Porträt: Gabriele Spelthahn, das Gesicht des Vereins für die Toleranz und gegen das Vergessen

Am Anfang war das Gespräch…
Von Dorothée Schenk [05.07.2001, 16.27 Uhr]

So wird es mal aussehen - das Mahnmal auf dem Probst Bechte Platz.

So wird es mal aussehen - das Mahnmal auf dem Probst Bechte Platz.

Stöbern in Archiven, lange Gespräche, sammeln und zusammentragen - das ist die private Leidenschaft von Gabriele Spelthahn. Seit zwölf Jahren beschäftigt sich die Wahl-Jülicherin mit dem jüdischen Leben im Jülicher Land. So heißt dann auch der Arbeitskreis, den sie im Jülicher Geschichtsvereins ins Lebens rief. „Was versprechen Sie sich davon?“ wurde Gabriele Spelthahn gefragt. Ihre Beweggründe: „Es ist einfach erschütternd, wie vieles nach nur 50 Jahren vergessen und verschwunden ist.“ Den ermordeten Familien wieder ein „Gesicht“ geben, zu beschreiben, welche Haarfarbe, welches Temperament die jüdischen Verfolgten hatten, das ist ihr Ziel. Sie initiierte auch die „Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz“, die im November 2001 ein Mahnmal errichten wird. Dieses Mahnmal trägt die Namen der 270 Juden aus dem Jülicher Land, die von den Nazis ermordet worden sind. Viele „kleine Denkmäler“ setzte sie schon in Ausstellungen, z.B. Janusz Korczak, in Büchern als Co-Autorin, Vorträgen und Aufklärungsarbeit in Schulen.

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Kritisch betrachtet.

Kritisch betrachtet.

Initialzündung war die erste persönlichen Begegnung mit Überlebenden. Danach begann die studierte Archivarin, die übrigens erste hauptamtliche Archivarin der Stadt Jülich war, ihre Lebensaufgabe, ohne damals schon die Ausmaße zu ahnen… Da klingelte plötzlich das Telefon, und Willy Mendel aus Brasilien meldet sich - mittels Dolmetscherin, da der 26-Jährige kein Wort der Muttersprache seiner Großmutter Leni Mendel spricht. Die einstige Jülicherin war eine Freundin von Frau Spelthahn senior. So schließen sich Kreise. Gut 100 Zeitzeugen haben inzwischen zu einem „Mosaik“ beigetragen, das nie vollständig werden wird.Neben persönlichen Gesprächen gehören Besuche in Israel, Studien in Yad Vashem, Kontakte zu Überlebenden in den USA aber auch der Eifel mit zum Freizeitprogramm. So wurden beim Ausflug nach Kyllburg unvermutet Spuren jüdischen Lebens entdeckt. Ihre wenigen Musestunden verbringt sie mit ihren acht Katzen, spielt Theater, und kümmert sich um den Garten. Das wird sich vermutlich nicht sobald ändern. dazu hat Gabriele Spelthahn einfach zu viele Pläne, die „nach dem Mahnmal“ in Angriff genommen werden sollen.


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