Erkenntnisse "ausgegraben"
Von Dorothée Schenk [18.02.2014, 16.03 Uhr]

„Wir sind eine lebendige Stadt“, sagte Museumsleiter Marcell Perse, der eigentlich mehr fürs Konservieren zuständig ist. Gemeint sind hier aber die ständig wandernden Baustellen in Jülich, die im Sinne der Geschichts-Erforscher so einiges zu Tage fördern. Jüngst am Neusser Platz waren es zwar im landläufigen Sinne keine greifbaren Funde, dafür aber eine Reihe Erkenntnisse zur historischen Festungsstadt und ihre Wurzeln in der Römerzeit.

Bernhard Dautzenberg (r) erläutert mit Museumsleiter Marcell Perse die Baupläne eines Vorwerkes der Zitadelle im 19. Jahrhundert.

Bernhard Dautzenberg (r) erläutert mit Museumsleiter Marcell Perse die Baupläne eines Vorwerkes der Zitadelle im 19. Jahrhundert.

Als „historische Polizei“ bezeichnet Marcell Perse die Akteure des Museums, die auch nach 2000 Jahren noch Täter dingfest machen würden. „Verdachtsmomente“ seien gewesen, dass bereits zwischen der Römerstraße und der Bahnlinie – den zwei römischen Fernstraßen – ein Gräberfeld lokalisiert worden sei, wie Perse erläuterte. Nun ist klar: Die „Friedhofsmauer“ endet offenbar an der Jan-von-Werth-Straße im Bereich Starenweg und Meisenweg. „Damit konnten wir die Größe des Gräberfeldes festlegen.“ Das heißt für den Laien im Klartext: Kein Ergebnis ist auch ein Ergebnis. Denn die zu erwartenden aber ausgebliebenen Funde lassen für den Historiker Schlüsse zu.

Noch komplexer für den Nicht-Fachmann ist die Erforschung der Erdschichten, die Bernhard Dautzenberg erläuterte: Was auf alten Plänen bereits ersichtlich war, nämlich die Planung eines weiteren Vorwerks der Festung Zitadelle um 1837, fand nun Bestätigung „in der Erde“. Wo einst die Jülicher Gärten betrieben, wurde mit Kies der Boden als Schussfeld aufgefüllt und für einen Erweiterungsbau vorbereitet. „Terra-forming würde das der Golfplatz-Bauer heute nennen“, erklärt Marcell Perse markig.

Werbung

Eine niederländische Pfeife ist eines der zwei Fundstücke vom Neusser Platz.

Eine niederländische Pfeife ist eines der zwei Fundstücke vom Neusser Platz.

Konsequenzen hatte es allerdings nicht. Mit fortschreitender Waffenentwicklung erwies sich die in der Senke gelegene Zitadelle als ideales Ziel. Die Schussübungen der Preußen von der Merscher Höhe auf die Festung brachten den Beweis. Der Ausbau der Zitadelle war keine Investition mehr wert und damit die Festungsgeschichte besiegelt: Nur noch als Kaserne und soldatischer Ausbildungsstandort diente der Prachtbau aus dem 16. Jahrhundert.

Gut für die Stadt Jülich übrigens: Damit waren die „Filetstücke“ auf dem einstigen Schussfeld an der heutigen Kölnstraße und die Mauergrundstücke zur Besiedlung frei und die Stadtentwicklung konnten ihren Lauf nehmen.

Einen Monat lang dauerten die Tiefbauarbeiten der Stadt Jülich am Neusser Platz, die vor allem von dem Archäologen Bernhard Dautzenberg begleitet wurden. In Aktion getreten sind die Bodenloch-Erforscher nach den gesetzliche Grundlagen des Denkmalschutzgesetzes, wonach dort, wo die Stadt ins Erdreich vorstößt die Bewahrer der Geschichte ebenfalls einen Blick hinein werfen müssen. Etwaige „Altlasten, egal ob wir Altöl oder alte Römer finden“, wie Museumsleiter Perse erläutert, sind nach dem Verursacher-Prinzip zu sichten und zu entsorgen. Kostengünstig sei die Vor-Ort-Mannschaft des Museums, die „mal eben“ ohne große Anfahrt an der Baustelle gucken gehen konnten. Denn zwei kleine Funde konnte Bernhard Dautzenberg doch melden: Eine Scherbe und eine niederländische Pfeife, wie sie bei den Soldaten bei Patrouillegängen gerne genutzt wurden. In Zusammenarbeit dem der LVR-Außenstelle für Denkmalpflege in Nideggen wurden die Funde gesichert.


Dies ist mir was wert:    |   Artikel veschicken >>  |  Leserbrief zu diesem Artikel >>

NewsletterSchlagzeilen per RSS

© Copyright 2017 Presse- und KulturBüro Schenk + Schenk | Datenschutz

Das Brenzlicht

Mehr Zivilcourage
Es gehört Zivilcourage dazu, Kritik zu üben an einer Preisverleihung, die Zivilcourage auszeichnet und sich gegen das Vergessen der Greueltaten der Nazis positioniert. Toleranz – so die Namensergänzung der veranstaltenden Jülicher Gesellschaft – gehört dazu, um auszuhalten, wenn von vier zu Ehrenden drei als Nebenprodukt behandelt werden und der einzige, durchaus nicht unumstrittene Ausgezeichnete vom Laudator eine Würdigung erfährt, die nicht nur einige Menschen befremden dürfte.  [01.03.2017, 07.54 Uhr]  >>

Alle Brenzlichter >>

Stadtteile

Kita „Die kleinen Strolche“: Jubiläumsfeier eine Woche lang
„Was wollen wir trinken sieben Tage lang?“, heißt ein ziemlich bekanntes Fest- und Feierlied. Da so ein 50-jähriges Jubiläum bei der Kita „Die kleinen Strolche“ in erster Linie ein Fest für die Kinder ist, hat sich das Team der Einrichtung überlegt, mit den Kindern, die sie im Moment besuchen, kräftig und sieben Tage lang zu feiern. Es geht los mit dem Dasda Theater, das am Donnerstag, 27. April, das Stück Petterson und Findus im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Düsseldorfer Straße 30, für die Kita-Kinder aufführen wird.  [26.04.2017, 13.58 Uhr]  >>
Im Heckfeld Geschmack am Glauben finden
Einen Ruhepol im Alltag finden. Innehalten, dem eigenen Getriebensein im Leben regelmäßig einen Ort des Atemholens zu geben, dazu dienen Exerzitien im Alltag. Seit fast 20 Jahren wird in St. Rochus Jülich diese Tradition in der Fastenzeit gepflegt. [09.04.2017, 14.12 Uhr]  >>

Rundum

Kreatives Lösungsmodell im Aldenhovener KIM-Prozess [09.04.2017, 14.00 Uhr]  >>
Düren: Den Umgang mit Demenz lernen [09.04.2017, 13.51 Uhr]  >>

Vereine

Lebendiges Geschichtsgedächtnis [09.04.2017, 14.51 Uhr]  >>
Bestehen unter des Meisters Augen [09.04.2017, 13.19 Uhr]  >>

Immer auf dem Laufenden



Newsletter >>

JüLicht auf Ihrer Site

Sie können unsere aktuellen Schlagzeilen auf Ihrer Website präsentieren - hier steht, wie >>.

Kontakt

Welches Anliegen Sie auch immer bewegt, über unser Kontaktformular >> können Sie mit uns in Verbindung treten.

Werbung