Porträt: Otmar Alt

Einladung zur Wanderung durch Welten
Von Dorothée Schenk [08.10.2002, 10.18 Uhr]

Er dirigiert die Betrachter seiner Bilder durch die farbigen Welten.

Er dirigiert die Betrachter seiner Bilder durch die farbigen Welten.

Ein Bild aus großen Farbfeldern fügt sich spontan im Kopf zusammen, wenn man ihn sieht. Haupthaar und Bart inzwischen weiß. die leicht sonnengebräunte Haut spiegelt leicht das Abendrot des Sonnenuntergangs wieder, braun die Pfeife, die im Mundwinkel ruht und nur dann und wann gräulichen Rauch entläßt. Helles T-Shirt und rote Hosenträger, blaue Jeans dazu. „Kunst kann auch laut sein“, meint Otmar Alt, „und in der Farbe bin ich ja sehr stark und impulsiv - aber es sind auch sehr feine und kleine Töne.“ Er wäre so in leises Kunstwerk.

Otmar Alt. Das braucht eigentlich keine Erklärung. Er ist der bekannteste deutsche Gegenwartskünstler. Otmar Alt, das sind die unverkennbaren Werke in ihrer eigenen Ikonographie, die sich nicht selbst zitieren müssen, weil das Innenleben des Ideengebers so reich ist.. Unverwechselbar, ob als Glasdesign bei Rosenthal, plastischen Werken wie für den Bochumer Tierpark, Bühnendekorationen von Remscheid bis Trier, Telefonkarten, Flügeln für die Klavierbaufirma Schimmel, die künstlerische Beratung und Ausstattung der Landesgartenschau Oelde oder jüngst der Regiosprinter der Dürener Kreisbahn. Und noch immer ist er unruhig, umtriebig und unvermittelt.

Wenn der 61-Jährige nach 36 Jahren erfolgreichen Kunstschaffens - ausgehend vom Debüt in der Berliner Galerie Katz - scheinbar kokettierend einräumt „ich fühle mich in einigen Bereichen kaputt und müde“ relativiert er sofort: „Ich bin immer ein wahrnehmender, erlebender Mensch und auch aus dem Akt der Neugierde habe ich mir eine gewisse Lebendigkeit und Jugendlichkeit bewahrt.“ Als jugendlicher Senkrechtstarter schon erfolgreich sieht er sich heute in „der Zeit der Ernte“. Unermüdlich stellt er sich gegen die Gleichgültigkeit seiner Zeitgenossen. Erkennend, dass gegen die Kunstmüdigkeit der High-Tec-Urlaubs-Unterhaltungsgesellschaft beständige Motivation nur ein beschränktes Mittel ist. Aber eines seiner Credi lautet: „Da wo es schwierig und kompliziert ist, da hat es Grund anzupacken.“ Otmar Alt versteht sich als Zeichensetzer, Botschaftgebender und kleiner Verführer. Seine Werke sind eine Einladung an die Menschen. Innerhalb meiner Philosophie und Welt können sie herumwandern.“

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Mit dem Koslarer Keramiker Arno Schlader ist Otmar Alt privat und künstlerisch verbunden.

Mit dem Koslarer Keramiker Arno Schlader ist Otmar Alt privat und künstlerisch verbunden.

Seine Welt ist in Bewegung: „Ich komme gar nicht zur Ruhe“, realisiert der Künstler. In den Vergangenen zwei Jahren war Otmar oft in Linnich zu Gast. Rund 50 neue Glas- und Keramikobjekte entstanden bei der renommierten Glaswerkstatt Heinrich Oidtmann und im Atelier von Keramiker und Künstlerfreund Alts, Arno Schlader, im benachbarten Koslar. Die Ergebnisse dieser kreativen Phase waren bis Anfang diesen Jahres im Deutschen Glasmalerei Museum Linnich zu sehen. Und weil die Arbeit so fruchtbar war, ließ sich Otmar Alt auch dafür gewinnen, der Dürener Kreisbahn, die zwischen Linnich und Heimbach in der Eifel verkehrt, einen Regiosprinter zu gestalten. Alt macht mobil.

Dabei hatte er in diesem Jahr noch viele andere Felder zu beackern: In Hof entwarf er die Bühnenausstattung eines Samuel-Barber-Balettes über „Medea“, ein Plastik für ein Stuttgarter Kunststoffunternehmen und in Rothenburg ob der Tauber werden ab Ende Oktober „Die neun Kreise der Hexe Antra“ im Kriminalmuseum mit Autor Gerd Scherm und Fotograf Jean Marc Bottequin beschworen worden. In diesem Projekt fließen die Leidenschaften Otmar Alts sichtbar zusammen: Lustbezogenheit, spielerische Freude in Wort und Kreation und „Das Unrecht, das an den Frauen und Männern getan wurde - es gab ja auch Schamanen - im positiv-mytischen Bereich aufbereiten.“ Viel Zeit bleibt bei diesem Pensum wohl kaum. Dennoch richtet Otmar Alt gerade in seinen Privaträumen in Norddinker eine Kunstbibliothek ein und arbeitet an einem Zyklus „Innenansicht der Moderne“. Angeregt von Arbeiten beispielsweise Franz Marks oder Kandinkskys übersetzt er diese Bilder in seine eigene Formensprache.


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