Porträt von Prof. Marcus Baumann, Professor an der FH in Jülich

Ein faszinierender Vermittler
Von se [08.02.2008, 20.45 Uhr]

Prof. Dr. Marcus Baumann versteht es, aus trockener Theorie ein Abenteuer werden zu lassen. Porträt eines Neugierigen am Campus Jülich der Fachhochschule, den der Glaube an Veränderung antreibt.

Prof. Marcus Baumann an seinem Wirkungsort in Jülich

Prof. Marcus Baumann an seinem Wirkungsort in Jülich

Marcus Baumann ist ein gewichtiger Mann am Campus Jülich. Wie kaum ein anderer vermag er es, selbst trockenste Theorie für seine Studierenden zu einem Abenteuer werden zu lassen. Der Lehrpreis, der ihm 2005 mit überwältigender Mehrheit der Stimmen verliehen wurde, bezeugt seine Leistungen überdeutlich. Doch Baumann ist auch ein vielseitiger und höchst ambitionierter Forscher. Für Baumann steht fest: Ein Großteil unserer heutigen Probleme, sei es bei der Entwicklung neuer Medikamente, bei der Herstellung beliebig komplizierter chemischer Substanzen oder beim Umweltschutz, können mit Hilfe der Biotechnologie gelöst werden.

Nicht zuletzt aus diesem Grund forscht Baumann in solch unterschiedlichen Gebieten wie der Pflanzenbiotechnologie, Meeresbiologie und der Mikrobiologie – bei letzterem in enger Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Prof. Dielmann konkret an der Überwachung von Biogasanlagen.

Im biotechnologischen Labor am Campus Jülich wurde vor kurzem eine kleine Versuchsbiogasanlage in Betrieb genommen, um herauszufinden, wie die biologischen Prozesse bei der Biogasentstehung besser und vor allem unmittelbarer überwacht werden können. Damit stünde für die landwirtschaftliche Praxis mittelfristig ein leicht zu nutzendes Instrument zur Verfügung, das die Entwicklung der Biozönose (die Gesamtheit der Mikroorganismen in der Anlage) in eine „falsche“ Richtung frühzeitig erkennen ließe und rechtzeitig Gegenmaßnahmen ermöglichte. Das verhindert den Abbruch der Biogaserzeugung, ein Umstand der derzeitig immer noch beklagt werden muss, da er für die Biogaserzeuger mit erheblichen Kosten verbunden ist.

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Als echter Seebär: Prof. Marcus Baumann

Als echter Seebär: Prof. Marcus Baumann

Auch liebt es Baumann, scheinbar unvereinbare Ideen miteinander zu verbinden. In einem konkreten Forschungsprojekt versuchen er und Prof. Michael Schöning mittels der filigranen Nanotechnologie, die Biomassekraftwerke zu verbessern. Dazu entwickeln sie einen hoch empfindlichen Biosensor, der in Biogasanlagen den Stoffwechsel (das „Potential“) eines bestimmten Bakteriums misst. Die Idee für das Vorgehen ist faszinierend einfach: Ein bestimmtes Bakterium wird auf die Oberfläche des Sensors dauerhaft aufgebracht, wo es sich, ähnlich dem ungeliebten Schimmel auf der Marmelade, breit machen soll.

Der Sensor wird nun, mitsamt seinem Oberflächenbewohner, in die Biogasanlage, den so genannten Fermenter, gelassen. Dort „arbeitet“ das Bakterium, indem es mit den bereits vorhandenen Stoffwechselprodukten der anderen Bakterien reagiert. Der Biosensor überwacht die Entwicklung des Bakteriums und gibt die gesammelten Informationen an die Wissenschaftler unmittelbar weiter. Anhand der Konstanz bzw. Fluktuation in der Stoffaufnahme und -abgabe des Bakteriums erkennen die Wissenschaftler, ob die Bakterienpopulation beständig bleibt, ob die Anlage also „konstant läuft“, oder ob sich in der Population etwas verändert. „Man könnte sagen, wir achten darauf, ob es dem Bakterium gut geht“, erklärt Projektmitarbeiterin Simone Groebel schmunzelnd, und Baumann fügt begeistert hinzu: „Sollte der Versuch gelingen, eröffnet dies neue Wege zu einer erheblich effizienteren Energiegewinnung mittels Biogaskraftwerken.“
Wenn er nicht gerade Biogasanlagen optimiert, organisiert der bekennende Seebär mit Vorliebe Meeresexkursionen, auf denen er seinen Studierenden das Forschen in einem schwankenden Labor beibringt und – ganz nebenbei – wichtige Fragen wie die nach dem Gesundheitszustand des Nachwuchses der Meeresbewohner und speziell der Häufigkeit und Verbreitung von Missbildungen bei Fischembryonen in der Nordsee zu beantworten versucht, was besonders im Hinblick auf die drohende Überfischung der Meere ein brisantes Forschungsfeld darstellt.

Woher nimmt er die Energie? „Nur aufgrund meiner Faszination für den Lehrstoff, meiner Neugier und dem Glauben, etwas verändern und sogar ein wenig verbessern zu können. Das versuche ich auch meinen Studierenden zu vermitteln. Ich möchte sie lehren, neugierig in die Zukunft zu blicken, denn die gehört ihnen.“


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