Im Einsatz mit den Polizisten Robert Tietz und Norbert Tirtey

„Karol 12/27 kommen“ – Nachtschicht mit Blaulicht
Von Achim Heidemann [11.05.2007, 08.59 Uhr]

Dienstbeginn. Es ist Montag, 21.45 Uhr. Polizeikommissar Robert Tietz und Polizeioberkommissar Norbert Tirtey kommen zur C-Schicht, so nennt sich der Dienst von 22 Uhr abends bis 7 Uhr früh des kommenden Tages. JüLicht-Mitarbeiter Achim Heidemann hat die Beamten in einer Nachtschicht begleitet und ihnen bei der Arbeit über die Schulter geguckt. Neun Stunden - acht Einsätze und die ganze Palette der Polizeiarbeit.

Fertig machen zur Nachtschicht:  Robert Tietz und Norbert Tirtey mit Karol 12/27.

Fertig machen zur Nachtschicht: Robert Tietz und Norbert Tirtey mit Karol 12/27.

Nach dem Ankleiden der Uniform lädt das Duo Tietz/Tirtey seine persönliche Schutzausrüstung in den Streifenwagen: Handschellen, Handschuhe, Pfefferspray und Pistole. Sie haben noch nicht ganz den Parkplatz der Wache in „Karol 12/27“ verlassen, da kommen sie zum ersten Einsatz: Kurz hinter der Jülicher Polizeiinspektion ist eine Radfahrerin ohne Licht unterwegs. Während Tietz die Personalien bei der Leitstelle überprüft, schreibt Tirtey eine Zahlkarte aus. Zehn Euro sind für Fahrradfahren ohne Licht fällig. Eine Woche Zeit hat die Radlerin, Buße zu tun, sprich, das Geld zu überweisen.

Weiter geht es – keine Atempause wird gemacht. Noch während der Schreibarbeiten für die eben verwarnte Verkehrssünderin werden die Beamten zur Hasenfelder Kreuzung gerufen. Zwischen Broich und Tetz wurde ein Reh angefahren. Als Robert Tietz und Norbert Tirtey am Unfallort eintreffen liegt das Reh bereits am Fahrbahnrand. Das Tier war vom Auto erfasst worden als es für den Fahrer unvermutet aus dem Unterholz auf die Straße lief. Es war sofort tot. Trotzdem bleibt keine Zeit für Sentimentalitäten: Der Schaden am Auto muss der Versicherung gemeldet werden. Dafür stellt Robert Tietz ein Formular über den Wildunfall aus. Das verendete Reh wird vom Jagdpächter abgeholt, den inzwischen Norbert Tirtey verständigt hat.

„Jetzt haben wir die erste Mücke im Haus“, meint Norbert zu Robert und deutet auf das Insekt welches durch das Innenraumlicht gelockt im Fahrzeug rumschwirrt. Ihr Haus ist es wirklich, denn sie verbringen rund 10 Stunden pro Schicht im Einsatzwagen.

„Karol 12/27 kommen.“ – die Polizisten werden von der Leitstelle angefunkt. Jugendliche haben in Lucherberg im Vorbeifahren mit ihren Fahrrädern an mehreren Wagen Außenspiegel abgetreten. Vor Ort warten bereits aufgebrachte Wagenbesitzer. Nun gilt es alle beschädigten Fahrzeuge zu erfassen: Insgesamt acht Fahrzeuge wurden mutwillig beschädigt. Gesamtschaden: Rund 1000 Euro. Noch während sie die Personalien aufnehmen, erfahren Robert Tietz und Norbert Tirtey, dass ein Anwohner die Verfolgung aufgenommen hat und die Täter beschreiben kann. Einige andere Jugendliche können ebenfalls mögliche Täter nennen. Eine anschließende Nahbereichsfahndung verläuft ergebnislos. Auf der Rückfahrt zur Wache setzt sich die Einsatzserie fort: In Jülich fühlen sich Anwohner durch die laute Musik einer Kneipe gestört. Der Besitzer wird ermahnt und die Musik leiser gedreht.

Werbung

Bis zu zehn Stunden verbringen die Kollegen gemeinsam – die meiste Zeit im Streifenwagen.

Bis zu zehn Stunden verbringen die Kollegen gemeinsam – die meiste Zeit im Streifenwagen.

Nach drei Stunden fahren dei Beamten erstmals wieder auf den Hof an der Neusser Straße in Jülich. Der Schreibtisch wartet. Auf der Wache müssen die Berichte vom Einsatz in Lucherberg gefertigt werden. 0 Uhr, Mitternacht und kein Ende in Sicht. Nach einer guten Stunde sind Anzeigen geschrieben, Sachverhalte protokolliert und Daten der Geschädigten eingetragen. Es bleibt gerade noch Zeit, um einen Happen zu essen und einen Schluck zu trinken ehe es wieder losgeht.

Erneut rufen Anwohner die Polizei wegen Ruhestörung. Eine Frau randaliert in der Wohnung weil ihr die Nachbarn den Strom wegen zu lauter Musik abgestellt haben. Mit der Frau wird gesprochen. Sie beruhigt sich und verspricht leise zu sein. Abfahrt. Mit geschultem Blick entdeckt Norbert auf der Rückweg zur Wache einen verdächtigen Transporter, der aus der Einfahrt eines Supermarktes kommt. Sie entscheiden sich das Fahrzeug anzuhalten. Tietz sichert, während Tirtey mit dem Fahrer spricht. Er hat sich verfahren und sucht den Weg zu einer Firma. Dort wartet der Pförtner auf die Ware. Die beiden Polizisten zeigen dem Fahrer den Weg.

Der sechste Einsatz kommt über Funk. Nachbarn fühlen sich durch Jugendliche gestört. Als die Beamten eintreffen, sind die Jugendlichen verschwunden. Zeit zum Streife fahren. Aufmerksam sind sie im Titzer Raum unterwegs. da entdeckt Tietz Feuerschein vor einem Haus. Tirtey gibt Gas. Möglicherweise ein Wohnhausbrand. Aber – Fehlalarm: Der Brandherd entpuppt sich als Lagerfeuer einer Jugendgruppe. Inzwischen steht die Digitalanzeige auf 03:00 Uhr nachts.

Die Meldung geht über den Kanal: „Herrenloser Hund knurrt Passanten an.“ Keine zwei Minuten später treffen Norbert und Robert am „Tatort“ ein. Kein Hund in Sicht. Sie durchfahren Nebenstraßen und leuchten in Gassen – erfolglos. Ein Funkspruch durchdringt die Suche: In Welldorf bahnt sich eine Schlägerei unter Jugendlichen an. Es sind bereits Streifenwagen-Besatzungen im Einsatz, aber Unterstützung ist angefordert. Nun ist Eile gefragt. Vor Ort ist die Lage gespannt. Überall liegen Scherben von Gläsern und Flaschen auf dem Boden. Die Kollegen haben die rivalisierenden Gruppen bereits getrennt und so können die Kommissare zum nächsten Einsatzort. Ein älterer Mann hat in Rödingen durch sein Fernglas Jugendliche beobachtet, die gerade eine Telefonzelle aufbrechen um an das Münzgeld zu kommen.

Norbert gibt Gas. Er will die Täter auf frischer Tat dingfest machen. Keine zwei Minuten Fahrzeit später ist das Ziel erreicht. Leise schleicht sich das Beamtenduo an den Tatort heran, das heißt: Blaulicht aus, um die Täter nicht frühzeitig zu warnen. Kurz vor Telefonzelle eine Vollbremsung: Erst jetzt und damit zu spät bemerken die Diebe die Polizei und stürzen aus der Telefonzelle. Die beiden Beamten springen aus dem Wagen und rennen hinterher. Die Verfolgungsjagd ist kurz. An der nächsten Ecke stellen die Tirtey und Tietz den Täter – allerdings nur einen, der zweite entkam in der Dunkelheit. Die Festnahme ist nicht völlig widerstandslos. Im Handgemenge geht Norberts Brille kaputt. „Das erste Mal, dass mir was kaputt geht“, schimpft er und setzt die Ersatzbrille auf die Nase.

Der Tatort wird untersucht. Tatsächlich ist das Gehäuse der Telefonzelle bereits aufgehebelt und der Münzspeicher herausgenommen worden. Bargeld und Tatwerkzeug werden vor Ort sichergestellt, Beweise und der Festgenommene zur Jülicher Wache gebracht. Nach einer Leibesvisitation wird der junge Mann in eine Zelle gebracht.

Für die beiden Polizisten heißt es nun wieder: Büroarbeit. Beweistücke sind zu sichern und aufzulisten, sowie Anzeigen zu schreiben und den Vorgang im Computer erfassen. Während die Fahndung nach dem Mittäter läuft ist die Schicht von Norbert Tirtey und Robert Tietz fast vorbei. Es ist kurz vor sechs Uhr morgens, als die beiden Zeit finden für eine Tasse Kaffee und einen Augenblick Ruhe. Robert Tietz, Polizeihauptkommissar ist 39 Jahre alt, und freut sich ein Frühstück mit Frau und Kindern. Polizeioberkommissar Norbert Tirtey, 42 Jahre, erzählt, dass er Einsätze mit „schönem Ende“ mag und den Austausch mit den Kollegen schätzt. „Der muss sein.“ Die Kollegen der Frühschicht kommen. „Vielleicht gibt der Dienstgruppenleiter noch ein Frühstück aus.“, meint Tirtey augenzwinkernd.


Dies ist mir was wert:    |   Artikel veschicken >>  |  Leserbrief zu diesem Artikel >>

NewsletterSchlagzeilen per RSS

© Copyright 2017 Presse- und KulturBüro Schenk + Schenk | Datenschutz

Das Brenzlicht

Mehr Zivilcourage
Es gehört Zivilcourage dazu, Kritik zu üben an einer Preisverleihung, die Zivilcourage auszeichnet und sich gegen das Vergessen der Greueltaten der Nazis positioniert. Toleranz – so die Namensergänzung der veranstaltenden Jülicher Gesellschaft – gehört dazu, um auszuhalten, wenn von vier zu Ehrenden drei als Nebenprodukt behandelt werden und der einzige, durchaus nicht unumstrittene Ausgezeichnete vom Laudator eine Würdigung erfährt, die nicht nur einige Menschen befremden dürfte.  [01.03.2017, 07.54 Uhr]  >>

Alle Brenzlichter >>

Stadtteile

Kita „Die kleinen Strolche“: Jubiläumsfeier eine Woche lang
„Was wollen wir trinken sieben Tage lang?“, heißt ein ziemlich bekanntes Fest- und Feierlied. Da so ein 50-jähriges Jubiläum bei der Kita „Die kleinen Strolche“ in erster Linie ein Fest für die Kinder ist, hat sich das Team der Einrichtung überlegt, mit den Kindern, die sie im Moment besuchen, kräftig und sieben Tage lang zu feiern. Es geht los mit dem Dasda Theater, das am Donnerstag, 27. April, das Stück Petterson und Findus im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Düsseldorfer Straße 30, für die Kita-Kinder aufführen wird.  [26.04.2017, 13.58 Uhr]  >>
Im Heckfeld Geschmack am Glauben finden
Einen Ruhepol im Alltag finden. Innehalten, dem eigenen Getriebensein im Leben regelmäßig einen Ort des Atemholens zu geben, dazu dienen Exerzitien im Alltag. Seit fast 20 Jahren wird in St. Rochus Jülich diese Tradition in der Fastenzeit gepflegt. [09.04.2017, 14.12 Uhr]  >>

Rundum

Kreatives Lösungsmodell im Aldenhovener KIM-Prozess [09.04.2017, 14.00 Uhr]  >>
Düren: Den Umgang mit Demenz lernen [09.04.2017, 13.51 Uhr]  >>

Vereine

Lebendiges Geschichtsgedächtnis [09.04.2017, 14.51 Uhr]  >>
Bestehen unter des Meisters Augen [09.04.2017, 13.19 Uhr]  >>

Immer auf dem Laufenden



Newsletter >>

JüLicht auf Ihrer Site

Sie können unsere aktuellen Schlagzeilen auf Ihrer Website präsentieren - hier steht, wie >>.

Kontakt

Welches Anliegen Sie auch immer bewegt, über unser Kontaktformular >> können Sie mit uns in Verbindung treten.

Werbung