SKF in Jülich seit 50 Jahren im Dienst für Kinder und Jugendliche

Fürs Lernen und Leben
Von Dorothée Schenk [22.09.2010, 10.50 Uhr]

"Gründermutter" des Jülicher Sozialdienstes katholischer Frauen, Therese Jansen (l),  im Gespräch

"Gründermutter" des Jülicher Sozialdienstes katholischer Frauen, Therese Jansen (l), im Gespräch

An diesem Tag blieben alle Türen des Sozialdienstes katholischer Frauen in Jülich geschlossen: Die Spiel- und Lernstuben Nord, Links der Rur und auch die älteste der Einrichtungen in der Schweizer Straße, die Offenen Ganztagsgrundschulen der GGS Süd und der Katholischen Grundschule und die 13plus in der Realschule. Der Grund: Es galt, ein Goldjubiläum zu feiern.

„Vor 50 Jahren hatte Therese Jansen den Weitblick. Als Schulleiterin der Promenadenschule hat sie gesehen, was nötig ist, und hat auch gehandelt.“ So beschreibt Gerdi Timberg, SkF-Vorsitzende von 1988 bis 2004, die Stunde Null der Kinder- und Jugendhilfe in Jülich. Was heute aktuell ist, steckte zu Zeiten der „Gründermutter“ Jansen in den Kinderschuhen: Sie hatte sich zum Ziel gesetzt, Lebensqualität und Perspektiven der Familien und Kinder zu verbessern. Bis heute folgt der SkF diesen Grundsätzen und hat sie als „Hilfe zur Selbsthilfe“ seit dem 1. August 1960 kontinuierlich ausgebaut.

Wie Berti Gierling, seit fast 30 Jahren nun hauptamtliche Leiterin des Skf in der Herzogstadt, erinnert, begann die hauptamtliche Arbeit damals unter dem Namen „Katholischer Fürsorgeverein für Mädchen, Frauen und Kinder“, der 1968 zum SkF wurde. Gegenüber dem Kreisjugendamt verpflichtete sich der Verein, „Erziehungsbeistandschaften“ im Altkreis Jülich zu übernehmen. Unter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich – bis heute – eine pädagogische Unterstützung von Kindern und Jugendlichen, die in ihren Familien leben und Entwicklungs- und Verhaltensprobleme zeigen. Derzeit werden 28 Familien betreut.

In den 1970er Jahren folgten die ersten einschneidenden Veränderungen. Der Auslöser: 1973 kam Therese Jansen in Kontakt mit einer Reihe von Sinti- und Roma-Familien, die an der Rur im Wohnwagen lebten.

Schnell war klar, dass es nicht nur materielle Not zu lindern galt, und so kamen die Kinder zur Betreuung in die Geschäftstelle, die sich damals noch in der Wilhelmstraße befand. Es gelang, drei der Familien in der Schweizer Straße anzusiedeln. Hier sah die Pädagogin, dass nicht nur vereinzelt Familien Hilfe brauchten. Die Idee einer Spiel- und Lernstube fand 1974 in der Hausnummer 36 der Schweizer Straße ihre Räume. Der Bedarf erwies sich als so groß, dass bereits zwei Jahre später die Erweiterung um vier Räume folgte. Fortan war der Schwerpunkt der Arbeit des Skf, die „Schule“ und damit Chancengleichheit zu erreichen. Der Erfolg gibt der Initiatorin nach 36 Jahren immer noch Recht. Nicht nur, dass es statt einer drei Einrichtungen dieser Art gibt, er ist an den Schulkarrieren der Kinder ablesbar. Gingen damals die meisten Kinder der Schweizer Siedlung auf die Sonderschule, machen heute viele ihren Abschluss auf der Regelschule.

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Zum Dank ein Tänzchen wagen: Die Kinder der Spiel- und Lernstuben des SkF beim Festakt.

Zum Dank ein Tänzchen wagen: Die Kinder der Spiel- und Lernstuben des SkF beim Festakt.

Das alles ist natürlich nur leistbar durch das Engagement von vielen ehrenamtlichen Helfern. Neben den 13 hauptamtlichen Kräften sind in den sechs Einrichtungen in Jülich 38 Lernhelfer im Alter von 17 bis 75 Jahren im Einsatz. Sie betreuen über 300 Kinder aus elf Nationen. Natürlich hängt das Gelingen immer auch von Einzelnen ab. Eine von ihnen war Margarethe Bülles, wie Berti Gierling sich erinnert.

Sie war eine kleine, zierliche Frau, die stets mit Hut zur Spielzeit in der Schweizer Straße erschien. Die „Ersatzoma“ hatte nicht nur die tiefe Zuneigung ihrer Schützlingen, sondern auch den absoluten Respekt. „Wer über die Stränge schlägt, dem drück ich das Händchen“, so die Vereinbarung. Das Kind musste an diesem Tag die Einrichtung verlassen, wusste aber, dass Frau Bülles nicht auf ewig böse war. Im „Händchen“ war ein Bonbon.

Die tiefe Verbundenheit wuchs über die Jahre zu den Müttern und anderen Familienmitgliedern, die immer öfter zum SkF kamen. Konsequenterweise folgten vor Ort Mütterberatung und Angebote über die Öffnungszeiten der Spiel- und Lernstuben hinaus – basteln, backen oder Disko. „Wir nehmen am Leben teil, wir sind kein Fremdkörper mehr“, betont die Sozialpädagogin. Feste werden gemeinsam vorbereitet – ob das gemeinsame Sommerfest oder eine Kommunion. Ein Wunsch von Eltern, die selbst als Kinder beim SkF waren und heute ihren Nachwuchs dorthin schicken, ist noch einmal ein gemeinsamer Familienausflug.

An die Fahrt mit dem Schiff nach Königswinter erinnert sich Berti Gierling besonders gern: „Wir fielen als bunte Gemeinschaft natürlich sofort auf“, erzählt sie. Unmut erzeugte außerdem, dass die Gruppe ihre reservierten Sitzplätze einnahm, während viele anderen Fahrgäste stehen musste. Das ging natürlich auch nicht geräuscharm ab. Das störte am Nachbartisch eine Gruppe von Wirtschaftsprüfern auf Kegeltour – allerdings nicht lange. Begeistert waren sie über die Freude der Kinder, die tanzten und sangen. Man kam ins Gespräch und das End vom Lied: Eine Spende über 2000 DM. Apropos: Wirtschaft und Spenden. Stolz ist der SkF, wie Gerdi Timberg betont, dass es gelang, dauerhaft Ferienfahrten für die Kinder anzubieten. Der Dank gilt der Firma Metzler, die das Projekt hauptsächlich finanzierten.

Stets am Puls der Zeit richtete der SkF 1991 in seinen Räumen in der Stiftsherrenstraße eine Kontaktstelle für psychisch Kranke ein, die allerdings mangels finanzieller und personeller Ausstattung keinen Bestand hatte. Anders die Allgemeine Soziale Beratung, die von fünf ehrenamtlichen Kräftenbis heute dienstags, donners- tags und freitags von 9 bis 12 Uhr angeboten wird. Hier werden Fragen der Sozialhilfe geklärt, Hilfestellung beim Ausfüllen von Anträgen geleistet oder gegebenenfalls an die Kooperationspartner des „Sozialen runden Tisches“ verwiesen von „Kleine Hände“ über „Jülicher Tafel“ bis „Kleiderlädchen“.

„Es war oft ein harter Kampf“, meint Gerdi Timberg rückblickend auf 50 Jahre Sozialdienst katholischer Frauen in Jülich, „aber letztlich immer mit großer Unterstützung des Jugendamtes und der Stadt.“ Berti Gierling ergänzt: „Die Anliegen, die heute als Ansprüche an die Sozialarbeit formuliert werden, erfüllen wir schon seit unserer Gründerzeit.“

Infos:
Sozialdienst katholischer Frauen, Geschäftsstelle Stiftsherrenstraße 9, Jülich, Telefon 02461/50453
Vereinsvorstand: Vorsitzende Renate Wilden, Stellvertreterin Claudia Gerken, Waltraud Cormann, Ursula Müller und Katharina Zimmermann
Leiterin der Geschäftstelle: Diplom Sozialpädagogin Berti Gierling.
Mehr auf der Homepage unter www.skf-juelich.homepage.t-online.de


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