Gesprächsrunde am 16. März

"Dolchstoß" für Kirchberger Bürgerhalle?
Von Dorothée Schenk [13.03.2016, 14.21 Uhr]

Das Ergebnis der Brandschau war eindeutig: Die Bürgerhalle Kirchberg muss geschlossen werden. Das steht bereits seit 15. Dezember fest. Da die Nachricht für Unmut vor Ort gesorgt hatte, fand unter „Verschiedenes“ ein reger Meinungsaustausch im Planungs-, Umwelt-, Bauauschuss statt – obwohl Kirchbergs Ortsvorsteher Helmuth Kieven erklärte, dass es für eine Diskussion zu früh sei. Es gäbe Beratungsbedarf.

Hinter dem Bauzaun: Der Zugang zur Bürgerhalle in Kirchberg.

Hinter dem Bauzaun: Der Zugang zur Bürgerhalle in Kirchberg.

Zu diesem Zeitpunkt waren bereits drei Veranstaltungen fest gebucht. Bürgermeister Axel Fuchs hatte frühzeitig im Sinne der Vereine entschieden, wie Martin Schulz als erster Beigeordneter im jüngsten Bauausschuss berichtete: Ausnahmen zur Nutzung sind für die bereits terminierten Feste – Mundartabend, Maifest, Schützenfest – genehmigt – auf eigene Verantwortung, wie er betonte. Weiteren Wünschen nach Veranstaltungen hat die Stadtverwaltung allerdings eine klare Absage erteilt.

Ausweichmöglichkeit, so erklärte Schulz, böte die Bürgerhalle in Bourheim. Man wolle von der Verwaltung aus die Vereine nicht alleine lassen. Bürgermeister Fuchs wird am Mittwoch, 16. März, nach Kirchberg in die Alte Schule kommen, um dort ab 18 Uhr mit den Vereinen und Institutionen sowie allen Interessierten ins Gespräch zu kommen.

„Die Fakten liegen seit Jahren auf dem Tisch“, kritisierte Ralph Pallaß von der JÜL im Ausschuss und monierte, dass in Sitzungsprotokollen 2011 bereits vermerkt sei, dass man auf die Ortsvereine zugehen wolle. Seither sei nichts passiert. Nachweislich hat es 2014 die Übergabe von über 730 Unterschriften an Bürgermeister Heinrich Stommel gegeben. Die Freiwillige Feuerwehr sei aus allen Wolken gefallen.

Überrascht worden, räumte Martin Schulz ein, wäre die Verwaltung auch. Allerdings widersprach er dem Vorwurf, dass man das Gespräch nicht gesucht hätte: Man hätte sich in der Vergangenheit immer bemüht. Die Toiletten seien saniert worden und ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung, der in Kirchberg wohne, wäre sogar bei Schnee immer an der Bürgerhalle vorbei gefahren, um die Höhe zu messen. Es galt, die Schneelast auf dem Dach zu prüfen. Mit einem Baustromanschluss hätte man die Heizung provisorisch betrieben. Bei den Gesprächen über die Ertüchtigung des Schießstandes der Schützen wäre er davon ausgegangen, dass hier ein größerer Versammlungsort entstehen könne, der die Bürgerhalle ablösen könnte. Das Ergebnis der Brandschau bezeichnete Schulz als „Dolchstoß“.

Ortvorsteher und CDU-Ausschussmitglied Kieven legte den Finger in die Wunde: Die Probleme seien lange bekannt gewesen, aber man habe sie nicht angepackt. Er fragte, welche Bedingungen erfüllt werden müssten, um mittelfristig bis zum Herbst die Halle wieder zu öffnen. „Welche Investitionen wollen wir tätigen, welches sind die Alternativen?“ Beim Ergebnis der Bürgerhallenkommission fehlte Kieven die „Substanz“. Ausgeklammert worden sei die Bedeutung der Bürgerhalle für den Ort. Diese Diskussion müsse endlich geführt werden.
Dem widersprach Ausschussvorsitzender Heinz Frey, der Mitglied der Bürgerhallenkommission war. Bewusst sei dieser nicht messbare Punkt ausgeklammert worden, wohlwissend welche Bedeutung die Versammlungsorte für die Dorfgemeinschaften haben. Martina
Gruben (SPD) betonte, dass nicht die Kommission, sondern die Brandschau die Schließung veranlasst habe.

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Der Lindenhof wird seit über fünf Jahren nicht mehr bewirtschaftet.

Der Lindenhof wird seit über fünf Jahren nicht mehr bewirtschaftet.

Zu den Hintergründen:

Neu ist die Erkenntnis nicht um die marode bauliche Situation und damit verbundene vage Zukunft der Bürgerhalle. Spätestens seit dem Bericht im November 2015, den die Bürgerhallenkommission nach zwei Jahren Recherchearbeit vorgelegt hatte, hätte den Kirchbergern klar sein müssen, dass Handlungsbedarf besteht. Von den 16 Hallen kommt in der Gesamtwertung die Kirchberger auf Platz 14. Ermittelt wurde er anhand von fünf Kriterien, die Betriebskosten, Auslastung und Sanierungskosten betreffen. Zwar schneidet das Kirchberger Mehrzweckgebäude bei den Kriterien Stromverbrauch als bestes ab, dafür kommt sie bei der Auslastung und bei einem zu erwartenden Sanierungsvolumen von 322.000 Euro in den nächsten fünf Jahren gerade einmal auf Rang 15. In den Sanierungskosten übrigens übertroffen nur noch von den anzunehmenden Baukosten der Jülicher Stadthalle.

2011 wurde die Gastronomie „Lindenhof“ aufgegeben. Seither ist die Nutzung der Halle kostenpflichtig. Schon vor fünf Jahren war in der Lokalpresse nachzulesen: „Diese Gebäude sind und bleiben für die Stadt ein Zuschussgeschäft. Trotz dieser Mieterhöhungen buttert die Kommune immer noch Beträge in sechsstelliger Höhe dazu: rund 400.000 Euro bei den Bürgerhallen.“ Die Sanierungskosten sind hier noch nicht berücksichtigt.

2012 bereits erfuhren die Ausschussmitglieder im Sachstand Kostenrechnung zu den Bürgerhallen: „Insgesamt bleibt jedoch im Hinblick auf den Haushalt 2013 – 2023 festzustellen, dass dauerhaft das hohe Defizit bei den Hallen nicht alleine durch Kostenreduzierungen und steigende Hallenmieten zu bewältigen sein wird, sondern auch über Hallenschließungen nachzudenken ist.“

Auch in der Dorfwerkstatt 2014 in Kirchberg ist die Bürgerhalle Thema gewesen. In der Dokumentation ist nachzulesen, dass „in Kirchberg seitens vieler Bürger der Willen und auch das Engagement besteht, die Bürgerhalle – soweit möglich – auch in Eigenleistung herzurichten. Größere bauliche Maßnahmen müssen seitens der Stadt Jülich durchgeführt werden.“ Problem bei den Eigenleistungen, so bestätigte Martin Schulz auf Nachfrage, ist die Gewährleistung. Eine Antwort auf die Nachfrage an Ortsvorsteher Kieven und Ralf Pallaß, welche (realistischen) Maßnahmen ihnen vorschweben würden, um eine Wiedereröffnung der Halle möglich zu machen, steht noch aus. Ebenso, wer die Mittel aufbringen könnte, wenn die Kirchberger, wie ebenfalls in der Dorfwerkstatt überlegt, die Halle von der Stadt ankaufen würden.

Denkbar wäre, so erklärte Axel Fuchs auf Nachfrage, die Übernahme der Halle in einer Trägerschaft - ähnlich wie beim Kulturbahnhof. Hier sei aber eine rechtliche Prüfung noch nicht erfolgt. Ein Verkauf der Halle ist für die Stadt nach seiner Aussage keine Option.


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