Erweiterung zur Gesamtschule

Sekundarschul-Eltern wollen G9
Von Dorothée Schenk [20.09.2015, 16.37 Uhr]

Volles Haus in der Sekundarschule, als die Erweiterungspläne zur Gesamtschule vorgestellt wurden.

Volles Haus in der Sekundarschule, als die Erweiterungspläne zur Gesamtschule vorgestellt wurden.

Bislang gilt die Sekundarschule als Gesamtschule ohne Oberstufe – jetzt soll nach dem Votum der Eltern die Möglichkeit gegeben werden, an "ihrer Schule" das Abitur zu machen. Dazu muss die Sekundarschule zur Gesamtschule umgewandelt werden. "Wir möchten niemandem etwas wegnehmen", betonte Schulfpflegschaftsmitglied Arwin Teschers, "wir möchten in diesem Lernkonzept eine Oberstufe ermöglichen."

Vorausgegangen war ein Informationsabend, bei dem der Elternwunsch abfragt wurde – durch die Schulpflegschaft, "nicht durch die Schulleitung", wie Arwin Teschers betonte. 97 Prozent, so heißt es, hätten sich für die Erweiterung der Sekundarschule zur Gesamtschule ausgesprochen. Die Zustimmung in Schulpflegschaft und Schulkonferenz waren damit nur eine Formalität. Auch das Kollegium, teilte Schulleiterin Angelika Lafos mit, hat sich diesem Votum angeschlossen. Damit ist der Weg frei für einen Antrag im Schulausschuss der Stadt Jülich, der zum nächsten Mal am 5. November tagt.

"Warum denn nicht?" lautet der Titel einer Folie, die den Eltern der Sekundarschule beim Informationsabend von Schulpflegschafts-Vize Michael Braun vorgestellt wurde. In der Qualitätsanalyse habe die Schule besonders gut abgeschnitten. Viele Wortmeldungen von Eltern dokumentierten die Erfolge ihrer Kinder durch den neuen Unterrichtsstil, der sich im pädagogischen Konzept sehr von der konventionellen Methode unterscheidet. Hier ist der Ansatz der Schulpflegschaftsvertreter: Von der fünften bis zur 13. Klasse, also als G9-Konzept wie die Gesamtschule, sollen die Kinder in diese "Schule aus einem Guss" gehen können.

Vor drei Jahren war die Sekundarschule mit unerwartet hoher Anmeldezahl gestartet: Statt der 75 benötigten kamen 125 Schülerinnen und Schüler. Seither ist die Zahl stetig gewachsen, wie den Eltern anschaulich vor Augen als "Modellbaukasten" geführt wurde. 600 Kinder besuchen derzeit 23 Klassen der Jahrgangsstufen 5 bis 8. Kooperationsverträge sichern den Absolventen nach Klasse 10 die Aufnahme in die Oberstufe des Gymnasiums Zitadelle und des Berufskollegs Jülich. Natürlich sind Wechsel an die übrigen weiterführenden Schulen auch möglich, der ausdrückliche Vertrag bezieht sich aber auf diese beiden Schulen.

Durchaus nicht ohne Kritik blieb an diesem Abend das Ansinnen zur Gesamtschul-Erweiterung. Bewusst, so erklärten Eltern, hätten sie ihr Kind nicht an einer Gesamtschule, sondern an der Sekundarschule angemeldet mit der Option, das Abitur am Gymnasium zu machen. Bedenken kamen zum Ausdruck, dass nun der Leistungsdruck und die Erwartungen an die Schüler wachsen würden, vor dem Hintergrund einer "Abiturienten-Quote" an Gesamtschulen. Zur Qualifikation müssen die Schüler bestimmte "E" beziehungsweise "G"-Kurse absolvieren.

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Dem widersprach das Schulleitungsteam Angelika Lafos und Volker Achenbach. Die Vorgaben entsprächen jetzt schon denen der Gesamtschule und "wir müssen jetzt schon gymnasiale Standards vorhalten". Darum sei die Sekundarschule bereits jetzt mit den notwendigen Lehrer der Qualifikation "Sek II" besetzt. Es solle nichts an den Lernbedingungen geändert werden. Außerdem, so Achenbach, würden nicht alle Kinder in die Oberstufe gehen und selbstverständlich würden sie weiterhin für die Berufsausbildung vorbereitet. Von rund 45 Kindern, die letztlich auf der erweiterten Sekundarschule den Weg zum Abitur einschlagen würden, war die Rede. "Das würde eine kleine schlanke Oberstufe", formulierte es Schulleiterin Lafos.

Eine Beschränkung in der Differenzierung, also der Vielfalt der Leistungskurse, in der Oberstufe wurde ebenfalls kritisch angemerkt. Selbst wenn man eine Kooperation mit dem Gymnasium Zitadelle voraussetzen würde, wäre doch das Modell "Physik Leistungskurs Sekundarschule - Deutsch Frontalunterricht am Gymnasium sperrig". Ein anderer Vater äußerte die Erwartung, dass die Sekundarschule sein Kind auch "fit macht fürs Gymnasium und das Studium", das anderen Lernsystemen folge. "Dann stellt sich die Frage, warum ich mich hier mit so einem System belaste", erwiderte Michael Braun und erhielt Szenenapplaus. Zustimmung erhielt er auch für die Aussage, dass viele Kinder an der Sekundarschule glücklicher seien als am Gymnasium. 40 Kinder hätten in der Orientierungsstufe an die Sekundarschule gewechselt und würden auch nicht mehr zurückgehen wollen. "Eltern haben mir gesagt: Endlich habe ich mein Kind wieder", berichtet Braun.

Die Umwandlung der Sekundarschule in eine Gesamtschule entscheidet aber nicht der Elternwille. Dieser war nötig, um das weitere Verfahren in Gang zu bringen: Das erste Wort haben jetzt nämlich die gewählten politischen Vertreter der Stadt Jülich auf Grundlage einer Vorlage, die jetzt von der Verwaltung im Dezernat von Katarina Esser erstellt wird.

Wenn die politischen Vertreter im Ausschuss in dieser Sitzung die Verwaltung nicht mit einer Prüfung zur Erweiterung der Sekundarschule beauftragen, ist hier der Elternwille am Ende. Bei einer Zustimmung durch den Ausschuss wird bis zur Ratssitzung am 3. Dezember die Prüfung erfolgen und eine neue Beschlussvorlage erarbeitet. Sollte der Rat dem Ansinnen in dieser Sitzung zustimmen hat das letzte Wort die Bezirksregierung Köln. Die Frist, eine Jülicher Gesamtschule für das kommende Schuljahr 2016/17 zu installieren, läuft im Dezember ab.

Lesen Sie hierzu das Brenzlicht Mangelhaft


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