Koslarer Grundschüler

Mit Spieltrieb und Neugier Landestickets gelöst
Von Dorothée Schenk [07.04.2016, 07.48 Uhr]

Der absoluter Abräumer beim diesjährigen Wettbewerb „Jugend forscht – Schüler experimentieren“. 90 Teilnehmer von Schulen in Jülich, Aachen, Aldenhoven, Herzogenrath, Übach-Palenberg und Würselen reichten 50 Projekte ein – zehn Beiträge brachte alleine die GGS West ein. Zwei erste, zwei zweite und drei dritte Preise konnten sie mitnehmen. Am diesem Wochenende fahren die Erstplatzierten zum Landeswettbewerb nach Essen.

Sie sind alle Gewinner, hatte Bürgermeister Axel Fuchs bei der Preisverleihung im Jülicher Forschungszentrum gesagt.

Sie sind alle Gewinner, hatte Bürgermeister Axel Fuchs bei der Preisverleihung im Jülicher Forschungszentrum gesagt.

Wie die Profis mit dem Selbstverständnis von Dritt- und Viertklässlern erläutern die Koslarer Nachwuchswissenschaftler ihre Fragestellungen. Sie sind so einfach, wie lebensnah und prägnant: „Warum klebt Honig?“ fragten sich Friederike Schmitz und Johannes Hoensbroech (Antwort übrigens: Es kommt auf der Verhältnis von Zucker und Wasser an). Dass Wasser auch „gefährlich“ ist, erfuhren Veit Hilgers und Finn Magnus Windisch, als sie testeten, wie es mit verschiedenen Zusätzen gefriert. Den Tiefkühler als „Versuchslabor“ nutzten auch Mika Drewes und Tim Habermann. „Leuchten Knicklichter auch bei 18 Grad minus und Schneesturm?“ war ihre Fragestellung, die ihnen beim Spielen kam. In der elterlichen Gefriertruhe fanden sie heraus, dass die Knicklichter am hellsten bei Hitze scheinen – aber auch die Leuchtkraft am ehesten verbraucht ist. Die heimische Mikrowelle nutzte Malin Heuer, der untersuchte welche Stoffe sich für Wärmekissen eignen. „Das schlechteste war Porzellan“, entdeckte der Jungforscher für Erwachsene wenig überraschend.

Nicht immer nur Spielfreude auch Ärger kann zur Experiment-Idee führen: Lukas Löken war nämlich „sauer“, weil sein Vater ihn an der heimischen Tischtennisplatte immer „abzog“. Er wollte wissen, ob ihm beim „Top Spin“, also einem angeschnittenen Schlag, die Qualität des Schlägers hilfreich sein würde und sogar zum Sieg führen kann. Zusatzfrage: Ist der teurere Schläger der bessere? Dazu baute der Junge mit seinem Vater gemeinsam eine automatisierte Maschine aus einer Fahrradfelge, einem Kilometerzähler, einem Stromkreislauf und als Dokumentationsapparat, einem Handy mit Slow-Motion-Aufnahmefähigkeit. Überzeugend, fand die Jury und gab ihm dafür einen ersten Platz. Um das Ergebnis nicht vorzuenthalten: es kommt auf die Haftung der Schlägeroberfläche an und es lohnt sich, tiefer in die Tasche zu greifen. Höherpreisige Schläger sind auch die besseren.

Bastler sind Oliver Jonas und Jens Modrzynski, die ebenfalls mit Platz 1 in der Tasche mit Lukas zum Landeswettbewerb aufbrechen. Sie wollten wissen, welche Papierflieger die besten Flugeigenschaften haben. Hier zeigt sich, dass Andrea Rathmann, Lehrerin der GGS West Koslar, Leiterin der AG, Begleiterin und Motivatorin der Experimentierfreudigen, ein Grundverständnis von Forschung vermitteln kann: Die Jungen haben nicht nur durch den Bau einer „Abflugrampe“ für eine Vergleichbarkeit in den Flug-Bedingen gesorgt, sondern auch in Form und Gewicht Grundmodelle entwickelt, die die Versuchsreihe zum Erfolg führten: Doppelklappe oder Flügelklappe unten – 120 Gramm oder 18 Gramm, das macht eben einen Unterschied.

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Lukas, Oliver und Jens fahren an diesem Wochenende nach Essen und stellen ihre Projekte der Landesjury vor.

Lukas, Oliver und Jens fahren an diesem Wochenende nach Essen und stellen ihre Projekte der Landesjury vor.

Seit fünf Jahren nimmt die Schule regelmäßig am Wettbewerb teil, hat inzwischen 27 Arbeiten vorgestellt, 2013 sogar regional drei erste Plätze gewonnen und landesweit einen zweiten Preis zu verzeichnen. Was ist das Geheimnis, des Erfolgs der Koslarer Grundschule? Schulleiterin Birgit Schmidt ist voll des Lobes für Andrea Rathmann, die ihrerseits die Anerkennung an die Eltern weiterreicht. Fazit: Es ist das gelungene Zusammenspiel von Pädagogen, Schulleitung, Kindern und Eltern. Denn soviel ist auch von Neun- und Zehnjährigen zu erfahren: Ohne die Erwachsenen geht es nicht.

Die väterliche Legokiste „plünderte“ Felix Tysarzik, baute eigene Modelle, die in Form und Bereifung unterschieden wurden und fuhr mit der über eine Rampe mit der Fragestellung nach dem schnellsten Legoauto einen 2. Preis und einen Sonderpreis ein. Mit den Pferdeäpfeln der eigenen Vierbeiner düngt die Familie von Daniel Krohn ihre Nutzbeete. Was liegt näher als der Vergleich von Natur- und Kunstdünger?

Mit der Mutter stellten sich Ellen von Lewinski an den Backofen um zu testen, ob Omas Rezept oder die Backmischung überzeugender ist. Testesser waren die Jugend-Forscht-Kinder und ihre Klasse und befanden die Backmischung für besser. Weil der Vater Diabetis bekam, aber ein Schokoladenfan ist, rührte Franziska Schmitz, mit familiärer Unterstützung im Wasserbad Kakaobutter, Öl und Kakao zusammen, süßte mit Agavendicksaft und machte den Vater glücklich. „Es schmeckt, Sie können hier alle fragen“, lächelte stolz die Nachwuchsforscherin.

„Rekrutiert“ werden die Nachwuchsforscher in Klasse 3 bei der Experimentier-AG. Heiß diskutiert, so schildert es Andrea Rathmann, werden die Fragestellungen, die eingereicht werden. Natürlich gäbe es immer ein Team, das einen Roboter bauen wolle. Drei Fragestellungen, so beschreibt es Schulleiterin Birgit Schmidt, stehen im Vordergrund: „Was interessiert mich? Wie kann ich daran forschen? Warum ist das so?“ Die Beweisführung und die Dokumentation seien das anspruchsvollste der Aufgabe, sagt sie. Darum gibt sie den Kindern Gelegenheit, ihre Präsentation zu üben. Das Publikum sind alle Viertklässler, die auch kritisch nachfragen. So wird „Sicherheit“ trainiert. Nicht jeder kann einen ersten Preis machen, darauf komme es auch nicht an, sagt Rektorin Birgit Schmidt. Sie will den Kindern vielmehr mitgeben: „Ich bin gut, weil ich mich traue, mitzumachen.“ Das gelingt offensichtlich hervorragend. Daher ist es letztlich auch nicht von Bedeutung, welches Ergebnis am Samstag die Landesjury fällt. Gespannt sind alle trotzdem.

Alle "Sieger" des Jugend-Forscht-Wettbewerbs im Forschungszentrum sind auf der Website der Grundschule zu finden.


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