Ökumenische TelefonseelSorge Düren-Heinsberg-Jülich hilft seit 30 Jahren Menschen in Not

„Sobald es klingelt, geht es los“
Von Dorothée Schenk [30.09.2010, 08.16 Uhr]

Telefonseelsorger Zitiert Margot Kranz (r.) als Leiterin der TelefonSeelsorge Düren- Heinsberg- Jülich und Pfarrerin Kirsten Prey (l) als ihre Stellvertreterin stehen stets vor und an der Seite der Ehrenamtlichen.

Telefonseelsorger Zitiert Margot Kranz (r.) als Leiterin der TelefonSeelsorge Düren- Heinsberg- Jülich und Pfarrerin Kirsten Prey (l) als ihre Stellvertreterin stehen stets vor und an der Seite der Ehrenamtlichen.

Niemand, meist nicht einmal die Familie weiß, für wen sie tätig sind. Sie benutzen Decknamen und stehen im Dienst der Menschen. Einem dienst gehören sie trotzdem nicht an. Sie arbeiten für die Ökumenischen TelefonSeelsorge Düren-Heinsberg-Jülich, die jetzt ihr 30-jähriges Bestehen feiert.

„Ist es anonym?“ Das ist die wichtigste Frage der Anrufer, wie Susanne Becker (Name erfunden) erzählt. Schließlich sind es nicht nur Probleme in der Partnerschaft, Sexualität oder Alkohol- und Drogenabhängigkeit, mit denen es die Telefonseelsorger zu tun haben.„Das Schlimmste was sie sich vorstellen können mal zwei – das ist es, was wir hören“, berichtet Kollege Manfred Müller (Name erfunden). Durch die Anonymität wird also einerseits der Hilfesuchende, andererseits der Angerufene geschützt.

Es soll keine persönliche Beziehung entstehen, sondern lediglich eine Beratung basierend vor allem auf gesundem Menschenverstand stattfinden. Alle 54 Telefonseelsor- ger der Region Düren-Heinsberg-Jülich sind ehrenamtliche Laien – keine Psychiater, keine Psychologen oder Sozialarbeiter, sondern Menschen, die im Leben stehen. 16 Stunden im Monat und jeden zweiten Monat im 12-Stunden-Nonstop-Nachtdienst sind sie für Hilfesuchende in der Leitung, oder heute auch „im Netz“. Denn bei der Telefonseelsorge hat auch die Moderne mit Handy-Anruf-Zeiten und Internet-Anschluss Einzug gehalten. Damit ist gewährleistet, dass rund um die Uhr Menschen in Not ein offenes Ohr finden und durch Weiterleitungen kein Anruf ins Leere geht. „Das ist für mich ganz wichig“, erklärt Susanne Becker, „wenn ich nach einem schwierigen Gespräch ein Paar Minuten Ruhe brauche.“

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Zwischen 40 und 50 Gespräche täglich werden von den Ehrenamtlern geführt. „Sobald es klingelt, geht es los“, ist Manfred Müller begeistert, „man ist sofort gefordert und legt los mit dem, was man selbst an Bord hat.“ Gerade dieses Unmittelbare in Aktion und Reaktion ist es, was den Unternehmensberater für diese Aufgabe gewonnen hat. „Wenn man auflegt und das Gespräch war rund, hat man etwas erreicht. Das ist besser als jahrelang Projekte zu planen, ohne dass sich etwas bewegt.“ Seit Jahresanfang ist der Telefonseelsorger im Dienst und hat seine „intensive Ausbildung“ noch sehr präsent. Jeder Telefonseelsorger wird nach einer Eignungsprüfung etwa ein Jahr lang geschult.

„Was für mich im Dienst heute noch am wichtigsten ist, ist der Satz: Bleiben Sie bei sich!“, erzählt der „Youngster“. Die Gefahr in den Strudel der Gefühle zu kommen, sei immer gegeben. Dagegen habe ihn die Ausbildung gewappnet. „Die Anonymität ist der Türöffner zur Seele“, drückt Müller es aus. Diese Offenheit der Anrufer „löst in mir fast Ehrfurcht aus, angesichts der Verantwortung, die damit verbunden ist.“ Bis heute, so Susanne Becker, gelänge ihr die Abgrenzung nicht immer. „Es gibt Themen, die einem auch nach 30 Jahren noch nachgehen.“ Besondere Tragweite haben Menschen, die ihren Freitod ankündigten.

Auch darüber, wie über alle anderen Anrufe, darf der Telefonseelsorger mit niemandem sprechen …außer mit den anderen Ehrenamtlern. „Lebenswichtig ist, dass die Mitarbeitenden untereinander und füreinander ein Stück Lebensbegleitung sind,“ erklärt Margot Kranz, Leiterin der Telefonseelsorge. „Neben weiterführenden Schulungen finden einmal im Monat Supervisionen statt“, erläutert die Hauptamtlerin. Dadurch wächst die besondere Art der Gemeinschaft „Das ist es, weshalb man so lange dabei geblieben ist“, schmunzelt Susanne Becker.


Der nächste Kurs für Telefonseelsorger beginnt im Februar 2011, Infos bei der Geschäftsstelle der Telefon- Seelsorge Düren-Heinsberg- Jülich, 02421 / 10 403 oder dueren@telefonseelsorge.de

Träger der Einrichtung sind das BistumAachen und der evangelischen Kirchenkreis Jülich. Der Vorsitz wechselt regelmäßig.

Jubiläumsfeier am Freitag, 1. Oktober, als offener liturgischer Abend in der Pfarrkirche St. Anna, Düren, um 19.30 Uhr mit dem „Jungen Theater Düren“ und der Musikgruppe „Bedo und Freunde“.


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