Interview mit Stefanie Arndt, neue Jugendleiterin im Bonhoefferhaus

Jugendarbeit ist Beziehungsarbeit
Von Arne Schenk [03.12.2005, 16.10 Uhr]

Das Bonhoefferhaus setzt auf junge Frische mit der neuen Jugendleiterin Stefanie Arndt. Die 31-jährige Diplom-Pädagogin hat die letzten Jahre in Hamburg gelebt und gearbeitet. Arne Schenk sprach mit der „Neuen“.

Offiziell ins Amt eingeführt wird Stefanie Arndt als neue Jugendleiterin im Bonhoefferhaus am Samstga, 10. Dezember.

Offiziell ins Amt eingeführt wird Stefanie Arndt als neue Jugendleiterin im Bonhoefferhaus am Samstga, 10. Dezember.

Wie kommt ein Nordlicht wie Sie so tief in den Westen?

Stefanie Arndt: Ich bin ja gar kein Nordlicht. Ich komme aus Hagen. Dort leben auch noch meine Eltern. Also bin ich eigentlich in meine Heimat zurückgekehrt oder zumindest in die Nähe. Die Frage ist: Was habe ich in Hamburg gemacht? Es hat mich in den Norden gezogen und in die Stadt, die so viel zu bieten hat. Aber aus persönlichen Gründen bin ich wieder zurückgekommen. Hamburg war einfach zu weit weg.

Welche Erfahrungen bringen Sie aus der Großstadt Hamburg in das eher ländliche Jülich mit? Gibt es übertragbare Konzepte?

Stefanie Arndt: Das denke ich schon. Schließlich habe ich dort bei zwei Kirchengemeinden gearbeitet, darunter sehr viel mit Konfirmanden und Konfirmandinnen. Das ist nicht übertragbar. Hier ist mehr offene Jugendarbeit. Die gab es in Hamburg allerdings auch, Billard, Kicker, Musik, wo Jugendliche sich treffen und einfach abhängen können und einen Gesprächspartner haben. Was ich viel gemacht habe und hier wieder machen will, sind Freizeiten, sowohl am Wochenende als auch in den Ferien, weil ich meine, dass da viel zurückbleibt. Dadurch werden die Kontakte tiefer gehen, nicht so oberflächlich bleiben. Leider bin ich erst im Oktober gekommen und habe da angefangen, mich mit Jugendlichen zu treffen, da müssten die Vorbereitungen für das kommende Jahr bereits laufen. Denn ich will nicht einfach mit Konzepten ankommen, sondern diese mit den Jugendlichen gemeinsam entwickeln.

Wo sehen Sie Ihre Schwerpunkt in der Jugendarbeit? Welche Ziele setzten Sie sich?

Stefanie Arndt: Da bin ich noch dabei. Ich habe Vorstellungen, aber ich möchte auch den Bedarf bedienen. Was wollen die Jugendlichen? Natürlich auch Live-Konzerte und Partys. Ich weiß ja noch nicht genau, was sonst in Jülich so läuft, offensichtlich viel Musik. Zur Einführung am 10. Dezember stellen sich die Bands vor, die bei uns proben. Das ist Teil der Jugendarbeit: nicht nur proben, sondern sich auch selbst einbringen. Theater wurde auch als Wunsch genannt, nicht von jedem, aber es war schon ein großer Wunsch, auch von Eltern. Ich weiß aber noch nicht, ob ich ein Theaterprojekt für Kinder oder mehr für Jugendliche anbieten werde. Ferienspiele sind hier immer erfolgreich gelaufen mit Almut Wolff. Mit ihr habe ich mich schon kurzgeschlossen. Ob ich vielleicht auch Herbstspiele mache, weiß ich noch nicht. Ich finde es aber sehr wichtig, etwas für Kinder anzubieten, die nicht in den Urlaub fahren. In die offene Kindergruppe montags von 15 bis 17 Uhr für Sechs- bis Zwölfjährige mit Monika Gerdes bin ich schon eingestiegen. Dort backen, basteln und spielen wir und schauen schon mal einen Film. Das kenne ich auch aus Hamburg. Ich habe auch schon viele Teamer und Teamerinnen. Das sind eine Art Jugendgruppenleiter. Es existiert ein großes Potential an 15- und 16-Jährigen, die bereit sind, Jugendarbeit mitzugestalten.

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Zwischen ihren Jugendlichen fühlt sich Stefanie Arndt, die neue hauptamtliche Mitarbeiterin für die Jugendarbeit in der Evangelischen Kirchengemeinde Jülich, (obere Sitzreihe links) sichtlich am wohlsten.

Zwischen ihren Jugendlichen fühlt sich Stefanie Arndt, die neue hauptamtliche Mitarbeiterin für die Jugendarbeit in der Evangelischen Kirchengemeinde Jülich, (obere Sitzreihe links) sichtlich am wohlsten.

Welchen Spielraum gewährt Ihnen Ihr Arbeitgeber für die inhaltliche Gestaltung?

Stefanie Arndt: Ich bin ja noch neu hier. Mein erster Eindruck besagt, dass das sehr offen ist. Ich habe das Gefühl, dass meine fachliche Kompetenz anerkannt wird. Pfarrerin Karin Latour ist meine Ansprechpartnerin, damit klar wird: Was wollen die, was möchte ich? Ich finde das sehr unkompliziert.

Sie sind bereits die vierte Kandidatin innerhalb von vier Jahren auf diesem offensichtlich „heißen“ Stuhl. Warum glauben Sie, dass Sie diese Aufgabe besser meistern?

Stefanie Arndt: Ich habe im Augenblick keine Bedenken. Es läuft gut an. Ich glaube, eine wichtige Sache ist, dass ich aus der kirchlichen Arbeit komme. Ich weiß, was ich will, aus meiner Erfahrung heraus. Ich bin mit Kirche vertraut. Ich habe das Gefühl, dass es paßt. Ob ich diese Aufgabe meistern werde, muß sich erst noch herausstellen.

Wie lässt sich das Vertrauen der Jugendlichen zurückgewinnen und zu bewahren für eine kontinuierliche Arbeit?

Stefanie Arndt: Ich habe den Eindruck, dass das jetzt schon eine neue Generation ist. Claudia Koll, meine Vorgängerin, war zwei Jahre hier. Sie hat schon viel aufgebaut, Strukturen geschaffen und einen Stamm von Ehrenamtlichen hinterlassen. Die sind mir auch vertrauensvoll begegnet. Es ist leichter, die Neue zu sein, wenn vorher niemand so lange da war. In Hamburg war eine Person vor mir 15 Jahre lang auf einer Stelle. Da wird man stark verglichen. Hier in Jülich war nach meiner Vorgängerin drei Monate lang nichts. Da freuen sich die Kinder und Jugendlichen, dass ich da bin, und das Haus wieder geöffnet wird. Jugendarbeit ist Beziehungsarbeit. Ich fahre beispielsweise mit Teamern und Teamerinnen über das Wochenende weg, um einen intensiveren Kontakt zu bekommen. Vertrauen braucht Zeit, es muß sich entwickeln.

Offizielle EInführung am Samstag, 10. Dezember

Offiziell wird Stefanie Arndt, die neue hauptamtliche Mitarbeiterin für die Jugendarbeit in der Evangelischen Kirchengemeinde Jülich, am Samstag, 10. Dezember, 18 Uhr, bei einem Jugendgottesdienst in der Christuskirche vorgestellt und eingeführt. Danach geht es ins Bonhoefferhaus, wo von 20 bis 21 Uhr die drei Bands „Sewage“, „Gleis3“ und „Programmierter-Alk-Tod“ spielen und anschließend eine Disco stattfindet. Einlass ab 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet 1,50 Euro.

Doch auch sonst bietet das Bonhoefferhaus täglich etwas für Kinder und Jugendliche. So heißt es montags um 15 Uhr „Kinder treffen Kinder“. Ab 18 Uhr gibt es für Liebhaber der sechs Saiten gibt es dienstags ab 18 Uhr einen „Gitarrenkurs für Fortgeschrittene“ sowie mittwochs ab 19 Uhr einen „Gitarrenkurs für Anfänger“.

Fragen aller Art können dienstags in der „Offenen Sprechstunde“ ab 14 Uhr gestellt werden. Der Magic-Karten-Treff steigt zudem dienstags und donnerstags ab 16 Uhr.

Der Jugendtreff mit Internet-Café findet donnerstags ab 17 Uhr sowie am Januar 2006 dienstags ab 18 Uhr statt.

Darüber hinaus werden jeweils mittwochs ab Januar 2006 ein Treff „Kinder aus aller Welt“ für Nachwuchs aus dem Asylbewerberheim Selgersdorf ab 15 Uhr und ein Hip Hop-Tanzkurs ab 17 Uhr angeboten.

Infos bei Stefanie Arndt, Tel. 02461/1325, email steffi.arndt@kgjuelich.de sowie unter www.ekir.de/juelich im Internet.


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