Einblicke in den Kirchenschatz von St. Martinus Stetternich

Vom Holzkreuz bis zum Goldkelch
Von Dorothée Schenk [16.07.2015, 07.30 Uhr]

Jede Kirche hat ihre Schatzkammer, allein "Die im Dunkeln sieht man nicht…", wie schon Berthold Brecht schrieb. Propst Josef Wolff hatte im März-Pfarrbrief seine Gemeindemitglieder darauf hingewiesen, dass auch im Jülicher Land die Ortskirchen eine lange Tradition haben, "aus der sich (zumindest ideell) wertvolle Zeitzeugen erhalten haben" Er regt an, sie neu zu präsentieren und für die Öffentlichkeit, wie Schulklassen und interessierte Gruppen zugänglich zu machen. "Was auch noch fehlt, ist eine geeignete Räumlichkeit; vielleicht ein Seitenschiff einer Kirche?" und Mitstreiter, die bei der Umsetzung einer solchen „Schatzkammer“ helfen würden. Einer von der großen Helfern im Jülicher Land ist Dr. Harald Goder. Für uns hat er einmal die Tresore von St. Martinus Stetternich geöffnet und eindrucksvolle Beispiele gezeigt.

Inschriften verraten Dr. Goder oft die Geheimnisse seines Inventars.

Inschriften verraten Dr. Goder oft die Geheimnisse seines Inventars.

Ein sehr eigenes Lieblingsstück muss Dr. Goder, seit über 30 Jahren in Personalunion als Sekretär und Archivar für St. Martinus im Dienst, nicht aus der „Schatzkammer“ holen: Es ist ein altes Vortragekreuz aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, das die Stetternicher zur Prozession nutzen. Im „Ruhestand“ hat es einen Ehrenplatz an der Wand des Pfarrbüros und Holzkreuz wie Korpus sieht seine Dienstzeit gut an.

Ähnlich ist es mit dem Kölner Messbuch vom Anfang des 17. Jahrhunderts mit einer Widmung von Erzbischof Ferdinand. Hier atmet der ehrfuchtsvolle Betrachter den Hauch längstvergangener Tage: Ohne schmückenden Einband lässt sich erst im Aufblättern der Wert erkennen: Detailreiche, schöne Initialen schmücken dieses älteste Stück aus dem Schatz St. Martinus’. Fast pompös kommt dagegen das ledergebundene Gegenstück daher, das nach lateinischer Widmung am 14. Juni anno 1826 Clemens August Freiherr von Wenge aus Wenge zur Hochzeit geschenkt wurde. Wappenbeschläge des schenkenden, Dompkapitulars Levin von Wenge, schmücken den vorderen Einband; auf der Rückseite ist das Wappen der Ehefrau aus der Familie von Eynatten angebracht.

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Die Kreuzreliquie wird wieder am 14. September in Stetternich zu sehen sein.

Die Kreuzreliquie wird wieder am 14. September in Stetternich zu sehen sein.

Fast ins Schwärmen gerät Dr. Goder und blättert, bis er „die schönste Seite“ findet: Das Blatt mit der großen Kreuzigungsszene als Auftakt zum Hochgebet. Auch wenn das „Wort“ von großer Bedeutung ist, finden sich natürlich nicht nur Bücher in den Tresoren von St. Martinus
Kelche, „mehr als wir gebrauchen“, Hostienschalen und Leuchter zaubert Dr. Goder aus seinen Schatzkammern. Darunter der Kelch aus dem Jahr 1881, den die Stetternicher Zivilgemeinde Friedrich Külpmann zum 25jährigen Priesterjubiläum schenkte, wie eine Inschrift bezeugt. Ihn hebt der Priester bis heute immer, wenn Messe in St. Martinus gefeiert wird.
Jährlich für alle Gläubigen sichtbar ist auch das Reliquiar von 1924, das zum Fest der Kreuzerhöhung am 14. September ausgestellt wird. Die vier evangelistischen Symboltiere rahmen die Kreuzreliquie ein.

Übrigens bereits die zweite, die St. Martinus beherbergt: Die ursprüngliche Reliquie, ein Geschenk vom Mitte des 19. Jahrhunderts, war gestohlen worden und der damalige Pfarrer hat sich mit Erfolg um eine neue Reliquie und „Zeigefäß“ bemüht.
Nach dem Umfang der Inventarliste der Schätze von St. Martinus befragt, klärt Archivar Dr.Goder auf: „Sie umfasst alles von der Orgelbank über die Beetstühle und Schellen bis zu den Glocken – da kommt man schnell auf weit über 300 Gegenstände.“ Nach der Fusion sind sie rein rechtlich in der Besitz der Großpfarre Heilig Geist Jülich übergegangen, aber: „Es ist pastorale Klugheit, den Schatz in der Kirche zu lassen.“


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