Jülicher Unternehmerfamilie Schuran fertigt Aquarien für die Welt

Spezialitäten für die Unterwasserwelt
Von Arne Schenk [17.02.2015, 08.02 Uhr]

In der Unterwasserwelt der Aquarien ist die Jülicher Firma Schuran sicherlich ein ganz großer Fisch. 1,8 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet der Familienbetrieb im Jahr mit seinen zwölf Mitarbeitern. Die Leitung des Unternehmens teilen sich Hermann Schuran und seine Kinder Julia und Florian.

„Ich bin schon leidenschaftlicher Konstrukteur“, bekennt sich Hermann Schuran. Ohne diese Eigenschaft bekäme er diese Aufgabe nicht hin. „Ich versuche, das auch meinen Mitarbeitern zu vermitteln.“ Dies ließe sich auch durch eine Vorbildfunktion fördern. „Ich habe ja auch Auszubildende. Ich muss denen das rüberbringen. Das ist mein Job.“

Die Kundschaft sitzt auf der ganzen Welt verteilt. „Ich schicke meine Kinder durch die ganze Welt: nach Japan, Südkorea, Vietnam, Singapur, ganz Europa mit Spanien, Portugal, Italien, überall wo unsere Produkte stehen und wo wir angefragt werden.“ Aktuell hat die Stadt Jerusalem jüngst angerufen, wo ein großer Tierpark gebaut werden soll. Also ging es für Hermann Schuran nach Israel zur Ortsbesichtigung und Lagebesprechung. Ansonsten stand für ihn 2014 zwei Mal die USA mit vier Terminen und zwei Mal Wien an. Die nächste Einladung liegt ebenfalls bereits auf dem Tisch.

„Unsere Stärke ist, dass wir ein Aquarium mit allen Drum und Dran bauen können“, erklärt Schuran. Dabei profitiert seine Firma von einer ausgezeichneten Vernetzung mit anderen Unternehmen, die ihm Fische, Korallen oder Meerwasser liefern. So kann er selbst in einem kurzen Zeitrahmen planen. „Wir hatten jetzt ein Projekt im der Slowakei, da haben wir innerhalb von drei Tagen ein 3000-Liter-Aquarium aufgebaut mit allem Drum und Dran.“ Sprich tutto completto mit Bodengrund, Steinen, Fischen und Filtertechnik.

„Es sind verschiedene Systeme, die wir einsetzen, im Frischwasser ein anderes als im Meerwasser.“ Die Filtertechnik für Meerwasser basiert auf einer Lizenz vom Forschungszentrum Jülich, dem Aquaflotor, das in Delfinarien wie dem vom Duisburger Zoo seit 20 Jahren verwendet wird. Davor wurden die Delfine in gechlortem Salzwasser gehalten, was die Augen und Haut der Tiere permanent reizte. „Die haben umgestellt von Chlor auf eine biologische Filtration und sind heute noch davon begeistert, das können Sie sich nicht vorstellen, wie toll die Anlage funktioniert.“ Dabei hat sich das System in den 20 Jahren kein bisschen verändert.

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Immerhin bedeutete dies von der Logistik her, drei Tonnen Wasser in die Slowakei zu transportieren inklusive Aufarbeitung und Kühlung. Auch für die Tiere kommt nur eine kurz Transportzeit in Frage. „Das sind Sachen, die wir mittlerweile gut drauf haben.“ Womöglich steht Schuran in Deutschland auf diesem Terrain einzigartig da. Für das Projekt mit den drei Becken im Einkaufszentrum von Zilina in der Slowakei ist auch das vom Volumen her größte Becken mit einem Durchmesser von 4,50 Metern bei 1,50 Meter Höhe gefertigt.

Dabei ergab sich in Jülich auch ein unangenehmes Problem: Die Türen erwiesen sich als zu klein, um die fertigen Teile hinauszuschaffen. Selbst als die Portale ausgebaut waren, mussten noch zehn Zentimeter von der Mauer zusätzlich abgeklopft werden. Derartige Probleme stellen sich im übrigen so schnell nicht wieder, wenn das Unternehmen Ende des Jahres 500 Meter weiter in eine größere Halle zieht.

Zwar befinden sich unter den Kunden auch Privatfirmen und Einzelpersonen wie Bushido, ansonsten arbeitet die Firma Schuran in erster Linie im Auftrag von Tiergärten und Zoos. So steht das vom Gewicht her größte in Jülich hergestellte Exemplar im Darwineum von Rostock: ein Quallenkreisel. Vier Tonnen an 100 Millimeter dickem Plexiglas wurde dabei verarbeitet. Ein derart beeindruckender Deal, dass sogar NTV das Projekt im Auftrag der Firma Evonik Degussa (Otto Röhm, dem Erfinder von Plexiglas) begleitet wurde. „Nachdem wir den Auftrag bekommen haben, bin ich erst einmal in die USA zum Monterey Bay Aquarium, einem der schönsten, größten und besucherreichsten Aquarien der Welt, geflogen und habe mir den größten Quallenkreisel in den USA angeguckt und mir erklären lassen: Warum machen die das? Wie machen die das?“

Auch als er eine Anfrage vom Kölner Zoo bekam, der sehr große Probleme mit seinem 600.000-Liter-Nilpferdbecken hatte, informierten er und seine Kinder sich bei Referenzzoos, unter anderem im Zoo von San Diego mit seinem 700.000-Liter-Beckern. Dann wiederum stellten die Schurans ihr Know-how bei der Planung und Verrohrung der Filteranlage für ein Seehundbecken im Wiener Zoo zur Verfügung. Ob Bremerhaven, Stralsund, Bochum oder als Haus- und Hoflieferant in Basel – wenn es um Aquarien und die dazugehörige Filtertechnik geht, ist 1987 gegründete Firma Schuran bekannt wie ein bunter Seehund.

Vehement hilft dabei auch die permanente Präsenz der Mitarbeiter, von der alle zwei Jahre stattfindenden internationalen Zoofachmesse in Nürnberg bis zur Marine Aquarium Conference North America (MACNA). „Jetzt sind wir auf die Bahamas eingeladen, da treffen sich alle Kuratoren – die Abteilungsleiter der Aquarien – der Welt zu einer Konferenz“, erzählt Hermann Schuran. „Während ihrer Pausen besuchen sie die Messestände und begucken sich, was es so Neues gibt.“ Davon erhofft sich die Firma Schuran einen Schneeballeffekt: „Schau mal, da ist der Schuran, von dem haben wir unsere Anlage her.“


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