Nachfolger dringend gesucht

Christkind spielt beim Krippenspiel mit
Von Arne Schenk [24.12.2012, 11.10 Uhr]

Ohne das Krippenspiel ist die Familienmesse auf Haus Overbach in Jülich-Barmen kaum vorstellbar. Seit Jahren findet sich dazu ein fester Kern von Jugendlichen zusammen, der zum dritten Mal das Stück auch selbst geschrieben hat.

Für die "Bühne" muss auch schon mal der Altar weichen.

Für die "Bühne" muss auch schon mal der Altar weichen.

Mit Simon fing alles an. Der kleine Hirte verteilte vier Lich- ter in der Weihnachtsnacht an Menschen, die noch weniger haben als er. Daraus entsteht ein festlicher Glanz für diesen Anlass. Damals, vor fünf Jah- ren, nahmen bereits die Fünft- klässler Meike und Benita am Krippenspiel teil, „angewor- ben“ im Schulgottesdienst.

Eingeschworene Freunde mit einem festen Plan

Nach und nach gesellten sich andere Schüler des Gymnasiums Haus Overbach dazu. Zunächst kamen Barbara, Ca- roline und Ariane, später folgten noch Michaela, Dorothea, Sebastian und David. Ein ein- geschworener Haufen, unter dem sich sogar ein richtiges „Christkind“ befindet – Ariane hat am 24. Dezember Geburtstag. Kaum zu glauben, dass diese aufgeregt hin- und herlaufenden durcheinander schwatzenden Jugendlichen gerade ein kleines Theaterspiel proben.
Freunde eben, die genau wissen, was sie tun. Denn mit dem festen Plan des eigens für das Fest geschriebenen Stückes im Sinn steht ihnen die Aufregung bereits im Gesicht geschrieben, kann sich kaum

hinter einem mehr oder weni- ger verlegenen Lachen verstecken. Doch bereits jetzt – lange vor der eigentlichen Aufführung – sind sie schon weitgehend textsicher und überlegen, wie sich das Ganze auf dem engen Raum vor dem Altar realisieren lässt.

Hocker oder kein Hocker? „Das Jesuskind liegt auf dem Boden“, stellt Pater Dominik Nguyen fest, der als Vertreter der Oblaten des Heiligen Franz von Sales als Träger des Gymnasiums und angeschlossenen Klosters die Außenwirkung kontrolliert und ab und zu ordnend eingreift. Gleich- zeitig versucht er stets, die auf der kleinen Bühne geäußerten Gedanken und Ideen aufzugreifen und umzusetzen. „Wir bräuchten hier noch eine Tür.“ Einstweilen „spielt“ einer der Schüler den Durchgang.

Eigene Geschichte per Webkonferenz
Pater Dominik hingegen denkt bereits weiter: „Gibt es bei Euch in der Verwandtschaft jemanden, der gut basteln kann?“ Vielleicht weiß ja auch der Hausmeister von Overbach Rat. Denn eigentlich benötigt die aktuelle Aufführung, in der ein Soldat eine gewichtige Rolle spielt, sogar drei Türen.

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Den Probenspaß sieht man den Krippenspieler an.

Den Probenspaß sieht man den Krippenspieler an.

Ausgedacht haben sich die Geschichte diesmal Benita und Michaela, aber alle haben daran mitgeschrieben. Min- destens einmal in der Woche setzen sich alle zusammen, so wie moderne Jugendliche es tun, per „Skype“ via Internet am Computer, also wie bei einer Videokonferenz. Denn sie teilen auch einen großen Teil ihrer Freizeit miteinander, während der sie auch gemeinsam einen Film drehen. Da passiert es ganz spontan, dass Ideen sprudeln ter entwickeln, beispielsweise beim Gespräch auf dem Pausenhof.

??Eher auf konventionelle Art entstanden die Erzählungen für die Krippenspiele der vergangenen beiden Jahre. Da war zunächst die Geschichte von der Bürgermeister-Tochter Luisa, die durch eine Be- gegnung mit einer Zigeuner- familie den Weg zu Jesus fand. Im Jahr darauf bewegte das Mädchen Amina ihre Mutter, die Kamelführerin Shitana, mit ihrer feurigen Leidenschaft dazu, mit zur Krippe und somit zum Glauben an Christus zu kommen. Bei diesen Aufführungen war insbesondere Meike federführend.

„Irgendwerwird immer vom Jesuskind bekehrt“, erklärt sie das Konzept von allen Krippenspielen.
„Es ist gut, wenn etwas für die Jugend angeboten wird“, meint Pater Dominik zu dem Projekt. Schließlich dürfe das Christfest nicht auf die Geschenke reduziert werden. Damit es aber auch nicht an den Kindern vorbei geht, sei es wichtig, dass sie sich selbst damit
identifizieren können. So versucht die Gruppe bewusst, nicht das klassische Krippenszenario bibelgetreu aufzuführen – eben so wie es vertraut ist –, sondern dem Thema eine neue Wendung zu verleihen, unterstreicht Caroline: „Wir versuchen, es für das heutige Publikum zu übersetzen.“

Allerdings fehlt es an Nachwuchs, der in Zukunft die Gestaltung des Krippenspiels übernimmt. Eigentlich ist der Großteil mit 15 und 16 Jahren bereits zu alt dafür, schließlich gehen bis auf Dorothea (13) und Sebastian (12) alle in die 10. Klasse und somit in die Oberstufe. Bevor aber die „Abiturwehen“ einsetzen, möchten sie im kommenden Jahr noch einmal die Regie für die Aufführung übernehmen. Dann sollten sich aber auch neue, jüngere Kräfte einfinden und die Tradition künftig fortführen. Wer ein wenig Theaterblut in sich verspürt und bei den Krippenspielen mitmachen möchte, kann sich bei Pater Dominik unter Telefon 02461 / 930178 melden.

Einstweilen gibt es noch viel für die kommende Aufführung zu Heilig Abend vorzubereiten. Das geht auch nicht ohne „Hausaufgaben“ ab. „Versucht Euch zum nächsten Mal, in Eure Rollen hineinzuversetzen“, gibt Pater Dominik den jungen Schauspielern auf den Weg. Da heißt es für jeden, für sich selbst Antworten auf Fragen zu finden wie: „Was brauch ich für meine Rolle? Wie soll mein Kostüm aussehen?“


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