Initiative OMNIBUS - für alle, durch alle

Ermutigung zur Mitbestimmung
Von Arne Schenk [04.03.2005, 16.09 Uhr]

Die Bürger zu eigenständiger politischer Verantwortung aufrütteln möchten Klaus Pfeiffer (3.v.r.) und Werner Küppers (2.v.r.).

Die Bürger zu eigenständiger politischer Verantwortung aufrütteln möchten Klaus Pfeiffer (3.v.r.) und Werner Küppers (2.v.r.).

„Bereits vor der Eröffnung haben Leute an das Fenster geklopft,“ erzählt Werner Küppers, „Wir saßen noch beim Frühstück.“ Küppers ist OMNIBUS-Fahrer, also nicht irgendeines Fahrzeugs dieser Art, sondern Lenker des Flagschiffes der gemeinnützigen GmbH für Direkte Demokratie. Gut besucht wurde es am Freitag, als es auf dem Jülicher Marktplatz beim Alten Rathaus für bundesweite Volksabstimmung warb. Einfach ist ein solcher Einsatz nicht: „Wir schlafen auch in dem Bus,“ erzählt Mitfahrerin Marika Haase, „und die letzten drei, vier Nächte bei Minus zwölf Grad. Da ist die Wasserversorgung eingefroren.“

Neben der festen Konstante Werner Küppers gehört sie zu rund zwanzigköpfigen Team, die sich die Arbeit teilen, je nach der Zeit, die sie dazu opfern können. Auch zwei Schülerpraktikanten waren in Jülich an Bord: Felipe Kohlhörster und Julian Büsselberg. Die beiden Walldorfschüler aus Witten absolvierten beim OMNIBUS ihre dreiwöchiges Sozialpraktikum. Eingeladen wurden der OMNIBUS (lateinisch: durch alle, für alle) vom Güstener Klaus Pfeiffer, der gegen die Wassergebühren der Jülicher Stadtwerke vorgeht, und das zum Wohle aller Bürger. So koordiniert er die Widersprüche von 80 Bürgern gegen die Abwassergebühren der Stadt. Diese konnten ihre Abrechnungen an diesem Freitag bei Pfeiffer abholen. Auf Anfrage würden sich die meisten der Bürger auch sofort einer Sammelklage anschließen.

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Anregenden Austausch „durch alle, für alle“ am Omnibus.

Anregenden Austausch „durch alle, für alle“ am Omnibus.

Allerdings versuchten auch einige Bewohner, nachträglich Widerspruch gegen ihre Abrechnungen einzulegen. Denen musste Klaus Pfeiffer aber erklären, dass die Frist bereits am 28. Februar abgelaufen war und somit ein nachdrückliches Unternehmen nutzlos sei. Gleichzeitig wies er mit einem Wurfzettel Fragen auf: „Was ist das Broicher Paradox?“ (Wenn man mit Agenda 21 den Kanal flussaufwärts - also das Abwasser nach Jülich zurück - fließen lässt.) oder „Was ist das Nord-Ost-Jülicher Modell?“ (Wenn man seine bezahlte - also abgeschriebene - Kläranlage - für Mersch, Pattern, Welldorf und Güsten - an der Erft - anstelle der Rur - hängen lässt.) Die Aktion erwies sich als fruchtbares Feld für alle Beteiligten.

„Es war ein äußerst lebendiger Tag, der positiv aus allen herausragt“ konstatierte Küppers im Nachhinein. Erfahrung besitzt er genug. Immerhin lebt er seit Herbst 2000 in dem Bus, fährt von Anfang März bis Ende November rund 100 Städte im Jahr an. Er betrachtet sein Vehikel als „Ermutigungsfaktor“, dass der Bevölkerung „ins Denken und Bewusstsein kommt, dass wir doch etwas unternehmen können“.

Dass die Ermutigung Erfolge nach sich ziehen kann, zeigt OMNIBUS längst. In Bayern war der Verein an der Volksabstimmung beteiligt, bei der dortige Bürger 1995 den kommunalen Bürgerentscheid einführten, in Hamburg aktuell an der Volksabstimmung, bei der die Hanseaten sich selbst ein neues Wahlrecht gaben.


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