Achtklässler nehmen CD mit eigenen Songs gegen Rechts auf

Mit Mut gegen Hass und Gewalt
Von ars [27.02.2012, 13.29 Uhr]

Rechtsradikalismus ist überall, selbst in einer so scheinbar heilen Welt wie Jülich. Als Antwort auf die „Schulhof-CDs“ mit rechten Gedankengut entschieden sich die Schüler der Jahrgangsstufe 8 des örtlichen Gymnasiums Zitadelle, eine CD mit selbst getexteten Liedern gegen Rechts aufzunehmen, Titel: „Rechts rockt nicht“.

Auszüge aus ihrer CD präsentierte der Chor in der Schlosskapelle.

Auszüge aus ihrer CD präsentierte der Chor in der Schlosskapelle.

„Wir fanden das Projekt gut und würden es jederzeit wiederholen“, betonten die Schüler während der Präsentation jüngst in der Schlosskapelle der Institution, nachdem der Chor unter Leitung von Herman-Josef Kaiser die beiden Songs „99 Rechtsextreme“ und „Erzogen um zu hassen“ angestimmt hatten. Dabei verzichteten sie bewusst darauf, die Namen der Mitwirkenden auf der CD zu nennen. Denn trotz allen Mutes zu Engagement gegen Hass und Gewalt schwingt auch immer die Angst davor mit, selbst zum Zielobjekt rechter Gewalt zu werden.

Dass das Übel direkt vor ihrer Haustür lauert, bewiesen die Schüler der Politiklehrerin Dagmar Bösen, indem sie nicht nur Aufkleber mit nationalsozialistischem Gedankengut aus der Stadt mitbrachten, sondern ihr auch Sticker auf dem eigenen Schulhof zeigten. Deshalb regten sie an, den Blickwinkel des im Lehrplan vorgesehenen Themas „Was ist Politik / politisches Engagement?“ auch auf die persönliche Lebenswirklichkeit zu lenken.

„Einige ausländische Schüler hatten schon persönlich Kontakt mit der rechten Szene, wenn auch nicht speziell in Jülich“, berichtete die Politiklehrerin. So seien viele angepöbelt worden, und eine Schülerin erzählte, dass sie aus einem Fast-Food-Restaurant ging und einem Deutschen die Türe aufhielt. Darauf sagte dieser: „Genau dafür seid ihr Ausländer auch da!“

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Mit einer Foto- und Textpräsentation sowie Musikbeispielen verdeutlichte Michael Klar- mann das Auf- treten der rechten Szene.

Mit einer Foto- und Textpräsentation sowie Musikbeispielen verdeutlichte Michael Klar- mann das Auf- treten der rechten Szene.

Informationen zum Thema erhielten die Schüler unter anderem von dem Internetportal „Kein Bock auf Nazis“ und durch Zeitungsartikel von Michael Klarmann. Der Aachener Journalist engagiert sich seit Jahren umfassend gegen Rechtsradikalismus insbesondere in der hiesigen Region. Dafür erhielt er einen Bürger- und einen Journalistenpreis. Bei der Projektpräsentation der Jahrgangsstufen in der Schlosskapelle gab Klarmann Einblicke in die Denk- und Handlungsweise der rechten Szene, unter anderem anhand des Stolberger Trauermarschs und der Kameradschaft Aachener Land, einer der größten rechten Vereinigungen in Nordrhein-Westfalen.

Zwar existiere in vielen Fällen das typische Klischee des Springerstiefel und Bomberjacken tragenden glatzköpfigen Neonazis, aber zuweilen „verkleideten“ sich die Verbreiter des braunen Gedankenguts auch mit Irokesen-Haarschnitt, Hello-Kitty-Rucksack, Goldkettchen und sogar dem schwarzen Outfit eines der erbittertsten Gegner, den autonomen Linken. Bewusst wird auch die Musik der Andersdenkenden wie Punk, Metal oder HipHop für die eigenen fremdenfeindlichen und zur Gewalt aufrufenden Texte missbraucht, wie Klarmann anhand der Mönchengladbacher Formation „Division Germania“ demonstrierte.

Das Gymnasium Zitadelle wolle bewusst ein Zeichen setzen, „damit sich der Wolf im Schafspelz nicht klammheimlich ins Bewusstsein schleicht“, betonte die stellvertretende Schulleiterin, Studiendirektorin Angelika Wilms-Markett. Eine wichtige Funktion übernahm dabei auch Anton Mülfahrt, Vorsitzender des Fördervereins, der das Thema im Rahmen seiner Rechtskunde-AG ansprach. Die Schüler sollten das Erarbeitete in Erinnerung bewahren, erklärte Irene Blum, Leiterin der Mittelstufe, zum Abschluss, um es dann vielleicht bei der Bewusstseinsbildung wieder hervorzuholen.


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