Bombenfund

6500 Jülicher müssen aus ihren Häuser
Von Dorothée Schenk [01.04.2012, 09.48 Uhr]

Das ist mitnichten ein Aprilscherz: Über ein Drittel der Jülicher Bevölkerung, nämlich rund 6500 Menschen werden in der Woche nach Ostern für einen Tag evakuiert werden müssen. Bei Routineuntersuchungen im Zuge von Bauarbeiten ist eine Luftmine aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden, die ein Sprengstoffgewicht von 12 Zentnern hat.

Dieter Daenecke zeigt auf der Karte - gehalten von Hans Pinell und Kerstin Haffner, Bürgermeister Stommel (v.l.) das betroffene Gebiet.

Dieter Daenecke zeigt auf der Karte - gehalten von Hans Pinell und Kerstin Haffner, Bürgermeister Stommel (v.l.) das betroffene Gebiet.

„In Jülich eine Bombe zu finden ist nichts besonderes“, eröffnete Bürgermeister Heinrich Stommel die Pressekonferenz zu einem der logistischen Groß-Unternehmen ein. Drei Monate tobten die Kriegshandlungen 1944 um Jülich, das am 16. November zu 99 Prozent zerstört wurde. Entsprechend gehört es bei Bauvorhaben zum normalen Vorgehen, den Kampfmittelräumdienst zu bestellen.

Dieter Daenecke und Fritz Pütz vom Kampfmittelbeseitigungsdienst sind entspannt. Ihre Arbeit so schildert Daenecke, wird in maximal einer Stunde geschafft sein. In Handarbeit, erklären die Spezialisten mit Stammsitz in Kerpen, wird die britische Mine entschärft. Der „Gefahrenbereich“, wie Daenecke erläutert ist der potentiellen Druckwelle angepasst, die eine solch große Bombe auslösen würde. Darum ist der Bereich auch weiträumig gesteckt: Zwischen Friedhof Hauboudinstraße auf der Merscher Höhe bis zum Neusser Platz stadteinwärts und entlang der Zitadelle sowie von der Aachener Straße / Mühlenstraße bis Linnicher Straße stadtauswärts. „Sie können bei einer Luftmine keinen Kreis ziehen“, erklärt er, hohe Gebäude, Hanglagen und vieles mehr seien zu berücksichtigen.

Bei der Umsetzung ist die Stadt Jülich, allen voran „Katastrophenmanager Hans Pinell“ vom Ordnungsamt, wie ihn Kerstin Haffner vom Rechtsamt betitelte, im Einsatz. Im fraglichen Gebiet liegt nicht nur das dichtbesiedelte Nordviertel, sondern auch zwei Altenheim und das Krankenhaus. „Eine arbeits- und personalintensive Aufgabenstellung“, betont Bürgermeister Stommel. Die Straßenzüge sind bereits festgelegt, allerdings wird es in der Karwoche noch eine Aktualisierung geben.

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Der „Evakuierungstag“ steht auch noch nicht fest. Anvisiert ist Mittwoch, 11. März, das letzte Wort hat aber das Krankenhaus, das seine Intensiv-Stationspatienten in die Caritas-„Schwester-Krankenhäuser“ bringen muss. Im Altenheim am Wallgraben sind es rund 20 Bettlägerige, so die Information, die verlegt werden müssen. Wie viele Menschen in privaten Haushalten gehbehindert oder bettlägerig sind, steht noch nicht fest. Hier ist man in Gesprächen mit den privaten Pflegediensten. Außerdem werden Hotlines eingerichtet, bei denen Pflegebedürfte gemeldet werden können, die Hilfe beim Verlassen der Häuser benötigen. Per Wurfbrief werden die Anwohner außerdem auf die Evakuierung hingewiesen.

Übrigens: Weigerungen gibt es nicht. Wer sein Haus nicht verlässt, wird notfalls mit Polizeigewalt abgeführt, macht Hans Pinell deutlich. Bürgermeister Stommel rechnet neben den lokalen Einsatzkräften daher unter anderem mit Unterstützung einer Hundertschaft der Polizei. Letzte Kontrolle hat der Kampfmittelräumdienst, der mit dem Hubschrauber überfliegt, um etwaige „Irrläufer“ – etwa auf dem Friedhof – aufzuspüren.

Die Kosten für die Entschärfung trägt das Land Nordrhein-Westfalen tragen. Die Kosten für die Evakuierung muss die Stadt Jülich übernehmen.

Sammelstelle wird das Schulzentrum Linnicher Straße sein. Allerdings zeigen die Erfahrungen laut Hans Pinell, dass nur drei Prozent dieses Angebot wahrnehmen. „Wir gehen aber einmal von zehn Prozent aus.“ Meist kommen die Menschen bei Verwandten und Freunden außerhalb der Gefahrenzone unter. Diesmal können – wenn das Wetter mitspielt – die Evakuierten allerdings auch den Brückenkopf-Park aufsuchen. Park-Chefin Dr. Dorothee Esser gewährt allen Betroffen gegen Vorlage des Personalausweises freien Eintritt.


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