Ausstellung: „Janusz Korczak - eine Leben für die Kinder"

Immer auf Augenhöhe
Von Dorothée Schenk [21.10.1999, 15.02 Uhr]

Im Foyer des Jülicher Rathauses bewegte die Ausstellung „Janusz Korczak - Ein Leben für die Kinder“ die Menschen.

Im Foyer des Jülicher Rathauses bewegte die Ausstellung „Janusz Korczak - Ein Leben für die Kinder“ die Menschen.

Einige konnten sich ihrer Tränen kaum erwehren. Die deutsche Geschichte: So weit weg und doch so nah holte bei der Ausstellungseröffnung „Janusz Korczak - Ein Leben für die Kinder“ die Menschen im Neuen Rathauses ein. Er war Arzt, Pädagoge und Poet:Janusz Korczak, Pole jüdischen Glaubens, der 1942 mit seinen Kindern im Konzentrationslager Treblinka von den Nationalsozialisten umgebracht wurde ist Thema einer Ausstellung, die auf Initiative des Arbeitskreises Jüdisches Leben im Jülicher Land bis 11. November im Foyer des Neuen Rathauses zu sehen sein wird.

Seine Kinder, das waren 200 Menschen unter 16 Jahre, die er auf den Straßen Warschaus „aufgelesen“ und ihnen ein Heim gegeben hatte. Die Ausstellung belebt die Lebensstationen des Menschen Korczak wieder und entdeckt den Unwissenden nicht nur einen Menschen, der seine Ideen publizierte und sich auch nicht der letzten Verantwortung für seine Kinder entzog, sondern auch eine höchst brisante und aktuelle Pädagogik.

Als Sohn eines betuchten Rechtsanwaltes, dessen Familie nach dem Tod des Vaters verarmte, widmete sich Korczak bald dem "Proletariat auf kleinen Füssen". Sein Engagement galt den benachteiligten kleinen Menschen, denen er neben Heim und Erziehung Achtung und Selbstwertgefühl gab. Er rief Waisenhäuser ins Leben, in denen Grönemeyers Ausspruch „Kinder an die Macht“ nicht blosses Lippenbekenntnis blieb.

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Anwalt der Kinder: Janusz Korczak

Anwalt der Kinder: Janusz Korczak

Es gab eine Kinderzeitung, ein Kinderparlament und sogar eine von Kindern geleitete Gerichtsbarkeit, der sich auch die erwachsenen Erzieher unterwerfen mussten.„Ein Kind wird nicht erst zum Menschen, es ist Mensch“ war seine Überzeugung. Schöner, als einer seiner Zöglinge auf die Fragem wie groß er war, kann man es eigentlich nicht sagen: „Er war eigentlich immer so groß wie ich. Wenn er mit mir sprach war er immer auf meiner Augenhöhe: Entweder er beugte sich herunter oder er hob mich hinauf.“

Hintergrund zur Ausstellung

Seit sieben Jahren beschäftigt sich Michaela Pfeiffer mit Janusz Korczak. Als die Grundschule, an der sie in Jüchen-Otzenrath tätig war, Korczak als Namenspatron wählte, wollte sie eine Informationstafel über den Menschen zusammenstellen. Schließlich ist eine Wanderausstellung daraus geworden.Durch den persönlichen Kontakt zu Gabriele Spenrath vom Arbeitskreis "Jüdisches Leben im Jülicher Land" kam die Ausstellung nun in die Herzogstadt. Eindrucksvoll ließ Prof. Friedhlem Beiner von der Universität Wuppertal, der auch Vorsitzender der Deutschen Korczak-Gesellschaft ist, in seiner Einführung den Arzt und Pädagogen lebendig werden.Bedrückend real auch das Gedenken an die 50 namentlich bekannten Jülicher Kinder jüdischen Glaubens,die von den Nazis getötet wurden. Zwischen anderthalb und 20 Jahren waren diese Kinder alt.Für jedes entzündeten drei Mädchen Kerzen und stellten sie, während Gabriele Spelthahn und Anne Gatzen die Namen verlasen, auf die Treppe im Foyer.Täglich zu den Öffnungszeiten der Verwaltung kann die Ausstellung, zu der es auch eine kostenlose Filmvorführung für Schulklassen gibt, besucht werden.Interessierte melden sich unter Telefon 63 377 oder 579 15. Führungen sind nach Voranmeldungen ebenfalls möglich.

Mehr über Leben und Wirken unter http://www.janusz-korczak.de


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