Ralf Stutzke managt die Salesianer

Bilanz mit Pastoralkonzept
Von Dorothée Schenk [16.09.2012, 12.36 Uhr]

Ein gewinnendes Lächeln. Ein offener Blick, der dem Gegenüber echtes Interesse signalisiert. Die Kleidung: sportlich. Ralf Stutzke scheint allzeit bereit für Bewegung – körperlich wie geistig. Seit einem Jahr ist er Geschäftsführer, der Manager der Oblaten des Heiligen Franz von Sales in Barmen.

Ralf Stutzke stützt sein Tun auf die Lebenssicht Franz von Sales.

Ralf Stutzke stützt sein Tun auf die Lebenssicht Franz von Sales.

Die Marke „Das eine Haus Overbach“ zu etablieren, ist ein Ziel. Die Finanzen des Ordens in den kommenden fünf Jahren auf eine „schwarze Null“ zu bringen, ein weiteres. Es gilt ein Minus von 2,5 Millionen Euro auszugleichen. Offensiv geht der studierte Psychologe mit 15-jähriger Berufserfahrung in der Spitze von profitablen Bildungseinrichtungen dabei vor.

Die Vielfalt des Standortes Barmen mit dem Kloster, Gymnasium, Internat und Singschule sowie das angeschlossene Science College als ein „Produkt“ zu betrachten, ist ein erster Schritt. Ausdruck findet er optisch im neuen Logo: Das H(aus) umschlossen von dem offenen O(verbach), Symbol für die Bereitschaft für Neues, wird unter ein Dach gestellt, das ein Kreuz trägt. Statt wie bislang auf zwei Schultern – nämlich denen der Klosterleitung und des Gymnasiums – trägt sich die Struktur nun durch acht Köpfe, die für Haus Overbach denken.

Wie in einem klassischen Unternehmen – „die katholische Kirche ist der zweitgrößte Arbeitgeber weltweit“ – ist das facettenreiche Bildungsensemble der Oblaten des heiligen Franz von Sales unterteilt: Kloster, Schule, Science College, Kolleg, Bildung und Tagungen, Kultur und Freizeit sowie Musik sind jetzt eigene Bereiche, an deren Spitze Fachleute stehen. „Jeder soll sich auf das konzentrieren, was er gut kann, auf seine Stärken.“ Kein Widerspruch ist für Ralf Stutzke christliches und wirtschaftliches Gedankengut. „Franz von Sales sagt, dass jeder seine Aufgabe gut machen soll, dass er fleißig sein soll.“

Wer dem nicht folgen kann, von dem muss sich der Orden trennen, sagt der neue Geschäftsführer. Von 52 Mitarbeitern in Verwaltung, Küche und Garten sind 38 geblieben. „Der Orden hat große Schwierigkeiten damit“, räumt Stutzke ein. Aber: „In erster Linie geht es darum zu sanieren, den Orden wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen.“

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„Wir liegen bei 2,5 Millionen Minus“, zählt der gebürtige Schwabe vor, „der Orden investiert fünf Millionen etwa im neuen Sales-Kolleg, und um das ganze Haus Overbach mit seinen 15600 Quadratmetern zu sanieren, benötigen wir 20 Millionen Euro.“ Erwirtschaftet werden soll das Geld einerseits durch Einsparungen wie geänderte Verträge mit Strom- und Telefonanbietern oder den Umbau der Heizungsanlage, vor allem aber durch das Seminar- und Tagungsgeschäft, Veranstaltungen und Aktivitäten im Science College in Zusamme arbeit mit Unternehmen. Dazu hat Ralf Stutzke ein breites Netzwerk von katholischen Bildungsträgern, Kommunen und der Siemensstiftung, dem Forschungszentrum Jülich bis zum Brückenkopf-Park geknüpft. 400 Begegnungen hatte der Macher des „Haus Overbach“ in den vergangenen Monaten.

Im Vordergrund stehen dabei die christlichen und salesianischen Tugenden. Neben der Nachwuchsförderung ab U3-Kindergartenkindern bietet das Kolleg Berufs-Orientierung für Suchende und Motivierte. Außerdem ist das Projekt „Nachtkick“ vor dem Start. Hier sollen mit wissenschaftlicher Begleitung des Münchner Prof. Till Roenneberg jugendliche Schul- und Studienabbrecher in einer Ausbildung aufgefangen werden – ausschließlich nachts wird gearbeitet. „Das passt gut zum Orden, das sind die Übriggebliebenen, die man eigentlich aufsammeln müsste“, so Ralf Stutzke.

Selbstverständlich bleiben bei allem Neuen die Traditionen erhalten: Der Overbacher Ring um Pater Karduck wird um geistliche Seminare erweitert: „Wir wollen eine größere Zahl von Menschen gewinnen, damit sie Franz-von-Sales kennenlernen. Das ist das Pastoralkonzept – was hinter allem steht. Wir trennen nicht Bildungsschiene und Produkte“, unterstreicht der Protestant mit der gewonnenen salesianischen Gesinnung und dem Beschützerwillen: „Die Patres wohnen hier. Wir passen darauf auf, dass es ihr Zuhause bleibt.“

www.overbach.de


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