Aktion auf dem Dürener Weihnachtsmarkt zum Weltaidstag

HIV-Infizierte suchen Anonymität
Von Britta Sylvester [30.11.2006, 20.01 Uhr]

Weltweit steigt die Zahl HIV-Infizierter weiter an, ebenso ist ein stetiger Anstieg der AIDS-Toten zu verzeichnen. Vor allem im südlichen Afrika leben immer mehr Menschen mit der noch immer tödlich verlaufenden Immunschwäche. Doch wie sieht es im Kreis Düren aus? Auch hier wird alljährlich am 1. Dezember der Versuch unternommen, mit dem Welt-AIDS-Tag die heimtückische Krankheit den Menschen ein wenig mehr ins Bewusstsein zu rufen. Mit Recht, wie Sozialpädagogin Lisa Palm feststellt. Sie ist seit Jahren im gesamten Kreisgebiet in Sachen Prävention und Aufklärung unterwegs.

„Man sollte meinen, dass im Jahr 2006 die Jugendlichen vernünftig aufgeklärt sind“, sagt Lisa Palm, „Leider stimmt das nicht.“ Das hat auch das Robert-Koch-Institut bei seinen weltweiten Forschungen feststellen müssen: „In zahlreichen Regionen der Welt sind HIV-Neuinfektionen besonders stark unter jungen Menschen (15–24 Jahre) zu beobachten. In dieser Altersgruppe fanden im Jahre 2006 weltweit 40% der HIV-Infektionen statt.“ (Quelle: rki.de)

Unter anderem deshalb ist die ausgebildete Präventionsfachkraft seit über zehn Jahren in den Schulen des Kreises unterwegs. Mindestens einmal pro Woche ist sie zwei Schulstunden lang zu Gast in einer Klasse. Für diese Zeit werden die Lehrer vor die Tür gesetzt: „Wir haben festgestellt, dass die Schüler lockerer sind, wenn ihre Lehrer nicht dabei sind.“ In diesen zwei Stunden erzählt Lisa Palm, wie man sich anstecken kann, was man gegen Ansteckung tun kann und auch, wo Hilfe zu finden ist, wenn’s brennt. Genau diese Hilfe bietet Ärztin Nicole Savelsberg. Seit 19 Jahren gibt es im Dürener Gesundheitsamt ihre AIDS-Beratungsstelle. Alleine im vergangenen haben über 70 Menschen die Möglichkeit genutzt, sich dort kostenlos auf eine HIV-Infektion testen zu lassen.

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Die Ärztin Nicole Savelsberg berät seit 19 Jahren Aidskranke in Düren.

Die Ärztin Nicole Savelsberg berät seit 19 Jahren Aidskranke in Düren.

Eine Außenstelle der Aidshilfe gibt es im Kreis Düren nicht. Dafür müssten Betroffene – das können auch Angehörige und Hilfe suchende Freunde eines Infizierten sein – bis nach Köln fahren. Nach dem Grund gefragt, mutmaßt Savelsberg, dass der Wunsch nach Anonymität unter den Betroffenen in einem überschaubaren Kreis wie dem Dürener sehr ausgeprägt ist.

Im Kreis Düren stagniert die Anzahl HIV-Infizierter seit einigen Jahren. „Was allerdings nichts über einen Anstieg der Neuinfektionen aussagt,“ bremst die Fachfrau jeden möglichen Optimismus. Mittlerweile leben die Menschen wesentlich länger mit dem Virus. Auch dauert es bekanntermaßen sehr lange, bis die Erkrankung wirklich ausbricht, jemand also seinen Weg zum Arzt findet. Deshalb ist es durchaus möglich, dass ein Patient, der sich in diesem Jahr testen lässt, bereits seit zehn Jahren Virusträger ist, in der Statistik aber noch nicht aufgetaucht ist. Die Zahl Hilfesuchender ist über die Jahre allerdings kontinuierlich gewachsen, bemerkt Savelsberg: „Das liegt auch daran, dass die Menschen länger mit dem Virus leben können, dann aber auch mehr Unterstützung brauchen.“ Denn HIV infiziert sein, bedeutet, sich zahlreichen Therapien „mit erheblichen Nebenwirkungen“ zu unterziehen.

Nicht zuletzt aus diesem Grund ziehen auch an diesem Welt-AIDS-Tag zahlreiche Kreisdürener Politiker, Mitarbeiter der Aidsberatung und ehrenamtliche Helfer auf den Dürener Weihnachtsmarkt und klappern laut mit der Spendenbüchse. Bewaffnet sind sie mit den charakteristischen roten Schleifen, Kondomen natürlich und zahlreichen andern, hoffentlich erinnerungsträchtigen give-aways. Das gesammelte Geld kommt direkt HIV-Betroffenen im Kreis Düren zugute. „Viele leben am Existenzminimum und freuen sich über ein bisschen Geld extra, gerade zur Weihnachtszeit“, weiß Dürens AIDS-Beraterin Nicole Savelsberg.

Hilfe, Ansprechpartner und weiterführende Informationen finden sich vor allem im Internet: gib-aids-keine-chance.de, aidshilfe.de (speziell für unsere Region interessant aidshilfe-aachen.de und koeln.aidshilfe.de). Eine Adresse, die sich eher an Jugendliche wendet, ist sexsicher.de. Und eher wissenschaftlich orientierte Zeitgenossen werden auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts mit Sicherheit fündig: rki.de. Nicole Savelsbergs Kontaktadresse und Telefonnummer hat der Kreis Düren auf dieser Webseite hinterlegt: kreis-dueren.de/a-z/53/aidsberatung.htm.


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