Ein Porträt: Udo Gütschow alias „Ich und die Liebe“

Kuchenzinken, heile Welt und der Nutzen von Booklets
Von Arne Schenk [06.12.2007, 07.17 Uhr]

„Ich habe grundsätzlich immer hässliche Cover gehabt“, erzählt Udo Gütschow alias „Ich und die Liebe“, während sein Blick in Richtung Vergangenheit schweift. Dann fügt er mit einem Lächeln hinzu: „Das war nicht immer verkaufsfördernd. Aber verrückt.“ Über sein sechstes Album „Revanche“ und seine künstlerische Laufbahn sprach der Musiker und Maler mit Arne Schenk.

„Revanche“ fordert „Ich & die Liebe“ alias Udo Gütschow auf seiner mittlerweile sechsten CD. Foto: Schenk

„Revanche“ fordert „Ich & die Liebe“ alias Udo Gütschow auf seiner mittlerweile sechsten CD. Foto: Schenk

Das „Atombaby“ auf der Vorderseite seiner CD „Du wirst weinen“ von 1998 hat er gar selber geschaffen, denn das Malen ist eines seiner Hobbys. Für seinen aktuellen Silberling „Revanche“ ließ er sich von Fotograf Jürgen Becker ablichten, nachdem Inge Reicharz Udo mit reichlich Make-up passend hergerichtet hatte. Drei lange Stachelpiercings umklammern jeweils die beiden Augen, scheinen ins Fleisch zu stechen, so dass Blut herunterläuft. „Das sind die Zinken von Kuchengabeln“, erklärt er verschmitzt.

Ein sperriger Typ ist „Ich & die Liebe“, ein eigenwilliger Einzelkämpfer, der alles im Alleingang bewältigt. Er schreibt nicht nur die Songs selber, nimmt sie persönlich auf, wobei er auch noch alle Instrumente bedient. Sogar die Auftritte absolviert er Solo mit Gitarre und Halbplayback wie jüngst auf dem Stadtfest Jülich und dem Abschlussfest des Brückenkopf-Parkes.

Eine feste Band besitzt er nicht. „Vielleicht bin ich zu ehrgeizig“, bedenkt Udo. „Es ist schwierig, den Leuten zu vermitteln, wie ich es gerne hätte.“ In dieser Aussage schwingen allerdings auch schlechte Erfahrungen mit. Immerhin hat er ein Jahr lang mit anderen Musikern versucht, ein Programm zu erstellen. Dabei fungierte er zwar als Bandleader, zeigte sich aber nach eigenen Worten offen für Gemeinschaftsarrangements.

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Promobild: „Ich & die Liebe“

Promobild: „Ich & die Liebe“

Leider kam nicht viel dabei ’rum: „Nach einem Jahr haben wir immer noch am selben Stück gearbeitet. Das hat mir zu langen gedauert. Vielleicht waren die zu jung.“ Da wurde das Kaffeetrinken interessanter als die eigentliche Probe. Allein schaffte er im Gegensatz dazu zwölf Songs in fünf Monaten während der Aufnahmen zu „Revanche“.

Ausbilden ließ er sich an der Gitarre zwölf Jahre lang von Jürgen Goldschmidt in Eitorf. „Ich danke ihm heute noch dafür“, bekräftigt Udo. „Wir beide waren direkt auf einer Schiene.“ Denn Goldschmidt brachte ihm nicht nur den Umgang mit dem Sechssaiter bei, sondern unterrichtete ihn auch in Kompositionslehre und Aufnahmetechnik. Daneben hat der Jülicher auch eine „halbe Ausbildung bei SAE“. In der „School of Audio Engineering“, das auch über ein Institut in Köln verfügt, belegte Udo zwölf Workshops.

Die Ideen zu den Songs kommen hingegen von selbst. Zumeist schleicht sich ein Refrain ein Refrain in seinen Kopf, den er auf das Diktiergerät in seinem Handy singt. Zuhause werden Notizen dazu gemacht und die Melodie grob auf eine Spur des Aufnahmegerätes gesetzt. Danach arbeitet „Ich & die Liebe“ das Lied weiter aus.

Vorbei ist indes die Zeit der heftigen Texte wie „Tampons im Spinat“ oder „Schamlippentango“, die dem Künstler einen Verkaufsbann seiner CDs in Eitorf bescherte. Die jetzigen Songs sind „das geradeste, was ich je gemacht habe“, bescheinigt der Musiker. Was nicht heißt, dass „Ich & die Liebe“ handzahm geworden ist. Er beobachtet intensiv seine Umgebung, lässt sich von allem inspirieren.

Bei der Vorlage zu „Party Girl“ begegnete ihm als Taxifahrer öfters ein junges Mädchen um die 18 Jahre. Es legte Wert auf heiße Klamotten, wollte das Leben als Fest durchfeiern. Als Gützschow es nach längerer Zeit wieder traf, trug sie ein Kind auf dem Bauch. „Da war es vorbei mit der Party.“

Ein anderes Mal sieht der Komponist einige ältere Damen, die sich über ein leicht behindertes Mädchen lustig machen, die ein Hündchen auf dem Arm trägt und Blumen hinter sich herzieht. „Man belacht sich über dich, geb’ nichts drum“ schreibt er darüber im Song „Kleine heile Welt“.

Weil viele Leute fragen, wie er auf seine Texte komme, und er sich dasselbe früher beim Plattenhören gewundert hat, verfasste er kurze Anmerkungen dazu im Booklet der CD. „Es ist blöd, wenn man keine Infos hat.“ Die Musik geht in Richtung Rock, wobei auch alle möglichen anderen Einflüsse Eingang erhalten, ob Pop, Blues, Reggae, Country oder Walzer.

Als nächste Ziele setzt sich „Ich & die Liebe“, das mittlerweile sechste Album „Revanche“ live zu promoten und einen Manager für sich und seine Musik zu finden. Daneben läuft die Produktion für das nächste Album. Die erste Arbeiten dafür haben bereits begonnen: „Das ist der Vorteil, wenn man direkt aufnehmen kann

Erhältlich ist „Revanche“ von „Ich & die Liebe“ im Musikcenter Milano, Große Rurstraße 47, oder über www.ich-und-die-liebe.de im Internet.


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