Dürener geht für ein Jahr nach Yad Vashem

Hoffnung stiften
Von Arne Schenk [09.03.2011, 14.04 Uhr]

Auf Tuchfühlung mit der Geschichte des Holocaust: Der Dürener Volonteer Moritz Povel an den Rückriem-Stelen vor der alten Synagoge seiner Heimatstadt.

Auf Tuchfühlung mit der Geschichte des Holocaust: Der Dürener Volonteer Moritz Povel an den Rückriem-Stelen vor der alten Synagoge seiner Heimatstadt.

„Wir brauchen bei all diesem Leid und Schrecken in der Welt, in der Auschwitz eine Realität bekommen konnte, einen Hoffnungsschimmer, dass es Menschen gab, die gerecht gehandelt haben“, bekräftigt Moritz Povel. Diese „Hoffnung stiftenden Ausnahmen“ zu finden, ist ein Teil der Aufgaben, die der 23-Jährige in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem ab etwa Mitte März ein Jahr lang übernimmt.

Im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz nimmt er an einem Volunteer-Programm teil, mit dem Ziel, aktiv an der Aufarbeitung der Geschichte mitzuwirken. „Als Kirche machen wir deutlich: Wir müssen den Weg der Aussöhnung gemeinsam gehen“, unterstreicht Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Der Holocaust dürfe von niemanden und zu keinem Zeitpunkt geleugnet werden. „Gemeinsam müssen wir alles tun, um neu aufkeimende antisemitische Tendenzen in unserer Gesellschaft entgegen zu wirken.“

Eine Aufgabe für Moritz Povel wird es sein, „Gerechte unter den Völkern“ zu finden. „Das sind Nichtjuden, die damals ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um Juden zu schützen“, erklärt der aus Düren stammende Student der Politik- und Wirtschaftswissenschaften. Dabei muss eindeutig bewiesen sein, dass der Helfende völlig selbstlos gehandelt hat, ohne einen Nutzen für sich selbst daraus zu ziehen. Dabei ist das Programm angewiesen auf internationale Anträge sowie die Aussagen von Zeitzeugen oder deren Nachfahren. Eine richterliche Kommission wertet die Beweise anschließend aus.

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Ein weiteres Ziel ist es, die Namen der im Holocaust ermordeten Juden herauszufinden. Zwar weiß die Welt statistisch, dass rund sechs Millionen Juden ihr Leben lassen mussten, aber ein Drittel davon sei immer noch nicht namentlich bekannt. „Es ist wichtig zu belegen, dass hinter jedem Fall ein Schicksal steckt“, betont Povel.

Das Programm kennt er durch seine zweimonatige Arbeit bei der Bischofskonferenz. Für seine Bewerbung waren besonders gute englische Sprachkenntnisse Voraussetzung. Weitere Bedingungen waren nicht konkret an das Projekt geknüpft, allerdings brachte er das nötige Interesse und Engagement mit, ist unter anderem in einer katholischen Studentenvereinigung in seinem Studienort Münster aktiv. Auch von seinen Studienfächern ist er prädestiniert für die Aufgabe: „Politik hat ja sehr viel mit Geschichte zu tun. Was mich besonders interessiert, ist die Aufarbeitung einer solchen Katastrophe, die ein ganzes Volk erfahren hat.“

In Jerusalem plant er zudem, seine Bachelorarbeit anzufertigen, und zwar in Wirtschaftswissenschaften. Das altruistische Verhalten der „Gerechten“, die selbstlos gehandelt haben, fasziniert ihn sehr, weil es dem Prinzip der rationalen Eigennutzmaximierung widerspreche: „Das steht vollkommen entgegen dem ‚Homo Oeconomicus’. Laut der Standardtheorie hätte so etwas nicht geben können.“


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