Biergeflüster mit Landrat Wolfgang Spelthahn

„Jülich wird sein Kreishaus zurückgegeben“
Von Dorothée Schenk [17.08.2015, 23.49 Uhr]

Landrat Spelthahn sein Konzept die Kreishaus-Filiale in Jülich vor.

Landrat Spelthahn sein Konzept die Kreishaus-Filiale in Jülich vor.

„Es ist nicht gelungen, den Altkreis Jülich in die neuen Strukturen zu überführen.“ Handwerkliche Fehler seien bei der kommunalen Neugliederung 1972 gemacht worden. Das sagte Landrat Wolfgang Spelthahn beim „Biergeflüster“ auf Einladung der CDU im Alten Rathaus am Marktplatz, dem Standort des neuen „kleinen Kreishauses“. Jülich und der Nordkreis hätten vor 43 Jahren das Gefühl gehabt, die Verlierer zu sein. In Erinnerung rief der Landrat den großen Protest-Fackelzug „Mein Kreis bleibt Jülich“, für viele sei bis heute die Autohahn eine unüberwindliche Grenze. „Das kann man bejammern, oder aber die Identität zurück gewinnen.“ Final meinte der Landrat markig: „Jülich wird sein Kreishaus zurückgegeben.“

Gelingen soll das durch die Installation des „kleinen“ Kreishauses am Markt und Jülich als neues Verwaltungszentrum Düren-Nord. Wolfgang Hommel, Vorsitzender des Vereins Stadtmarketing Jülich, regte an, künftig lieber vom Kreishaus Nordkreis zu sprechen, um die Institution nicht „klein“ zu reden. Der Landrat, so war es zu hören, plant ohnehin großes für die zweitgrößte Stadt im Kreisgebiet: Rund 120 Menschen werden demnach ab 2017 im historischen Bau beschäftigt sein in der Jobcom, die derzeit schon hier untergebracht ist, dem Jugendamt, das dann von der Galerie Juliacum hierhin umzieht, im Ausländeramt, dem Gesundheitsamt und der KFZ-Zulassungsstelle.

Mehrere hundert Menschen, prognostiziert Spelthahn, würden dann täglich im Kreishaus aus- und eingehen. Auf Nachfrage von Dr. Eva Waldvogel, stellvertretende Ortsverbandsvorsitzende der CDU, sagte der Landrat außerdem zu, dass sie mit der Hochzeitskutsche vorfahren kann. Sie wollte nämlich wissen, ob künftig in diesem Haus wieder Trauungen möglich sein würden und verriet damit auf charmante Weise private Zukunftspläne. Darüber hinaus sollen auch wieder Veranstaltungen im alten Sitzungssaal stattfinden können, der pünktlich zum „Biergeflüster“ in alten Glanz erstrahlte – inklusive des Blumenschmucks vor den Fenstern.

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Ab 2017 sollen in Jülich rund 120 Kreismitarbeiter ihren Arbeitsplatz haben.

Ab 2017 sollen in Jülich rund 120 Kreismitarbeiter ihren Arbeitsplatz haben.

„Wie gelingt das Raumwunder?“ stellte der Landrat eine entscheidende Frage in den Raum. An das denkmalgeschützte alte Rathaus soll ein Neubau angedockt werden. Der notarielle Vorvertrag für den Kauf des Eckgrundstücks Düsseldorfer-/ Kapuzinerstraße ist geschlossen, Alt-Jülichern bekannt als „Stüssgen-Grundstück“. Ein Architekt beschäftigt sich derzeit mit Plänen – mindestens zwei Varianten – für eine „sinnhafte Verbindung“ beider Gebäude. Auch die Kaufleute, die noch Mietverträge in der Rathauspassage haben, werden Lösungen angeboten, versprach Landrat Spelthahn.

Um Verständnis bat er, dass er zu diesem Zeitpunkt noch keine konkreten Bauzeichnungen zeigen könne. Das sei erst einmal exklusiv der Stadtverwaltung und den Fraktionen vorbehalten. Soviel verriet Spelthahn aber, dass es ein gastliches Gebäude werden solle, das ein eigenes Café beherbergen soll. Bei gutem Wetter ist auch eine Außengastronomie vorgesehen, die zur Belebung des Marktplatzes beitragen soll. Eine Befahrbarkeit des Marktplatzes schloss Spelthahn auf Nachfrage aus. Ein weiteres wichtiges Stichwort war die Innenstadtbelebung. Mit den zusätzlichen Besuchern kämen auch mehr Kunden in die Fußgängerzone. So benannte „Bewegungsachsen“ sollen als direkte Verbindung zu der Flaniermeile Kölnstraße durch den Neubau führen.

Wie gleichzeitig der denkmalgeschützte Bau in Form und Wesen erhalten bleibt, wie der Landrat betonte, werden die Jülicher in Kürze erfahren. Bereits im September verspricht Wolfgang Spelthahn eine Bürgerbeteiligung, bei der anhand von einem Modell die Planung nachvollziehbar sein soll. Anregungen der Bürgerschaft verspricht der Landrat zu berücksichtigen. Das Ziel ist ein Baubeginn im kommenden Frühjahr, der Einzug bis zum Jahresende 2016 und das vollständige Angebote zum Jahresanfang 2017. Allgemein begrüßt wurden diese Neuigkeiten von den Anwesenden – mit einer Einschränkung: Die Umsetzung solle kostenneutral vollzogen werden und keineswegs durch die Erhöhung der Kreisumlage.


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