Christliches Sozialwerk eröffnet Gebrauchtmöbel-Kaufhaus

Darauf hat Jülich gewartet…
Von Dorothée Schenk [25.09.2010, 12.16 Uhr]

Jens Sannig, Superintendent des Kirchenkreises Jülich, brachte seinen guten Wünsche für "Möbel und Mehr" - im Hintergrund (2.vl.) Projektleiterin Mechthild Bonz und Vorsitzender des Christlichen Sozialwerks Jülich (3.v.l.) Dr. Thomas Kreßner

Jens Sannig, Superintendent des Kirchenkreises Jülich, brachte seinen guten Wünsche für "Möbel und Mehr" - im Hintergrund (2.vl.) Projektleiterin Mechthild Bonz und Vorsitzender des Christlichen Sozialwerks Jülich (3.v.l.) Dr. Thomas Kreßner

Wenn ein langersehntes Kind kommt, dann stellen Eltern sich laut Dr. Thomas Kreßner, Vorsitzender des Christlichen Sozialwerkes (CSW) Jülich, stets dieselben Fragen: Wo soll es wohnen? Und: Wie soll es heißen? „Möbel und mehr“ oder kurz „Mum“, ist in der Schützenstraße 6 zu Hause. Der Name klinge nach prickelndem Sekt und stehe dafür, dass die Sache mit Mumm angepackt würde, meinte „Vater“ Kreßner.

„Babys“, und in diesem Fall ist es nach 18-monatiger „Austragungszeit“ ein Elefantenbaby, bringen neben allem Glück aber auch Sorge um die Zukunft des Heranwachsenden mit sich. Skeptisch, so gibt Dr. Kreßner zu, sei er angesichts des Bedarfs eines Gebrauchtmöbelkaufhauses in Jülich gewesen. Sozialamtsleiterin Doris Vogel hätte ihn aber vom Gegenteil überzeugt. Aus ihren Erfahrungen schilderte sie, dass in den vergangenen Jahre „Leute entweder etwas suchten, oder etwas brachten – die trafen aber nie zusammen.“ Da es an Lagermöglichkeiten fehlte, konnten sie die Menschen nur nach Düren schicken. Herrn Kaltenbach vom Christlichen Sozialwerk war spontan begeistert, als Doris Vogel mit der Idee des Secondhand-Möbelladens auf ihn zukam. Vogel: „Denn eine Idee zu haben ist das eine – Menschen, die sie umsetzen das andere.“

Kaltenbach hatte bereits vor über 25 Jahren an der Linnicher Straße das erste Möbellager des Sozialwerkes mit aufgebaut, und verfügt über Erfahrung. Also fiel die Entscheidung, wie Dr. Kreßner formulierte: „Wir packen das an, und nicht nur den Möbelverkauf, sondern auch die Qualifizierung von Menschen, die Beschäftigung von Menschen, um etwas gegen Arbeitslosigkeit zu tun.“ Denn das ist schließlich das erste Ziel des CSW. Die Erlöse von „Mum“ fließen daher zu 100 Prozent, so Dr. Kreßner, wieder zurück in – wie es Vereinskollege Pfarrer Dr. Peter Jöcken formulierte, „typisch ökumnenische Vorzeigeprojekt.

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Die Eröffnungs-Gäste konnten schon einmal vorab einen Blick aufs Sortiment werfen - gekauft werden kann ab Dienstag, 28. September.

Die Eröffnungs-Gäste konnten schon einmal vorab einen Blick aufs Sortiment werfen - gekauft werden kann ab Dienstag, 28. September.

Schon jetzt ist Diplom-Pädagogin Mechthild Bonz als Projektleiterin überzeugt: „Möbel und mehr“ ist ein Erfolgskonzept. „In Jülich hat man darauf gewartet,“ sagte sie. Denn seit dem inoffiziellen Start am 1. Juni haben rund 100 Ortstermine stattgefunden, die die Halle an der Schützenstraße vorab gut gefüllt hat. Da finden sich zwischen Wohnzimmer-Sitzecken, Herd und Waschmaschine die Brotbackmaschine, Steingutkrüge, Glockenspiel, aktuelle Hörbücher auf CD und eine andächtig blickende porzellane Muttergottes mit Kind. So genannte „Steh'arümschen“, wie Mechthild Bolz sie nennt, finden ebenso Aufnahme wie Nutzgegenstände. Allerdings behält sich das Team vor, Angebote abzulehnen, wenn die Chance zum Wiederverkauf nicht gegeben ist.

Wie wichtig das Angebot ist, hat sich aber auch schon gezeigt: Einer Familie in Koslar, die bei einer Gasexplosion ihre Einrichtung eingebüßt hatte, konnte bei „Möbel und Mehr“ zügig geholfen worden. Über die Startphase sei man damit hinaus, betont Bonz, aber das Qualifizierungsprojekt sei immer noch im Aufbau. Sieben Mitarbeiter koordiniert Fachanleiter Rolf Vasters, 14 sollen es einmal werden. Außerdem ist der Wunsch nach einem eigenen Transporter ausgesprochen. Derzeit stützt sich die Projektleiterin auf das gute Netzwerk aus Vereinen und Verwaltung in Jülich, das sie ausdrücklich lobte.

Auf das „mehr“ zu den Möbeln hob in seinen Grußworten Heinz Backes vom Bistum Aachen ab. Im übertragenen Sinne biete das Projekt neben „mehr“ als ökologischer Aspekt der Nachhaltigkeit das unbezahlbare Gefühl für Menschen mit kleinem Geldbeutel „nein“ sagen zu können, für Menschen ohne Arbeit, wieder Selbstwertgefühl entwickeln zu können. Auf diese Werte hob auch Gabriele Attemeier vom Parallelprojekt in Monschau ab. „Ich bedaure, dass das Miteinander, das Selbstwertgefühl, die die Arbeitslosen in diesem Projekt kennenlernen, in keiner Vermittlungsstatistik auftaucht.“ Aber nur sie werde beim Thema Einsparungen herangezogen. Obwohl auch viele Mitarbeiter wieder in die Arbeitslosigkeit zurückkehren würden, wären für sie die neugewonnen Kontakte, die Bestand hätten, und das Wissen, wo sie Hilfe bekämen, ein Gewinn. In diesem Sinne wünschte sie ihrer Kollegin Mechthild Bonz neben Glück und Erfolg, reichlich Kunden, Spenden– Gelder und Möbel – sowie Durchhaltevermögen.

Ab der kommenden Woche öffnet „Möbel und mehr“ dienstags bis freitags 10 bis 16 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter 02461-3402888. Hier ist auch richtig verbunden, wer so genannte „Steh'arümmschen“ dem Gebrauchtmöbelkaufhaus anbieten oder abholen lassen möchte.


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