Interview mit Peter Rosenbaum, der Jülicher Geschichte lebendig machen will.

Ein „Herzog“ mit pädagogischen Anspruch.
Von Dorothée Schenk [01.01.1970, 01.00 Uhr]

Für offizielle Anlässe wirft sich Peter Rosenbaum in Schale, dann wird er zum Herzog von Jülich.

Für offizielle Anlässe wirft sich Peter Rosenbaum in Schale, dann wird er zum Herzog von Jülich.

Geschichte wird nicht nur rückblickend gesehen. Geschichte muss auch „gemacht“ werden. Das gilt für erlebbare Historie in der Herzogstadt wie auch für Installationen für das Stadtgeschichtliche Museum und Aktionen rund um das touristische Programm der Stadt Jülich. Zum Tag der offenen Festungsstadt am 17. August schlüpft Peter Rosenbaum wieder einmal in die Rolle des Herzogs von Jülich. Dorothée Schenk erzählte er, wie es dazu kam.

Wie wird man als Bürgerlicher zum Herzog Wilhelm von Jülich-Kleve Berg?
Rosenbaum: Die „Bühne 80“ bei der ich seit Anfang der 80er Jahre als Bühnenbauer und Schauspieler aktiv bin, hat damals zu den Kreiskulturtagen 1998 in der Zitadelle für das Museum die „Jülicher Hochzeit“ inszeniert. Ich habe einen Teil des „Gramminaeus“, einem historische Buch, in dem die Hochzeit detailliert geschildert ist, abgeschrieben. Danach haben wir das „Drehbuch“ verfasst. Weil ich nicht nur sehr geschichtsinteressiert bin, sondern auch einen so schönen Bart habe, durfte ich gleich den Herzog Wilhelm spielen. Daraus ergab sich, dass ich immer wieder zu besonderen Anlässen und jetzt eben auch zum „Tag der offenen Festungsstadt“, als Herzog Führungen anbiete.
„Der Herzog zeigt sein Schloss“ heißt das Programm. Wenn ich das Kostüm anhabe spiele ich aus der Vergangenheit heraus die Gegenwart. Ich sage etwa, „ich habe bauen lassen…“ Das kommt meist gut an.

Welche Arbeit steckt in den Vorbereitungen?
Rosenbaum: Durch meine Leidenschaft für die Historie lese ich viele Bücher, die mit der Jülicher und Heimatgeschichte im allgemeinen zu tun haben. Richtig los ging es 1996/97, als ich zur Landesgartenschau Gastführer wurde. Das heißt, auf die Rolle des Herztogs bin ich eigentlich schon lange vorbereitet. Bisher bin ich aber nur in geliehenem Kostüm aufgetreten, jetzt lässt Jülich Information gerade ein eigenes Kostüm für mich schneidern. Das ist aber nicht das Einzige: Das Corps de Juliers, das ich 1998 mit Andreas Kupka gegründet habe, ist an diesem Tag eingebunden. Wir hoffen, dass die Artillerie aus Maastricht kommt, dazu die Highländer und die Kings German Legion. Auf einer Bastion sollen dann wieder Zelte stehen und Lagerleben gezeigt werden. Es werden drei Kanonen aufgestellt, von denen zwei beschossen werden. Diesmal bn ich nur an der Organisation beteiligt, weil ich an einem Tag nicht gleichzeitig Herzog und Sappeur beim Corps de Juliers sein kann.

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Gerne vermittelt Peter Rosenbaum sein Wissen in Führungen auch dem Nachwuchs.

Gerne vermittelt Peter Rosenbaum sein Wissen in Führungen auch dem Nachwuchs.

Worin liegt der Reiz des „Geschichtsspiels“?
Rosenbaum: Beim Herzog ist das Schöne, dass ich historische Kenntnisse mit Schauspielerei verbinden kann. Beim Corps de Juliers sieht das anders aus. Andreas Kupka und ich wollten - als im Zuge der Landesgartenschau im Brückenkopf-Park eine Uniform und Kanonen aus französischer Zeit ausgestellt werden sollten - ein Gruppe gründen, die sich vor dem Hintergrund der Festungsstadt mit der Waffentechnik beschäftigt. Dazu haben wir auch Lehrgänge besucht, um Schwarzpulver erwerben zu können, um Munition kaufen zu können, den so genannten Böllerschein und später den Waffensachkundennachweis. Das hat didaktische Gründe und dient musealen Zwecken. Wie es sich ja dann auch im Ausstellungsbeitrag Jülichs zu „Riss im Himmel“ im Jahr 2000 „Ästhetik des Krieges?“ gezeigt hat. Auf diese Weise haben wir in der obersten Liga im Rheinland mitgespielt. Ein weitere Punkt ist das Reenactment. Es geht nicht darum, Soldat zu spielen, sondern um die Vermittlung lebendiger Geschichte. So gehört auch das Lagerleben als wichtiger Bestandteil zum Reenactment. Wir erwarten von allen Mitwirkenden, dass sie sich zumindest in der französischen Geschichte Jülichs auskennen, so dass sie auch Führungen machen können. Bei „Vive Napoleon“ 1999 haben wir erste Kontakte geknüpft, bei „Riss im Himmel“ hatte sich die Zahl der Aktiven bereits verdoppelt. Im vergangenen Jahr bei der 200-Jahr-Feier des Brückenkopfs waren es schon 200 Teilnehmer.

Wie können Sie einen solch großen Tross bewegen?
Wir leihen Pferde, die auch die Kanonen ziehen können, sie müssen natürlich schusssicher sein. Für das Museum habe ich eine Lafette, ein fahrbares Gerüst gebaut, um die 16-pfündige Kanone bewegen zu können. Diese nutzen wir. Mittlerweile ist auch der 24-Pfünder aufgeprotzt. Seit 2001 arbeite ich in der Werkstatt des Museums. Als Industrieelektriker habe ich Metallverarbeitung gelern, die Holzverarbeitung habe ich mir selbst beigebracht, weil sie mir Spaß macht.
Das jüngste Projekt waren in diesem Jahr die Arbeiten für die aktuelle Ausstellung „einhundertmal“ im Südost-Turm, die auch zum „Tag der offenen Festungsstadt“ geöffnet ist. Hierfür habe ich in Zusammenarbeit mit dem Museums-Team die Vitrinen in dem Schaukasten-System entworfen, und mit den Kollegen aus der Werkstatt gebaut. Das war eine spannende Aufgabe, weil Zeichnungen zu entwerfen waren, die Kalkulation war zu machen, und schließlich musste alles umgesetzt werden. Von der Planung bis zur Fertigstellung waren es 14 Monate. Natürlich wäre es ein Traum, was ich weitgehend ehrenamtlich mache, hauptberuflich auszuüben. Das ist bei der derzeitigen Haushaltssituation aber nicht realistisch. Ich bin einer von den fast fünf Millionen, die die Arbeitsmarktpolitik trifft.


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