Vieltelefonierer müssen ihre Rechte klären

Wo die Liebe hinwählt. . .
Von Maximilian Jankowski [01.06.2006, 11.28 Uhr]

Wer unlauter ist, schadet den Rechtschaffenen - das ist eine bekannte Tatsache. Vieltelefonierern bietet o2 ein besonderes Vertragsmodell an - allerdings mit Einschränkungen, wie ein Kunde aus Jülich erfahren musste. Weil betrügerische Mobilphon-Besitzer das Unternehmen schädigten, glaubte o2 ihm zunächst nicht das mehrstündige Liebesgeflüster mit seiner Freundin.

Günther M.* aus Jülich hat einen Handyvertrag seit mehreren Jahren bei o2. Einen so genannten o2 Genion Vertrag. Vor kurzem wurde er auf das Angebot aufmerksam, mit der Handy Flatrate zum Festpreis 9,99 Euro zusätzlich zur Grundgebühr im Monat so viel ins deutsche Festnetz und auf o2 eigene Handynummern zu telefonieren wie er will. Für Günther M. eine praktische Sache, denn seine Freundin verfügt über ein Prepaidhandy von o2. Somit könnte er durch die Handyflatrate seine hohen Telefonkosten deutlich senken, wenn er zum Festpreis mit seiner Freundin telefonieren kann. Ohne Einschränkung will man meinen. Nach den ersten Gesprächen stellt er fest, dass immer nach zweistündigem Telefonat die Leitung unterbrochen wird und er seine Freundin erneut anwählen muss.

Am nächsten Tag ruft er bei der Hotline an und fragt nach dem Grund der Trennung. Hier erklärt man ihm, dass jedes Gespräch nach zwei Stunden getrennt wird, da es sein könnte, das man ohne Tastensperre eine Nummer ungewollt anwählt und somit eine hohe Telefonrechung riskiert. Günter M. erklärt der Hotline, dass er nicht ungewollt telefoniert, sondern nur lange mit seiner Freundin über ihr Prepaidhandy telefoniert. Nun wird die Dame an der Infohotline hellhörig: „Wenn man zu häufig und zu lange mit jemandem telefoniert der ein Prepaidhandy von o2 hat, kann man mit Abmahnungen rechnen. (…) Bei manchen Kunden sperren wir auch das Handy und lassen uns eine Unterlassungserklärung unterschreiben, bis wir es wieder freischalten. (…) Einige Fälle sind auch schon vor Gericht gelandet.“ Günther M. versteht die Welt nicht mehr, Gericht? Unterlassungen?

Wie er im weiteren Gespräch erfährt, bekommt ein Prepaidkartenkunde von o2 zwei Cent die Minute gutgeschrieben wenn er angerufen wird. Dieses Verfahren heißt „o2 easy Money“. Und häufig treiben Leute Missbrauch, indem sie auf ihr eigenes Handy anrufen um das Guthaben zu erhöhen. Aber das will Günther M. doch gar nicht. Er möchte einfach nur mit seiner Freundin telefonieren. Er fragt nach, wo diese Klausel in seinem Vertrag stehen würde, dass man nicht über längere Zeit hinweg auf eine Prepaidnummer von o2 anrufen kann. Schließlich habe er doch eine Flatrate ohne Einschränkungen. Freundlich verweist ihn die Dame auf die AGBs seines Vertrages unter Punkt 5.1, Absatz C: „durch den Mobilfunkservice von O2 keine sitten- oder gesetzeswidrigen Inhalte zu verbreiten oder den Mobilfunkservice in sonstiger Weise nicht missbräuchlich zu nutzen“. Eine sehr weitläufige Formulierung wie Günter M. meint. Aber er müsse sich keine Sorgen machen, dass er in das Raster falle, wenn er in „haushaltsüblichen“ Mengen telefonieren würde. Schließlich sei es unvorstellbar mehrere Stunden am Stück zu telefonieren. Für Günther M. unverständlich. Schließlich gibt es manche Tage wo man Stunden am Stück telefoniert.

Werbung

Zankapfel Flatrate.

Zankapfel Flatrate.

Anke Kirchner, Referentin für Telekommunikation bei der Verbraucherzentrale NRW meint dazu: „Es gibt in jedem Fall eine Einzelfallentscheidung. Diese ist wichtig und beleuchtet jeden Fall individuell.“ Sicherlich wichtig, denn viel Kunden haben eine Flatrate gerade weil sie viel und lange telefonieren.

Auf Anfrage bei o2 teilt eine Sprecherin der Presseabteilung mit, dass es schon häufiger Missbrauchsfälle mit o2 Loop gegeben hat. Leute haben mit ISDN Leitungen oder Rufumleitungen hohe Guthabenbeträge erzielt. Hier wurden die Kunden auch von dem so genannten „o2 easy Money“ Verfahren ausgeschlossen und in manchen Fällen, wurde ihre Prepaidnummer auch gesperrt. „Wenn es mal passiert, dann nicht. Nur bei einer Häufung von Fällen.“ Grundsätzlich aber entscheide der Einzelfall, so die Sprecherin. Dies sei aber auch in den AGBs von Prepaidkunden genau erläutert. Hier findet sich jedoch nur etwas von Missbrauch durch Anrufum- oder Standleitungen. Entgegen der Aussage ihres Callcenters, beteuert die Sprecherin der Presseabteilung, das es für o2 Genion Vertragskunden keine Einschränkung oder irgendwelche Folgen gebe, wenn man lange auf Prepaidnummern anruft. Schließlich handele es sich um keine Standleitung, da das Gespräch automatisch nach zwei Stunden unterbrochen wird.

Nach weiteren Recherchen korrigiert die Sprecherin ihre Aussage und erklärt, dass auch schon Vertragskunden mit o2 Genion abgemahnt worden sind, wenn sie extrem lange über einen größeren Zeitraum auf Prepaidnummern angerufen haben. Jedoch habe man immer das Telefonverhalten über einen längeren Zeitraum beobachtet. „Bei einigen Kunden werden ausschließlich Prepaidnummern über vier bis fünf Stunden oder länger angerufen und keine weiteren Nummern. Folglich trifft es keinen Vieltelefonierer, der in das Raster fallen könnte.“, so eine Sprecherin von o2. Günther M. würde ins Raster fallen, denn er hat nur den Genionvertrag mit Flatrate um mit seiner Freundin zu telefonieren. Und das dauert manchmal ein paar Stunden. Laut o2 kann man als Flatratekunde jede Festnetznummer und andere o2 Nummer so lange man will und ohne Einschränkung anrufen. Ohne Konsequenz.

* Name geändert


Dies ist mir was wert:    |   Artikel veschicken >>  |  Leserbrief zu diesem Artikel >>

NewsletterSchlagzeilen per RSS

© Copyright 2017 Presse- und KulturBüro Schenk + Schenk | Datenschutz

Das Brenzlicht

Mehr Zivilcourage
Es gehört Zivilcourage dazu, Kritik zu üben an einer Preisverleihung, die Zivilcourage auszeichnet und sich gegen das Vergessen der Greueltaten der Nazis positioniert. Toleranz – so die Namensergänzung der veranstaltenden Jülicher Gesellschaft – gehört dazu, um auszuhalten, wenn von vier zu Ehrenden drei als Nebenprodukt behandelt werden und der einzige, durchaus nicht unumstrittene Ausgezeichnete vom Laudator eine Würdigung erfährt, die nicht nur einige Menschen befremden dürfte.  [01.03.2017, 07.54 Uhr]  >>

Alle Brenzlichter >>

Stadtteile

Kita „Die kleinen Strolche“: Jubiläumsfeier eine Woche lang
„Was wollen wir trinken sieben Tage lang?“, heißt ein ziemlich bekanntes Fest- und Feierlied. Da so ein 50-jähriges Jubiläum bei der Kita „Die kleinen Strolche“ in erster Linie ein Fest für die Kinder ist, hat sich das Team der Einrichtung überlegt, mit den Kindern, die sie im Moment besuchen, kräftig und sieben Tage lang zu feiern. Es geht los mit dem Dasda Theater, das am Donnerstag, 27. April, das Stück Petterson und Findus im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Düsseldorfer Straße 30, für die Kita-Kinder aufführen wird.  [26.04.2017, 13.58 Uhr]  >>
Im Heckfeld Geschmack am Glauben finden
Einen Ruhepol im Alltag finden. Innehalten, dem eigenen Getriebensein im Leben regelmäßig einen Ort des Atemholens zu geben, dazu dienen Exerzitien im Alltag. Seit fast 20 Jahren wird in St. Rochus Jülich diese Tradition in der Fastenzeit gepflegt. [09.04.2017, 14.12 Uhr]  >>

Rundum

Kreatives Lösungsmodell im Aldenhovener KIM-Prozess [09.04.2017, 14.00 Uhr]  >>
Düren: Den Umgang mit Demenz lernen [09.04.2017, 13.51 Uhr]  >>

Vereine

Lebendiges Geschichtsgedächtnis [09.04.2017, 14.51 Uhr]  >>
Bestehen unter des Meisters Augen [09.04.2017, 13.19 Uhr]  >>

Immer auf dem Laufenden



Newsletter >>

JüLicht auf Ihrer Site

Sie können unsere aktuellen Schlagzeilen auf Ihrer Website präsentieren - hier steht, wie >>.

Kontakt

Welches Anliegen Sie auch immer bewegt, über unser Kontaktformular >> können Sie mit uns in Verbindung treten.

Werbung