben Sie in Jülich bekommen?
Wieczorek: Ich habe viele Gespräche geführt in den letzten Wochen – mit Politikern, Amtsleitern und Institutionen. Immer habe ich am Ende das Gefühl gehabt: Ich bin einen Schritt weiter gekommen. Ich weiß, dass ich manchmal hier fehle, aber glücklicherweise kann ich mich auf ein tolles und gut eingespieltes Team verlassen. Öffentlichkeitsarbeit und das Polieren des Images der Bibliothek ist ein Schwerpunkt der Arbeit des Büchereileiters. Das Tätigkeitsbild hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Wichtig ist hierbei die Suche nach Kooperationspartnern. Als konkrete Beispiele für Jülich ist im Gespräch mit dem Forschungszentrum Jülich die Idee zu einer Lesung im dortigen Bibliotheksgarten entstanden, mit der IG Kleine Rurstraße kamen Überlegungen auf, Weihnachtsgeschichten durch unsere Lesepaten an der Krippe anzubieten, und mit dem Museum im Herbst zum Projekt „Deutschland liest“ den Bogen zwischen Kunst und Literatur zu schlagen.

Bringt Ihnen in dieser Hinsicht Ihre frühere Tätigkeit in der freien Wirtschaft beim der Firma B.O.N.D. (Gesellschaft für Bibliothekssoftware, Online-Netze und Dienstleistungen) Vorteile?
Wieczorek: Mir fällt es leichter, mit den verschiedenen Partnern zu sprechen. Bei BOND habe ich mit vielen Kollegen aus dem Bibliothekswesen und mit den „Entscheidern“ aus der Verwaltung sprechen müssen. Dabei habe ich viele Ideen mitgenommen und gesehen, was alles möglich ist. Vom Füllen des Veranstaltungskalenders, bis zu Bibliotheksbauten… Daher weiß ich, was für eine schöne Bücherei wir in Jülich haben. Außerdem ist in der Überlegung, die inzwischen in Wirtschaft und öffentlichen Einrichtungen übliche Zertifizierung für Qualitätsmanagement auch in der Stadtbücherei Jülich anzugehen.

Bitte ergänzen Sie: Der Jülicher ist…
Wieczorek: …sehr entgegenkommend und offen. Viele Menschen suchen beim Besuch in der Bücherei das Gespräch mit mir und versichern mir, dass Sie unser Engagement wertschätzen und uns weiter unterstützen wollen.


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