Erste Bilanz

Blitzschnelles Unwetter – wochenlange Folgen
Von Dorothée Schenk [10.06.2014, 16.25 Uhr]

Dieses Bild wird in den kommenden Wochen den Jülichern in Stadt und umliegenden Ortschaften vertraut werden: Wochenlang sollen die Aufräumarbeiten nach dem Sturm dauern.

Dieses Bild wird in den kommenden Wochen den Jülichern in Stadt und umliegenden Ortschaften vertraut werden: Wochenlang sollen die Aufräumarbeiten nach dem Sturm dauern.

Der Morgen danach kam harmlos daher: Blauer Himmel und Sonnenschein vermittelten ein so unschuldiges Bild, als wollte sie die Weltuntergangsstimmung vom Pfingstmontagabend vergessen machen: Rund eine Stunde lang hatten Blitze den Himmel über Jülich zerteilten und von Orkanböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern war die Rede. Das Jülicher Land hat offenbar wieder einmal Glück gehabt: Menschen kamen nicht zu Schaden und auch die Verwüstungen hielten sich in Grenzen. Die Polizei spricht von teilweise abgedeckten Dächern und eine Solaranlage, die in Jülich weggeweht wurde. Außerdem kam es laut Polizeibericht zu vier Verkehrsunfälle durch umgestürzte Bäume und herabfallende Äste. Die Beteiligten kamen am Ende aber mit einem Schrecken davon.

Die Folgen werden die Stadt allerdings noch wochenlang beschäftigen. Während die öffentlichen Gebäude – bis auf einige Dachziegel am Neuen Rathaus - nach ersten Erkenntnissen keine Schäden davon getragen haben, sollen mehrere hundert Bäume betroffen sein. Auf Nachfrage bestätigte das Bürgermeisteramt, dass nach einer ersten Einschätzung des Bauhofes die Aufräumarbeiten mehrere Wochen in Anspruch nehmen werden. "Die Kollegen schöpfen den maximal zulässigen Arbeitszeitrahmen von 10 Stunden aus", erklärte Silvia Hamacher. Hauptsächlich umgestürzte Bäume und herab fallende Äste haben die Wege und Straßen lahm gelegt.

Gesperrt bleibt die Rurauenstraße entlang des Brückenkopf-Parks in Richtung Koslar ebenso der Rurdamm und damit der Weg zum Freibad. Das Freischwimm-Vergnügen ist bis auf weiteres ausgesetzt, wie die Stadtwerke Jülich mitteilten. Im Freibad selbst habe es kleinere Schäden gegeben, die aber - so Andreas Kayser, der bei den Stadtwerken Jülich auch für das Freibad verantwortlich ist - schnell behoben sein werden. Eine Information, wann das Freibads wieder öffnet, wird auf der SWJ-Internet-Seite zu sehen sein.

Für den Publikumsverkehr mit Flatterband gesperrt ist auch der Schlossplatz. Allerdings scheinen nicht alle Jülicher diese Hinweise Ernst zu nehmen. Am "Tag danach" sind die Herzogstädter gut gelaunt und genießen auf den Parkbänken die Sonne. Sie wiegen sich damit in trügerischer Sicherheit. Silvia Hamacher weist darauf hin, dass Gefahr vor allem durch die angebrochenen Zweige und Äste besteht, die unvermutet herunterfallen können.

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In den Morgenstunden konnten Passanten den Schlossplatz noch passieren. Inzwischen ist der Platz mit Flatterband wegen der Gefahr herabfallender Zweige abgesperrt.

In den Morgenstunden konnten Passanten den Schlossplatz noch passieren. Inzwischen ist der Platz mit Flatterband wegen der Gefahr herabfallender Zweige abgesperrt.

Gleiches gilt für den Barmener Baggersee: Badegäste und Sonnenanbeter sollten sich von den bewaldeten Gebieten fernhalten und den Anweisungen der Bauhof-Mitarbeiter folgen, die auf Kontrollgängen durch das gesamte Stadtgebiet unterwegs sind.

Wie mit den Beisetzungen in den Folgetagen auf den Friedhöfen verfahren wird ist noch unklar. Auch hier gilt derzeit im kompletten Stadtverwaltungs-Gebiet: Zutritt verboten. Die letzte Sperrung betrifft den Holunderweg entlang des Bahndamms zwischen Nordviertel und Kulturbahnhof. "Die Mitarbeiter des städtischen Bauhofes arbeiten an der schnellstmöglichen Beseitigung der Schäden", heißt es weiter in der offiziellen Mitteilung der Stadt Jülich. "Dieser Sturm stellt eine absolute Ausnahmesituation dar." Darum werden die Jülicher auch um Mithilfe gebeten. Der gesamte Windbruch auf den Straßenflächen kann nicht ohne weiteres durch die Saugkehrmaschinen aufgenommen werden, weil größere Zweige die Saugrohre verstopfen. Anwohner sollten – so nicht bereits geschehen – Zweige und Äste von Hand selbst beseitigen, damit die Stadtreinigung erheblich schneller vorankommt.

In Teilen gesperrt ist derzeit auch der Brückenkopf-Park Jülich, wie Heinrich Horrig, Chef vom Dienst, auf der Nachfrage mitteilte. "Wer weiß, wie es auf dem Schlossplatz aussieht, hat eine Vorstellung", antwortete er vage auf die Fragen nach Schäden. Jetzt hängt es von der Fachfirma ab, die Baumfällungen vornimmt, wann der gesamte Bereich wieder von den Besuchern genutzt werden kann. Am heutigen Dienstag blieb beispielsweise der Zoo gesperrt. Zutritt haben die Parkgäste derzeit nur über das Lindenrondell.

Das Epochenfest, zu dem rund 11.000 Menschen am Pfingstsonntag in den Brückenkopf-Park gekommen waren, musste wegen der Sturmwarnung eine Stunde früher beendet werden, bestätigte Veranstalter Dirk Mommertz vom Juliacum Entertainment Service. Weil das Unwetter zu schnell aufzog, gibt es Materialschäden zu beklagen, die nun gesammelt und der Versicherung gemeldet würden. "Leider waren wir nicht schnell genug", bedauert der Veranstalter.

Als Ersthelfer waren laut Polizeibericht Beamte zu 75 witterungsbedingten Einsätzen unterwegs. Sie zählten, dass Bäume und Äste 56mal auf der Fahrbahn, auf Gehwegen, Häusern oder, wie in
elf Fällen, Fahrzeugen landeten und somit einige Sachschäden mit sich brachten. Außerdem kam es natürlich zu Verzögerungen auf dem Weg zum Arbeitsplatz.

Die Rurtalbahn musste den Schienenverkehr zwischen Düren und Linnich einstellen. Im Nachmittag konnten die Züge wieder planmäßig bis Jülich-Nord zum Einsatz kommen. Zwischen Jülich-Nord und Linnich kann weiterhin aufgrund von Unwetterschäden bis voraussichtlich Mittwoch Nachmittag kein Zugbetrieb verkehren. Stattdessen wird ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Die Abfahrtsinformationen der Busse sind an den Haltestellen ersichtlich. Aktuelle Informationen auf der Website der Rurtalbahn.

Derzeit macht sich über dem Jülicher Himmel wieder leichtes Grummeln breit. Laut letzten Meldungen wird die Unwetterwarnung für den Kreis Düren bis Mittwoch morgen 8 Uhr aufrecht erhalten. Der Deutsche Wetterdienst in Essen warnt für Nordrhein-Westfalen vor gebietsweise starkem Gewitter mit Regen um 15 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde, kleinkörnigem Hagel und Sturmböen um 80 km/h. Örtlich könne es auch heftigen Starkregen mit bis zu 30 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde geben sowie Hagel mit Korndurchmessern um vier Zentimetern und Orkanböen um 120 km/h. Die nächste Aktualisierung versprechen die Wetterfachleute um 20.30 Uhr.

Blick auf die Naturgewalten I und Naturgewalten II


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