Drei Interessenten wollen Seniorenwohnanlagen in Linnich bauen

Altenheim-Projekte in den Startlöchern?
Von Dorothée Schenk [03.04.2008, 20.17 Uhr]

Die Menschen werden älter. Das ist kein demographisches Geheimnis. Nicht immer wollen oder können alte Menschen alleine leben. Während in Jülich in jüngster Vergangenheit zwei Seniorenwohnanlagen eröffnet wurden, stehen in der Stadt Linnich Projekte seit Jahren in den Startlöchern.

Senioren-Plausch in Linnichs Kernstadt.

Senioren-Plausch in Linnichs Kernstadt.

Zwar werden umliegend in Brachelen, Kofferen und Gereonsweiler vier Einrichtungen geführt, allein der Kernstadt fehlt nach Ansicht von Bürgermeister Wolfgang Witkopp ein Alten- oder Pflegeheim. „Wir haben in Linnich den glücklichen Umstand, dass drei Interessenten bauen wollen“, so Witkopp. Namentlich plant und baut die Bauunternehmung Hans Lamers in der Mäusgasse ein Objekt für ältere Menschen. Auf einem guten Weg ist nach Aussage der Ursula-Schmidt-Gruppe das Bauprojekt am Schwarzen Weg. Hier soll eine Pflegeeinrichtung mit 80 Betten mit dem Schwerpunkt „Demenzkranke“ wachsen, die 100 Arbeitsplätze schaffen sollen. Die Kosten des Projektes werden mit 7,5 Millionen Euro beziffert. Geschäftsführer Raoul Pöhler erwartet „in den nächsten Wochen“ eine positive Entscheidung der Genehmigungsbehörde, des Landschaftsverbandes Rheinland. „Wir haben keinen Zweifel an der Umsetzung“, betont Pöhler.

Schließlich hat jüngst die Caritas Trägergesellschaft West (CTW) mit ihrem Partner, der Gangelter Baugruppe Schlun, im Linnicher Rathaus Pläne zur Einrichtung eines Altenpflegeheims vorgestellt. Hierzu soll das Gelände der alten Polizeischule gekauft werden. Auch dort soll ein 80-Betten-Haus entstehen. Die Projektkosten werden mit sechs bis acht Millionen Euro angegeben. Allerdings, so betonte CTW-Pressesprecher Karl Erdem, handelt es sich hierbei um eine reine Planung, bei der die Verteilung der Verantwortlichkeiten noch ebenso ungeklärt ist wie der Kauf der Geländes vom derzeitigen Grundbesitzer, dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb Aachen. Der Vorteil, den die Caritas nutzen möchte, so Erdem, ist der Synergieeffekt mit dem direkt benachbarten St. Josef-Krankenhaus, dessen Träger ebenfalls die CTW ist. Eine gemeinsame Küche für das Seniorenwohnheim und das Krankenhaus soll eine Auslastung garantieren.

„Mein Anliegen ist“, erklärt Bürgermeister Wolfgang Witkopp, „dass mindestens ein Gedanke in die Tat umgesetzt wird.“ Entscheidungsgewalt hat die Stadt nicht, denn sie besitzt keines der fraglichen Grundstücke und keine finanziellen Mittel, eines der Projekte zu forcieren. Einfluss nehmen können die Linnicher Stadtobersten lediglich durch das Planungsrecht, stellt Witkopp klar.

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Idyllisch ist der Blick auf die St. Martinus Kirche in Linnich vom  Baugelände Mäusgasse

Idyllisch ist der Blick auf die St. Martinus Kirche in Linnich vom Baugelände Mäusgasse

Obwohl durch die Planungspräsentation der CTW Bewegung in das Thema „Altenheim in der Kernstadt“ gekommen ist, gibt es keinen bekannten Zeitplan, wann Linnicher in ihrer Heimatstadt eine Senioreneinrichtung finden werden. Denn: So offen der Markt angesichts der wachsenden Gruppe älterer Menschen zu sein scheint, bietet er dennoch Tücken. Neben den Baukosten steht die Wirtschaftlichkeit, die Auslastung und damit vordergründig der Bedarf auf dem Prüfstand. Hierzu gibt es auch in der Pflegeberatungsstelle des Kreises Düren keine Erhebung, wie Kreis-Pressesprecher Josef Kreutzer erläutert: „Das Risiko trägt allein der Investor.“ Allerdings wird jeden Mittwoch von Amts wegen die Belegungsliste der 2679 vollstationären Plätze im Kreis Düren aktualisiert. Einzusehen ist sie auf der Internet-Seite des Kreises Düren (Link http://kreis-dueren.de/cms/amt/50/04/pdf/liste_betreutes_wohnen_-_seniorenwohnungen.pdf). Seit geraumer Zeit, so Kreutzer, wären konstant etwa 80 gemeldete Plätze in Senioreneinrichtungen des Kreises Düren unbelegt, also frei.

Hierauf gründen sich die Bedenken von Bernd Bogert, Geschäftsführer der Alten- und Pflegeheime Christinenstift Linnich und Haus Berg Brachelen, der mit Sorge die Entwicklungen in Linnich beobachtet. Statt Konkurrenz befürchtet Bogert einen beginnenden Verdrängungswettbewerb. Vor acht Jahren hatte der Träger der Einrichtungen in Linnich und Brachelen, die Pfarre St. Gereon Hückelhoven, mit ihren Neubau-Plänen gegen einen Privatinvestor den Kürzeren gezogen. Heute, so Bogert, ist man froh, nicht gebaut zu haben.

Die Versorgungsdichte im Einzugsbereich Linnich mit sechs Seniorenwohneinrichtungen – darin ist noch nicht der Nachbarkreis Heinsberg berücksichtigt – sei ausreichend. Es gäbe keine Wartelisten für Heimplätze und es könne „bereits jetzt jeder Interessent schnell einen Heimplatz finden“, so Bogert. Sein Fazit: „Im Stadtgebiet Linnich ist für zwei Heime kein Platz.“

Vielmehr müsse über Alternativen wie betreutes Wohnen, Generationenhäuser, überschaubare (Pflege)Gemeinschaften im Quartier, Tagespflege oder Servicewohnen nachgedacht werden. Ein Vorteil seien hierbei auch die geringeren Kosten. Bogert hätte sich gewünscht, dass alle Akteure der pflegerischen Versorgung für die Bürger der Stadt Linnich zu einem Gespräch am „Runden Tisch“ eingeladen worden wären. Dies wäre nach Meinung von Bogert der Ort gewesen, um über die demographische Entwicklung in der Stadt nachzudenken und Konzepte und Strategien zu entwickeln.

Da die Pfarre St. Gereon aber nicht nur abwarten will, hat der Kirchenvorstand in seiner jüngsten Sitzung den Umbau des Christinenstiftes in Gereonsweiler beschlossen. Die Finanzierung steht, die Planungen sind fertig, was fehlt ist der Bauantrag. Bernd Bogert rechnet mit einem Umbaubeginn im Sommer.


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