FDP unterstützt Axel Fuchs als Bürgermeister-Kandidaten

Nur einer kam durch
Von Dorothée Schenk [21.06.2015, 23.50 Uhr]

Nach 22 Jahren ist der Wechsel im Jülicher Rathaus sicher: Heinrich Stommel hat sich zum Rückzug entschieden. Der Amtsinhaber wird am 13. September bei der Bürgermeisterwahl nicht mehr auf dem Stimmzettel stehen. Mangel an Kandidaten haben die Jülicher dennoch nicht: Fünf Bewerber stehen bereits fest. Sie hatte die FDP Jülich auf einem Sonderparteitag zum „Sondierungsgespräch“ geladen.

Heinz Frey stellte sich als erster Kandidat den Liberalen vor.

Heinz Frey stellte sich als erster Kandidat den Liberalen vor.

Im Vorfeld abgesagt hatte Sven Reichert, der unabhängige Bewerber. Der 26-jährige Parteilose begründete gegenüber FDP-Parteivorsitzendem Wolfgang Steufmehl seine Entscheidung schriftlich damit, dass er keine Unterstützung von Jülicher Politikern wolle, um sich keiner Fraktion verpflichtet und dankbar fühlen zu müssen. Er dankte für die Einladung und wünschte gute Beratungen. So verlas es Steufmehl nach der Begrüßung der anwesenden Mitglieder.

In alphabetischer Reihenfolge kamen dann nacheinander Heinz Frey (JÜL), Axel Fuchs (parteilos), Jürgen Laufs (Bündnis 90/Grüne) und Frank Peter Ullrich (SPD, Kandidat CDU / SPD) in die Vorstellungsrunde. Ein ungewöhnliches Format gewählt hatte die FDP dazu: Per Video wurden die Kandidaten sowohl bei ihrer fünfminütigen Präsentation als auch bei der Fragerunde, in der alle Bewerber 10 Punkte zu beantworten hatten, aufgenommen.

Viele Gemeinsamkeiten waren zu erkennen, denn wie FDP-Mitglied Jordis Fink feststellte: „Wir dürfen davon ausgehen, dass alle das Beste für Jülich wollen.“ Handlungsbedarf sehen etwa alle Bewerber in der Verwaltung - sowohl was die Mitarbeiter als auch die Arbeit betrifft – sowie in der Zusammenarbeit mit der Politik. Natürlich ist die Haushaltslage ebenso unstrittig wichtiges Thema und damit verbunden die Stadt- und Standortentwicklung Jülichs. Beklagt wurde einmütig das, was Axel Fuchs mit „Dreckbrennpunkten“ bezeichnete. „Sie kippen doch auch nicht Abfall in ihren Vorgarten, wenn Sie Gäste empfangen wollen“, formulierte es drastisch Frank Peter Ullrich.

Als gut bekannter stellte sich Heinz Frey vor, der auf eine 22-jährige Ratsmitgliedschaft – zuerst als SPD-Mitglied, später als Mitbegründer der Unabhängigen Wählergemeinschaft JÜL – zurückblickt. Seine Motivation, Politik zu machen, begründete er damit, dass er etwas bewegen wolle. Angesicht der derzeitigen Situation Jülichs habe die JÜL sich entschieden, einen eigenen Kandidaten zu benennen und Verantwortung zu übernehmen. „Die will ich ausüben“ Inzwischen ist der 60jährige selbständige Unternehmer, der nach eigener Angabe sein Gymnasial-Lehramts- und Architekturstudium als Fabrikarbeiter in Koslar verdient habe, bundesweit mit seiner „DORV-Idee“ unterwegs. „Dörfer sind für mich ein Heimspiel“, erklärte Frey selbstbewusst. Bürgerengagement ist sein Credo und daher gefällt ihm an Jülich nicht, dass vieles „kaputt diskutiert“ werde, die Negativstimmung und die Entscheidungslosigkeit.

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„Axel Fuchs kennt die Jülicher und weiß wovon er spricht“ - war mit absoluter Mehrheit der Eindruck der FDP nach der Vorstellung des Parteilosen.

„Axel Fuchs kennt die Jülicher und weiß wovon er spricht“ - war mit absoluter Mehrheit der Eindruck der FDP nach der Vorstellung des Parteilosen.

Erste Wahlkampf-Erfahrungen hat der Parteilose Axel Fuchs bei der Kommunalwahl 2014 gemacht, als er im Nordviertel – in dem die Familie nun in vierter Generation lebt – den FDP-Kandidaten deutlich hinter sich ließ. Steuer ist das große Thema des 47-Jährigen, der in der Kölner Steuerfahndung an der Untersuchung der Luxemburg-Fälle beteiligt war, neben einem Studium „Steuerrecht“ auch eine IT-Ausbildung absolvierte sowie, und heute im Finanzamt Düren tätig ist, wo er Personalratsvorsitzender ist. Überzeugend darstellen konnte Axel Fuchs, dass er „Jülich lebe und liebe“ und er dafür einstehen werde, dass „eine gute Idee eine gute Idee bleibt, egal war sie entwickelt hat“. Für wichtig hält Fuchs, dass die Dörfer ernst genommen würden. „Der Mikrokosmos Dorf muss gepflegt werden“, denn sie stünden für wichtige Werte und Traditionen in der Gesellschaft. Allerdings müsste auch dort das Verständnis wachsen: „Wenn es Jülich gut geht, geht es den Dörfern auch gut.“

Jürgen Laufs bekannte sich gleich als „Nicht-Muttkraat“, sondern als Wahl-Jülicher. Als Einjähriger zog der heute 46-Jährige mit seiner Familie nach Jülich und ist – obwohl er beruflich in Düsseldorf bei ITK in der Beratung für Kommunen und für IT-Sicherheit tätig ist – der Stadt treu geblieben. Hier ist Laufs seit 1998 als Mitglied der Grünen politisch aktiv, für die er 2004 den Fraktionsvorsitz übernahm. In diesem Jahr stellte er sich erstmals als Bürgermeister zur Wahl, unterlag, kandidierte 2009 ein zweites Mal und tritt nun ein drittes Mal an. Das Studium der Energietechnik an der Jülicher FH schloss Laufs nicht ab, da er sich zwei Jahre als alleinerziehender Vater um seinen Sohn kümmerte. Jahre, die ihn geprägt hätte. Als gute Erfahrung bezeichnete der Grüne die zwei Jahre der so genannten „Jameika“-Koalition, in der seine Partei mit der FDP und CDU Jülichs Geschicke lenkte. Inhaltlich gebe es sicher noch Abstimmungsbedarf.

Mit 26 Jahren als Bundesbeamter und ab dem 26. Lebensjahr in Führungsverantwortung präsentierte sich Frank Peter Ullrich als Mann aus der Region, für den 17 Fahrminuten zwischen Jülich und Arnoldsweiler kein Problem seien. Beschäftigt im Bundesrechnungshof in Bonn und mit Erfahrungen in Optimierung von Prozessen und Umstrukturierungen empfindet Ullrich das Bürgermeisteramt als einen der „spannenden Jobs“, vielfältig und verantwortungsvoll und nah an den Ergebnissen, „die wir auf den Weg gebracht haben“ gemäß seines Mottos „Gemeinsam für Jülich“. Als einziger Kandidat habe er Ziele benannt und wie er sie umsetzen wolle und könne als einziger Mehrheiten bilden. Zum Umgang mit den Dörfern meinte Ullrich: „Es gibt nur ein Jülich“. Da die Finanzierung der Stadt von allen getragen wird, müsse man gemeinsam die Stadtentwicklung betreiben. Vor allem die „zwei weiteren Stadtteile“, FH und Forschungszentrum, müssten berücksichtig werden. Einen Umzug mit seiner Familie nach Jülich schloss er auf Nachfrage aus wirtschaftlichen Gründen aus. „Ich weiß ja nicht, wie lange Sie mich ertragen“, sagt er schmunzelnd.

Nach anderthalb Stunden waren alle Kandidaten verabschiedet und die FDP-Mitglieder zogen sich zur Beratung zurück. Nach sachlicher Diskussion, wie die Partei mitteilte, konnte sich in geheimer Wahl Axel Fuchs durchsetzen. Frank Peter Ullrich habe seine Nähe zu Jülich nicht darstellen können und erschien trotz Kompetenzen „als nicht geeignet für die sehr speziellen Jülicher Belange“. Jetzt will die Partei den Parteilosen unterstützen, weil er – wie es in der Pressemitteilung heißt – „die Sache mit Fachwissen und Herzblut angehen wird“ und „Axel Fuchs kennt die Jülicher und weiß wovon er spricht“.

Als sechster Kandidat will Michael Lingnau, Anwalt und Vorsitzender des Fußball-Vereins SC Jülich 1910/97, seinen Hut zur Bürgermeisterwahl in den Ring werfen. Nach eigener Aussage hat er die (und mehr als die) notwendigen 200 Unterstützer-Stimmen beisammen. Da Lingnau seine Stimmen noch nicht eingereicht hat, gilt er offiziell und rechtlich noch nicht als Wettbewerber und konnte nicht zur Vorstellungsrunde eingeladen werden.


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