Kutscher auf dem Tinkerhof Strauch brauchen mehr als Pferdeverstand

Das Brustblattgeschirr und die Kehrtwende im Galopp
Von Britta Sylvester [12.07.2007, 22.18 Uhr]

„Wo ist denn hier vorne?“ Akute Verwirrung machte sich unter den Kursteilnehmer breit angesichts der Unmenge lederner Laschen, Schnallen und Leinen. Kein Wunder – in Sachen Kutsche fahren sind sie schließlich alle Neulinge. Der Großteil der künftigen Kutschierer, die an diesem Samstagmorgen auf dem Tinkerhof Strauch in Niederzier eintrudeln, sind zwar Pferdebesitzer, wollen sich aber in diesem Schnupperkurs von Burkhard Strauch erst einmal in die Geheimnisse des Fahrens einweihen lassen. Ein Feldversuch von Britta Sylvester.

Aller Anfang ist schwer - Fahrschüler Jörg sortiert mit Claudia Strauchs Hilfe Donnas Leinen bevor es auf die Straße geht.

Aller Anfang ist schwer - Fahrschüler Jörg sortiert mit Claudia Strauchs Hilfe Donnas Leinen bevor es auf die Straße geht.

Nach kurzem Beschnuppern geht es mit ein wenig Theorie los. Pferdezüchter Strauch geht gleich in die Vollen: Wagenkunde, Anatomie der Pferde, Geschichtliches und ein paar Anekdoten aus eigener Erfahrung wechseln sich ab. Noch ein Kaffe zur Stärkung, dann dürfen die neun Teilnehmer, unterstützt von Ehefrau Lydia Birker und Tochter Claudia Strauch – beide ebenfalls passionierte Kutschfahrer – selber Hand anlegen. Bevor jedoch unerfahrene Hände an den Pferden herum zerren, steht eine Trockenübung am so genannten Fahrlehrgerät auf dem Programm. Ein wenig merkwürdig sieht es schon aus, wenn fünf Erwachsene die Zügel eines Metallgestells in Händen halten, doch vor lauter Nachdenken über die richtige Zügelhaltung gerunzelte Stirnen geben Fahrlehrer Burkhard Strauch auch in diesem Kurs recht.

Nachdem auf diese Weise alle Kursteilnehmer einmal die Zügel in Händen gehalten haben, ist eine zünftige Stärkung dringend nötig. „Das kann ich mir nie merken,“ befürchtet der eine oder andere Fahranfänger. „Ach, das ist wie beim Autofahren,“ beruhigt Strauch, „da meint man auch erst, dass man es nie lernt.“ Um diese Aussage gleich einmal zu beweisen, dürfen an diesem Nachmittag alle Anfänger selber den Kutschbock erklimmen. Und siehe da, Gismo, Donna und die beeindruckenden Tinkerhengste Mambo und Paul, ziehen bereitwillig die drei Fahrlehrer und ihre Schüler über Niederziers Straßen und Feldwege. Vor diesen ersten Erfolg allerdings, haben die Götter wie üblich den Schweiß gesetzt: Pferde müssen angeschirrt und gespannt werden, bevor sie eine Kutsche ziehen können. Also hieß es, erst einmal Kopfstücke, Brustblattgeschirr und Leinen korrekt am Pferd unterzubringen. Gar nicht so einfach.

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Ganz schön schwungvoll unterwegs sind Claudia und Schecke Gismo bereits am zweiten Tag.

Ganz schön schwungvoll unterwegs sind Claudia und Schecke Gismo bereits am zweiten Tag.

Geduldig ließen die Vierbeine die noch etwas ungeschickten Hände über sich ergehen. Geschafft. Zur Belohnung gab es eine erste Ausfahrt, immerhin fast selbstständig. Anspruchsvoll ging es am zweiten Tag weiter: Slalom, Zirkel, Kehrtwenden und ähnliche Herausforderungen warteten auf dem hauseigenen Fahrplatz. Zunächst wurde geübt, manch einer, allen voran Martina – erfahrene Pferdebesitzerin – schaffte es gar im Trab oder Galopp. Wie geschickt sie nach wenigen Stunden hinein schnuppern schon waren, durften die Kursteilnehmer am Nachmittag unter Beweis stellen. Favoritin Martina hielt denn auch am Ende den verdienten ersten Preis in Händen – eine feiste Salami. Urkunden und Trostpreise wurden an alle verteilt, bei Kaffee und einem „Fahrertrunk“ – ein hauseigenes, hochprozentiges Getränk geheimer Rezeptur – wurden frisch gewonnene Fachkenntnisse ausgetauscht. Kaum einer verließ den Hof, ohne die feste Absicht, bald zum ausgiebigen Folgekurs wieder zu kommen.

Wer auch einmal das Gefühl kennen lernen möchte, die Zügel in Händen zu halten, findet unter www.tinkerhof-strauch.de erste Informationen. Unter 02428 – 941620 sind Burkard Strauch und Lydia Birker persönlich zu erreichen.


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