Gemeindesozialarbeiterin Sylvia Karger-Kämmerling

"Geburtshelferin" für viele Projekte
Von Dorothée Schenk [03.04.2016, 08.13 Uhr]

Über 40 Aufgabenbereiche beziehungsweise Projekte betreuen, Kooperation mit unzähligen Partnern pflegen und ständig in Bewegung sein. Das muss man mögen. Sylvia Karger-Kämmerling mag es schon seit fast 25 Jahren. Sie ist Gemeindesozialarbeiterin in Dürens Nordkreis mit Hauptsitz in Jülich.

Viele Facetten hat die Gemeindesozialarbeit, wie Sylvia Karger-Kämmerling einmal zusammengestellt hatte.

Viele Facetten hat die Gemeindesozialarbeit, wie Sylvia Karger-Kämmerling einmal zusammengestellt hatte.

Im Jülicher Café Contact bietet sie mit dem Haus der jungen Forscher monatlich Experimente für Flüchtlingskinder an, beim Frühstück 55+ in Körrenzig nimmt sie Platz, ebenso wie beim Familienfrühstück in Lich-Steinstraß, sie hat die Fäden in der Hand für die Caritas-Einrichtung „fairkauf“ in Jülich und nimmt an Sitzungen des Runden Tisches Flüchtlingsarbeit in Titz teil. Wie sieht für so eine Aufgabenvielfalt eigentlich eine Arbeitsplatzbeschreibung aus? Sylvia Karger-Kämmerling lacht und ihre Augen sprühen – hier wird Begeisterung sichtbar, die auch nach über zwei Jahrzehnten nicht müde geworden ist.

„Schon in der Schule war der Langlauf mein Ding, sprinten konnte ich nie gut“, sagt sie. „Ich bin eine, die sich bewusst, einen Beruf gesucht hat, bei dem sie nicht nur am Schreibtisch sitzen muss.“ Eine andere Tugend verbindet sie mit der Begabung für Ausdauersport: „Ich war schon immer geduldig und konnte es gut aushalten, dass Prozesse länger dauern.“ Ein Beispiel? „Wir haben gerade in Jülich das Projekt Hand in Hand begonnen“, erzählt die Gemeindesozialarbeiterin.

Die Idee entstand beim Workshop mit dem so genannten „großen rund sozialen Tisch“ zum Thema „verdeckte Armut“. Ehrenamtlich Engagierte aus Vereinen, die existenzsichernde Unterstützung anbieten – etwa Tafel, das Second Hand Möbelhaus des Christlichen Sozialwerks, das AsF Kleiderlädchen –, und Hauptamtliche aus den Beratungsstellen filterten mit Roman Schlag vom Caritasverband Aachen heraus, dass eine Begleitung von Menschen in besonderen Notlagen fehlte. Parallel dazu wurde auch im Sachausschuss Caritas der Pfarrei Heilig Geist dasselbe Ansinnen formuliert. Fast vier Jahre dauerte es, bis es von der Idee zur Umsetzungsreife gelangt ist.

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Den fairkauf gibt es in Jülich seit viele Jahren - wünschenswert wäre eine gleiche Einrichtung auch für Aldenhoven.

Den fairkauf gibt es in Jülich seit viele Jahren - wünschenswert wäre eine gleiche Einrichtung auch für Aldenhoven.

Mit der Diakonie, Sozialamtsleiterin Doris Vogel, Pfarrer Horst Grothe, Gemeindereferent Ralf Cober für die Pfarrei Heilig Geist, dem Freiwilligenzentrum und dem Sozialdienst katholischer Frauen machte sich Sylvia Karger-Kämmerling auf den Weg, konzeptionell unterstützt von der Dürener Kollegin Brigitte Schmitz, die mit Gemeindereferent Stefan Uerschelen bereits „Hand-in-Hand-Erfahrung“ aus der Kreisstadt zur Verfügung stellte. Heute stehen acht Ehrenamtliche zur Verfügung und haben bereits sehr schwierige persönliche Lebenssituationen begleitet. Die Erkenntnis, die Sylvia Karger-Kämmerling erschüttert, ist, „dass diese Menschen ohne dieses Angebot durchs Netz fallen.“

Der Ausschnitt aus der reichen Auswahl spiegelte wider, was die Hauptaufgabe der Gemeindesozialarbeiterin ist: Ideenentwicklung, Konzeption und Koordination der verschiedenen Akteure – und dabei den Überblick behalten. Der Gradmesser der Arbeit ist dabei stets die Erkenntnis einer „Notwendigkeit“: Wenn in Titz, Aldenhoven und Jülich die Flüchtlingsarbeit gut läuft, in Linnich aber noch Unterstützung braucht, dann ist Sylvia Karger-Kämmerling dort „Geburtshelferin“ in der Projektarbeit. Das ist vermutlich das Geheimnis des Erfolgs in der Vielfalt der Gemeindesozialarbeit: „Ich suche mir immer Verbündete, das heißt, ich trag die Arbeit gar nicht alleine.“

Wenn die Projekte „erwachsen werden“ und selbst laufen können, kann Sylvia Karger-Kämmerling gut loslassen. Gerade die Vielfalt der Möglichkeiten ohne ein festes Korsett machen den Reiz ihrer Arbeit aus. Dazu kommen die Begegnungen: „Ich habe mit ganz verschiedenen Professionen zu tun, mit Menschen, die viel Lebenserfahrungen haben. Das ermöglicht mir auch einen Perspektivwechsel.“ Auf diesem Weg entstünde Neues, weil viele beteiligt sind. „Das macht mir immer noch ganz große Freude.“ Ein zweiter wichtiger Aspekt ihrer Arbeit, der ihr schon immer gut gefallen hat: „Es wird immer an den Stärken, an den positiven Dingen angesetzt.“

Gibt es ein Wunsch-Projekt, dass sie gerne noch angehen würde, aber nie Zeit dafür hatte? Sylvia Karger-Kämmerling denkt lange nach, zuckt dann die Schultern und meint: „Ehrlich gesagt: Für solche Gedankenspiele habe ich im Augenblick gar keine Zeit.“ Und dann fällt ihr doch noch etwas ein: „Doch: Seit zwei Jahren gibt es die Idee der Initiierung eines Fairkaufs in Aldenhoven. Eine Konzeptidee mit niedrigschwelligem Ansatz, Beratungs- und Begegnungsmöglichkeiten.“ Einige Hemmnisse haben die Umsetzung bis jetzt verhindert, obwohl auch hier Verbündete gerne mitgestalten wollen. „Die Idee halte ich nach wie vor für gut und wünsche mir, dass wir sie in Aldenhoven umsetzen können.“


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