Jens Dummers gezeichnete „Ansichten“ im HPZ

Abgründe des Allzumenschlichen
Von Dorothée Schenk [15.09.2004, 19.41 Uhr]

Betrachtet sich mit Selbstironie: Jens Dummer.

Betrachtet sich mit Selbstironie: Jens Dummer.

Dass Jens Dummer sich quält, ist ihm vordergründig nicht anzumerken. Ganz lebensfreudig und Lustmensch präsentiert sich der Künstler, und doch lässt er die Betrachter seiner Werke in die Abgründe des Allzumenschlichen hinabsteigen. Im Heilpädagogischen Zentrum (HPZ) Jülich stellt Dummer derzeit seine „Ansichten“ aus.

Locken und brüskieren
Die Zeichnungen, in denen die „Seher“ sein Thema sind, treffen das Gegenüber ins Mark. Als Meister des leichten Striches lockt Dummer die Neugierigen zu naher Betrachtung und brüskiert sie im nächsten Augenblick. Die Verführung glückt - sich ihr wieder zu entziehen ist schwer. Verzerrt und verzehrt wirken die Weitsichtigen, die in einfühlsam hauchzarten Strichen harmlos daherkommen. „Nostradamus“, „Die zu Delphi“, aber auch eine „Sybille“ vereinigen sich zu einem Reigen mit dem „Sehenden“ Dummer in Selbstbildnissen.

Nicht nur das Schöne und Positive will der Selgersdorfer zeigen, wie er sagt. Und das gelingt ihm. Mit einem guten Gefühl und starken Selbstbewusstsein gewappnet, tritt es sich leichter der Reihe von Bildern gegenüber, die ihren morbiden und vergänglichen Charakter Dementoren-gleich versprühen.

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…und wirft immer einen kritischen Seitenblick auch auf den Kunstfreund

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Visionen
Wie sehr eine Gabe zum Fluch werden kann, drückt sich in den Gesichtern seiner Gezeichneten aus. Sie winden sich, kehren ihr Innerstes nach außen und verlieren sich im Strudel ihrer eigenen Visionen, in die sie das Gegenüber hineinziehen. So gesehen glaubt man unwidersprochen dem Schriftzug unter dem Selbstporträt „Maeterlinck“: „Ideen zu haben ist himmlisch, sie auszuarbeiten die Hölle“.

Gewöhnungsbedürftig findet auch Gastgeber Dietrich Mauermann vom HPZ die Werke der fünften Ausstellung in seinem Haus. „Mich haben die Werke von Jens Dummer beeindruckt und auch angegriffen“, gibt er zu. Mit seinem „sonnigen Gemüt“, wie er selbst sagt, legte der Künstler dies positiv für sich aus. Und da zeigt sich wieder, dass eine gesunde Portion (Selbst-)Ironie und Wortwitz alle „Ansichten“ annehmbar machten kann.
„Heißt es der Ansicht oder die Ansicht? Ich sag einfach, ich bin die Meinung - und die können sie sich jetzt selbst bilden“, lädt Künstler Dummer ein.

Die Möglichkeit hierzu haben Interessierte nach telefonischer Absprache mit Dietmar Mauermann, 02461-342381, bis 22. Dezember.


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