Wunsch nach Respekt fürs Ehrenamt

Ein Einsatz fürs Leben – oft ohne Anerkennung
Von Kai Venner [13.09.2007, 08.47 Uhr]

Wenn sie kommen, wird es meist laut. Ein Einsatz fürs Leben, den Feuerwehrmänner und Rettungsassistenten selbstlos leisten. Dennoch kämpfen die Ehrenamtler nicht nur für Leib und Leben, gegen Müdigkeit und Doppelbelastung in Partnerschaft, Beruf und nervenaufreibender „Nebentätigkeit“, sondern auch gegen Vorurteile und Häme. Kai Venner stellt zwei Vertreter und ihre Arbeit aus dem Jülicher Land vor, die sich mehr Respekt fürs Ehrenamt in der Bevölkerung wünschen.

Durchstarten für die Lebensrettung.

Durchstarten für die Lebensrettung.

Es ist ein Tag wieder jeder andere für Peter. Er geht arbeiten und mit ihm sein Melder. Er ist Rettungsassistent und diese mehrjährige Ausbildung mit staatlicher Prüfung hat er nebenbei gemacht. Umsonst und freiwillig. Einfach so. Für den 37-jährigen mehr als ein Hobby. Wenn ein Einsatz mit mehreren Verletzten ist, dann fährt er von der Arbeit zur Wache und besetzt einen weiteren Rettungswagen. Sein Arbeitgeber ist damit einverstanden, jedoch muss er die Stunden nacharbeiten.

Nicht alle Arbeitgeber verhalten sich so kooperativ und lassen ihre Mitarbeiter bei einem Einsatz einfach vom Arbeitsplatz gehen. Bei einigen gibt es gar keine Freistellung. Besonders ärgerlich, wenn er dann aus der Bevölkerung negatives über sein ehrenamtliches Engagement hört. „Die fahren immer Fritten mit Blaulicht holen“ oder „Krankenwagenfahrer haben doch keine Ausbildung“ sind Sprüche die er öfters zu hören bekommt. Dabei sieht keiner, dass Peter eine Ausbildung mit mehreren tausend Stunden absolvieren musste und sich jährlich mit mindestens 30 Fortbildungsstunden qualifizieren muss, um weiter ehrenamtlich fahren zu können. Letztes Jahr hat er über 100 Fortbildungsstunden gemacht um weiter fit in seinem Hobby zu sein. Er macht das neben der Arbeit und Familie.

Auf die Sprüche, die er schon mal zu hören bekommt, antwortet er schon gar nicht mehr. „Es ist mir zu müßig zu erklären, dass es gar nicht möglich ist einfach so mit Blaulicht zur Frittenbude zu fahren.“ Häufig ist es so, wie Peter erklärt, dass man von der Wache aus mit dem Rettungswagen zur Frittenbude, um sich ein Essen zu kaufen. Schließlich können Sie ja nicht mit dem Privatwagen fahren, da sie jederzeit mit einem Einsatz rechnen müssen. „Wenn der Zufall es will, kommt der Einsatz dann wenn man gerade das Essen in der Tüte bekommen hat. Natürlich fahren wir dann mit Blaulicht weg. Aber zur Einsatzstelle.“ Nach dem Einsatz kann er dann auch seine Fritten essen. Kalt und maschtig.

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Sie sind da, wenn es brennt: Die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr.

Sie sind da, wenn es brennt: Die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr.

Seine erste Ehe ging wegen dem Rettungsdienst in die Brüche. Damals kam seine Frau mit dem Stress nicht zurecht, wenn nachts plötzlich der Melder ging und Peter eilig das Haus verließ. Monika, seiner Lebensgefährtin, sieht dies ähnlich. Auch sie liegt nachts wach und hofft, dass Peter nichts passiert. „Ich kann dann nicht einfach weiterschlafen. Meistens warte ich bis er wieder da ist. Dann bin ich beruhigt.“ Tagsüber ist es einfacher, denn dann sind Tochter und Sohn eine Ablenkung für sie. Bei der Feuerwehr sieht es nicht anders aus. Keiner schaut hinter die Kulissen der Arbeit. Lehrgänge, Fortbildungen, Dienststunden, Materialpflege.

Ehrenamtliche Stunden, die von vielen Feuerwehrleuten wie Carsten von der Feuerwehr in gemacht werden. Man kämpft nicht nur gegen das Feuer, sondern auch gegen Vorurteile. „Feuerwehrleute löschen mehr den Durst als alles Andere.“ Ein Gerücht was keiner Grundlage entspricht. „Bei uns fährt keiner mit einem Tropfen Alkohol einen Einsatz. Sicherlich treffen wir uns ab und an in der Freizeit und trinken etwas gemeinsam. Aber das tut jeder Verein und wir pflegen auch unsere Freundschaften.“

Bei ihm ist es auch so, dass er nachts seinen Schlaf unterbricht, wenn etwas passiert, obwohl er am nächsten Tag arbeiten gehen muss. Manchmal muss er nachts raus wenn ein Baum umgefallen ist oder eine Ölspur den Straßenverkehr behindert. Dann fällt er drei Stunden später todmüde ins Bett und kann kaum einschlafen. Viele regen sich immer auf, dass die Feuerwehr auch nachts mit Martinshorn fährt. „Die müssen auch immer mit Sirene fahren um ja allen zu zeigen, hier kommen wir.“ Diese und andere Sprüche kennt Carsten. Jedoch denkt keiner daran, dass Carsten auch noch vor fünf Minuten geschlafen hat. Er ist vom Gesetz her verpflichtet immer mit Blaulicht und Martinshorn zur Einsatzstelle zu fahren. „Lasse ich das Martinshorn aus und es passiert ein Unfall, weil mich jemand nicht gehört hat, dann trage ich als Fahrer die volle Schuld.“ Meistens lässt er nachts das Horn aus um die Anwohner schlafen zu lassen. Er hofft, dass die Anerkennung und der Respekt vor der ehrenamtlichen Arbeit sich verbessern. „Jeder ist froh wenn es bei ihm brennt und die Feuerwehr schnell kommt.“


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