Kunsthanderkerinnen-Markt

Hut ab vor Handarbeit
Von Gisa Stein [11.06.2015, 09.36 Uhr]

Eigentlich hat sie es schon immer gewusst: In ihr steckt eine Hutmacherin steckt. Marta Daniela Haag-Masters, in Brasilien in vierter Generation einer deutschen Auswandererfamilie geboren, ist eine der Exotinnen auf dem Jülicher Kunsthandwerkerinnen-Markt. Ab morgen, 14. Juni, wird sie wieder zwei Tage lang dabei sein, wenn zum 22. Mal auf dem Schlossplatz 250 Frauen zeigen, was sie kreativ können.

Sie behütet aus Leidenschaft: Marta Daniela Haag-Masters

Sie behütet aus Leidenschaft: Marta Daniela Haag-Masters

Als Marta Daniela Haag-Masters ihrem Vater in Brasilien von ihrem Hutmacherinnen-Traum erzählte, wunderte es diesen überhaupt nicht, sondern er offenbarte seiner Tochter ein bis dahin nicht erwähntes Detail aus der Familienchronik: seine eigene Großmutter war bereits in Brasilien Hutmacherin. „Das wusste ich gar nicht, weil ich sie nicht mehr kennengelernt habe, aber es war mir auf einmal alles klar. Schon immer haben mich Hüte fasziniert. Ich habe sie gern getragen, ihnen selber mit tollen Accessoires eine persönliche Note gegeben und Hutmacher-Workshops besucht. Das hat mir aber alles nicht gereicht. Was ich dort lernen sollte, konnte ich alles schon“, so die engagierte Kunsthandwerkerin, die in ihrem „Atelier für Haupt-Sachen“ in Vettweiß inmitten von zahlreichen Hüten und Federn, Schleifen und Blüten, Tüll und Filz, Holzmodellen, Näh- und Dampfmaschine sowie Nagelkissen ihren Platz gefunden hat, an dem sie ihre Kreativität ausleben und genießen kann.

Dem Ausbildungsalter einer klassischen Lehre bereits entwachsen, entschloss sie sich also zu einem Crash-Kurs im Land der Hüte, zu einem speziellen Ausbildungsseminar bei einer Modistin in England – wochenlanger intensiver Einzelunterricht von Künstlerin zur Künstlerin. Natürlich gehört auch der Besuch des Pferderennens im englischen Ascot zu ihrem Erfahrungsschatz: Eintauchen in die Welt der Hüte, sich inspirieren lassen und mit einer ausgefallenen Kreation auf dem eigenen Kopf inmitten ausschließlich verrückt gestalteter Unikate irgendwie unauffällig sein. Ihr Fazit: bei Hüten gibt es keine Hemmungsgrenzen, nichts kann Kreativität stoppen. Und dass diese Handarbeit zwar mühevoll, aber wie für sie geschaffen ist, zeigt ihr die Tatsache, dass ihr beim Hutmachen tatsächlich jedes Zeitgefühl abhandenkommt.

Erfreut registriert sie, dass mittlerweile in Deutschland eine „Hut-Welle“ ausgebrochen ist – und das nicht nur bei Hochzeiten, Schützenfesten oder Sonntagsspaziergängen, sondern auch im Alltag. Nicht, dass ihre Modelle für den Alltag gemacht sind, aber die Bereitschaft, sich eine ihrer besonderen Kreationen zuzulegen steigt natürlich mit dem Selbstverständnis einer Kopfbedeckung als Schmuck. Dabei verwendet sie nur hochwertige Materialien, unter die sich auch schon mal Fasern von Bananenstauden, Kaninchen-, Biber- oder Hasenhaar mischen. Die Applikationen – meist kunstvolle Gebilde aus Federn und Blüten – stammen selbstverständlich ebenfalls aus der Hand der Hutmacherin – erlernt in einem Spezialkurs in Spanien, wo das Tragen von Hüten als „Statussymbol“ kunstvoll zelebriert wird.

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So entstehen in ihrem Atelier in Vettweiß tatsächlich immer wieder Unikate. Allein die Auswahl der Holzmodelle der Hutformen ist groß und variabel – vom kleinen „Faszinator“ in Untertassengröße bis zum „Wagenrad“ mit überbordender Krempe. Über diese Holzformen werden zunächst mittels Dampf die unterschiedlichsten Stoffe in vielen Farben gepresst und nach zahlreichen weiteren Handgriffen letztlich mit Accessoires bestückt – den Wünschen der Kunden und der Kreativität der Hutmacherin sind dabei kaum Grenzen gesetzt.

Natürlich kann sie „Hutgesichter“ erkennen und einschätzen, welches Modell oder Farbe zu wem passt. Immer wieder sind Kundinnen fasziniert, wenn die Künstlerin nach mehreren Anproben von Modellen eigener Auswahl zu einem Hut greift, der passt, kleidet und gefällt. Auch beim Kunsthandwerkerinnenmarkt ist dieses Phänomen alljährlich zu beobachten. Die Vorfreude auf die diesjährige Veranstaltung ist Marta Daniela Haag-Masters ins Gesicht geschrieben. „Ich liebe diesen Markt, der bestens organisiert ist und eine besondere Atmosphäre ausstrahlt. Die Besucher und Ausstellerinnen teilen ihre Freude an schöner Kunst. Ich führe tolle Gespräche, spüre Begeisterung und Interesse, Wertschätzung ehrlicher Handarbeit und erlebe immer wieder tolle Geschichten.“

Da ist die junge Frau, die in einem Jahr nur einen Flyer mitnahm – „falls mal jemand heiratet“, im Folgejahr glücklich für ihre eigene Hochzeit bestellte und noch ein Jahr später stolz das Hochzeitsfoto mit Haag-Master-Hut vorbeibrachte. Oder die Schützenkönigin aus dem Jülicher Land, für die ein passender Hut zum Kleid her musste – da wurde kurzerhand ein Stück Stoff aus dem Saum des Kleides zu einer kunstvollen Kreation umfunktioniert. Die Fotos zahlreicher glücklich behüteter Frauen schmücken die Wände ihres Ateliers.

Die weiteste Reise hat einer ihrer Hüte bis nach Neuseeland gemacht. Ein kurioses Treffen zweier ihrer Kreationen gab es mitten im brasilianischen Sao Paulo in der dortigen deutschen Schule, in dem ihre Schwägerin mit einem Haag-Masters-Hut auf dem Kopf auf dem Kopf einer anderen ein weiteren entdeckte… Wer weitere Geschichten über oder für die Hutkünstlerin hat, kann sich unter masters.daniela@t-online.de melden oder unter www.martamasters-hüte.de informieren. Auf dem Jülicher Kunsthandwerkerinnenmarkt ist sie an beiden Tagen vertreten. Marktzeit ist Samstag und Sonntag, 13. und 14. Juni, von 11 bis 18 Uhr.


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