Sakrale Plastiken auf Dachboden in Jülich entdeckt und restauriert
Ein vergessener Gott und ein halber Heiliger
Von Redaktion [15.05.2008, 08.05 Uhr]
Einen späten Erfolg der Recherchen kann das Museum Zitadelle Jülich feiern: In Kürze wird die Sammlung „ALTERThÜMER“ um zwei bedeutende Skulpturen erweitert.
![]() Anhand der Farbreste konnte die Gottvater-Figur wieder detailgetreut restauriert. Foto: Museum |
Auf einem Dachboden in Jülich waren vor drei Jahren die Figur eines Gottvaters aus der im Krieg zerstörten Kapuzinerkirche und die Halbfigur eines Hl. Johannes des Täufers unbekannter Herkunft entdeckt worden. Jetzt sind sie „frisch“ restauriert aus der Werkstatt Börries Brakebusch nach Jülich zurückgekehrt.
Die Kapuzinerkirche nebst Kloster standen als Ensemble seit 1638 in der Düsseldorfer Straße neben dem Rathaus. Die Mönche – ein Zweig des Franziskanerordens – pflegten Armut und Besitzlosigkeit. Ihre Hauptbetätigung galt der Volkskatechese im Rahmen der Gegenreformation. Wie alle geistlichen Niederlassungen wurde das Kloster 1802 unter der französischen Herrschaft aufgelöst. Die Kirche dagegen blieb als Pfarrkirche und als Annexkirche (Hilfskirche) bis zu ihrer Zerstörung 1944 erhalten. Verloren ging im Krieg die Inneneinrichtung, die von alten Fotos und aus überlieferten Beschreibungen bekannt ist.
Die entdeckte Gottvater-Figur führte ihr Dornröschendasein bis 2005 auf dem Speicher der alten Kaplanei in der Stiftsherrenstraße. Es handelt sich um die zentrale Figur der Bekrönung des Hochaltars aus dem 18. Jahrhundert. Gott wird hier als Schöpfer und Weltenherrscher dargestellt.
![]() Die Gottvater-Figur war ursprünglich die Bekrönung des Hochaltars der im Krieg zerstörten Kapuziner-Kirche. Foto: Museum |
Die Figur zeigt eine schwebend stehende Haltung, unter den Füßen befand sich eine Wolkengruppe, darüber war die Figur von einem Strahlenkranz umgeben. Die linke Hand ruht auf einer großen Kugel, rechter Unterarm und Hand fehlen. Die Holzfigur, geschaffen von einem unbekannten Künstler, ist 1,30 Meter groß. Ebenfalls von unbekannter Hand, aber auch in seinen Ursprüngen unbekannt ist die Halbfigur des Heiligen Johannes des Täufers, die ebenfalls dem 18. Jahrhundert zugeordnet wird.
Beide Figuren besaßen noch viel an originaler Farbfassung, waren jedoch stark verschmutzt, gerissen und die Farbschichten hatten sich zum Teil gelöst. Der Restaurator Brakebusch musste außerdem Holzschädlingen zu Leibe rücken. Die Kosten für die Wiederherstellung der Figuren unterstützte der Landschaftsverband Rheinland mit 3500 Euro. Dieselbe Summe bringt das Museum Zitadelle Jülich auf.
Die Bedeutung dieser sakralen Plastiken liegt nicht nur in ihrem künstlerischen Wert, sondern in ihrer nahezu Einzigartigkeit: Viele Objekte sind bereits in der Neogotisierung im 19. Jahrhundert verloren gegangen. Ein Übriges tat der Zweite Weltkrieg.
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