Nachruf Ludwig Schaffrath

Inspirierter Künstler - inspirierender Lehrer
Von Dorothée Schenk [12.02.2011, 08.55 Uhr]

Ludwig Schaffrath bei der Ausstellungseröffnung von Hubert Spierling im September 2010 in Linnich.

Ludwig Schaffrath bei der Ausstellungseröffnung von Hubert Spierling im September 2010 in Linnich.

Er war inspiriert und Inspiration. Prof. Ludwig Schaffrath, prägender Glaskünstler des 20. Jahrhunderts und gefragter Dozent an Hochschulen von Deutschland, England, USA, Australien bis Japan, starb am 6. Februar in Alsdorf im Alter von 86 Jahren.

Unabhängigkeit war es, die der Künstler Ludwig Schaffrath lebte. Die Unabhängigkeit des Geistes, die es ihm erlaubte, seine schöpferische Kraft so mannigfaltig in Zeichnungen, Mosaiken und vor allem den Glaswerken auszubreiten: Gleichzeitig fand sie Ausdruck in einer kompromisslosen Durchsetzungskraft für seine Entwürfe. Sicher mit ein Grund, warum der gebürtige Alsdorfer bei Anton Wendling, Pionier der Glasmalerei mit Lehrstuhl an der Technischen Hochschule in Aachen, bis 1954 Assistent und Meisterschüler sein konnte.

Nur ein Jahr später focht Schaffrath das erste von vielen Malen eine weithin beachtete Auseinandersetzung durch: Für St. Paul in Bonn-Tannenbusch arbeitete der damals 31-Jährige vier Evangelisten in die Kanzel und die Darstellung der vierzehn Leidensstationen Christi in den frischen Putz der Seitenwände. Bei den Kreuzwegstationen verzichtete Schaffrath auf die persönliche Physiognomie der Pharisäer, Soldaten und der anderen Begleitfiguren mit der Begründung: „Uns begegnet das Böse in so verschiedenen Formen und Gesichtern, dass ich nicht glaube, es auf einige bestimmte Gesichtszüge festlegen zu können.“ So dokumentierte es 1955 das Magazin „Der Spiegel“. Bis nach Rom ging dereinst die Auseinandersetzung. Mit Erfolg. Und so schmückt sich St. Paul mit „Schaffraths“ ebenso wie St. Pius in Nagasaki, die Universität von Yokohama, das Ulmer Münster und der Würzburger Dom, um nur einige Beispiele zu nennen.

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Geprägt war seine Haltung stets durch christliches Verantwortungsgefühl. Verärgert war er, wenn Auftraggeber Einfluss auf sein künstlerisches Konzept nehmen wollten als sei der Entwurf etwas Beliebiges. Seine ihm eigene wiedererkennbare Schaffenskraft führte bald zum ersten großen Auftrag: 32 Glasfenster gestaltete Ludwig Schaffrath ab 1962 für den Aachener Dom. Nicht mehr vollendet hat er seinen Zyklus „Schwanengesang“, an dem er seit 2004 arbeitete.

Brillant war seine Auffassung von Raum und Architektur. Seine Arbeiten unterstützten und ergänzten die Bauwerke, setzten sich nicht darüber hinweg. Ludwig Schaffrath zeichnete aus, dass er neben einem großartigen schöpferischen Geist als Praktiker die technisch-handwerklichen Lösungen für die Umsetzung seiner Arbeiten kannte. Seine Kartons für die großen Glasbilder fertigten nicht Mitarbeiter der Werkstatt, er zeichnete sie selbst, beschriftete schon die Entwürfe mit den notwendigen Anweisungen beispielsweise über die Dicke einer Bleirute. Zeigte sich, dass die Umsetzung eines Kunstwerks wegen äußerer Umstände – weil etwa ein gewünschter Glasfarbton nicht zu bekommen war – nicht plangemäß möglich war, fand er einen Kompromiss, der sich seinem Werk beugte.

So perfektionistisch Ludwig Schaffrath im Anspruch an seine Arbeiten war, so viel Anerkennung hatte er für „Kollegen“. Völlig neidlos, objektiv und sachlich setzte sich er sich mit Kunstwerken auseinander und sparte, gefiel ihm eine Arbeit, nicht mit Lob. Kritik war bei Ludwig Schaffrath nie abwertend, sondern stets begünstigend. Sein höfliches, charmantes und gradliniges Wesen machte ihn zu einem geschätzen Künstler, Lehrer sowie Partner für Auftraggeber und ausführende Werkstätten.

Dem Werk Ludwig Schaffraths wird die Bischöfliche Akademie noch in diesem Jahr eine Tagung widmen.


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