Maria Fernandez vollendete Umgestaltung der Jülicher Propsteikirche

Für das Licht der Welt
Von Dorothée Schenk [27.04.2010, 15.58 Uhr]

Die Vollendung der Innenraumgestaltung der Propsteikirche ist mit dem Radleuchter gelungen. Foto: Fernandez

Die Vollendung der Innenraumgestaltung der Propsteikirche ist mit dem Radleuchter gelungen. Foto: Fernandez

Sie ist vollendet: Die Umgestaltung des Chorraumes in St. Mariä Himmelfahrt Jülich durch die chilenische Künstlerin Maria Fernandez fand mit der Enthüllung des Radleuchters über dem Altar gleichzeitig ihren Höhepunkt und Abschluss. Fast zehn Jahre lang war sie mit der Planung und Umsetzung befasst.

Der Wunsch von Propst Heinrich Bongard hat sich erfüllt: Die Bildhauerin aus Engelsdorf hat den Rahmen für eine würdige Eucharistie- und Wortgottesfeier wirkungsvoll geschaffen. Konsequent im Konzept galt der Abschluss der Arbeiten dem Mittelpunkt des Glaubens. Der Radleuchter führt den Blick auf das Wesentliche, auf den Altar, den Ort – wie es in der Wandlung heißt – vom „Geheimnis unseres Glaubens.“

In fast mystisches Licht tauchen die acht Lampen, bekrönt mit von innen leuchtenden Alabastersteinen, den Chorraum. Durch die Art der Leuchtmittel wandelt sich die Farbe von einem anfänglich bläulich schimmernden Ton in ein sonnenscheinwarmes Licht. Es ist das in Form gebrachten Wort Christi „Ich bin das Licht der Welt“.

Nur das Beste - bei der Materialwahl und eingebrachter Schaffenskraft
Der Leuchter ist eine gelungene Synthese von Spiritualität und Funktionalität. Das Kunstwerk fußt auf der Errungenschaft neuester Technik: Die verwendeten Lampen sind mit ihren Fassungen aus Titan auf eine lebenslange Dauer hin ausgewählt und gleichzeitig umweltbewusst. 40 Watt benötigt die Halogenbirne und erzeugt ein Licht von 200 Watt. „Licht ist heute eine Form der Lebensqualität“, erklärt Maria Fernandez und außerdem: „Wir müssen das Licht neu entzünden für Christus.“ Die Kunst ist für sie der Mittler: „Kunst öffnet Räume. Sie bringt uns in eine andere Dimension. Wir Menschen sind geschaffen für eine tiefe Transzendenz und unser Glauben braucht sie mehr denn je.“ Darum setzte sich die Künstlerin nicht nur mit aller künstlerischen Inspiration und Schaffenskraft ein, sondern wählte sorgsam die „besten Materialien“ aus, wie sie betont.

Aus dem italienischen Volterra holte Ehepaar Fernandez das verwendete Castellina Alabaster, die Jülicher dürfen sich schätzen, dass das wertvolle „Limoges blau“ in ihrer Kirche Verwendung fand. Die Werkstatt der Fernandez ist nach eigener Aussage die einzige in Deutschland, die dieses Material beziehen darf. Schließlich das Bergkristall aus Idar Oberstein, „das höchste, was die Natur zu bieten hat“. Maria Fernandez vertraut auf ihre Erfahrungen: „Reiche Materialien haben überall auf der Welt eine enorme Anziehungskraft.“

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In der Osternacht erstrahlte zum ersten Mal der Radleuchter vor der Gemeinde.

In der Osternacht erstrahlte zum ersten Mal der Radleuchter vor der Gemeinde.

Damit dieser „Blickfang“ richtig zur Geltung kommt, wünscht sich Propst Bogard noch kleine Lichtspots, die vom Kirchenraum aus die Reliefs und Texte erhellen. Bereits im Lichtkonzept berücksichtigt ist das Kreuz in der Apsis: Kreuz und die Retabel werden ebenfalls beleuchtet. Das Tafelbild von 1909 stammt, wie Propst Bongard erläutert, aus dem früheren Hochaltar. Auch diese Restaurierung ist Teil des Umgestaltungs-Konzeptes durch Maria Fernandez. Im Wenauer Bistumsdepot wurde das Kunstwerk in Einzelteilen entdeckt, und da noch alle Dokumentationen vorhanden waren, gelang es, das Triptychon wiederherzustellen.

Begonnen hatte die Umgestaltung mit der Restaurierung des Innenraumes Mitte 1997. Seit 2001 zeigte ein Modell im rechten Seitenchor der Propsteikirche die Neuerungs-Pläne des Chores durch Maria Fernandez. Die erste Anschaffung war das bronzene Lesepult, ehe 2003 die farbige Fassung der Apsis und die Restaurierung der Retabel folgten.

Der wichtigste Schritt der Umgestaltung, so Propst Heinrich Bongard, fand 2005 statt: Der neue Altar und der Ambo aus Jura-Marmor wurden aufgestellt. Beides schmückte die Künstlerin mit Reliefs. Auf dem Altar zeigt die Vorderseite die Verkündigung als Hinweis auf die Inkarnation Christi. Rückseitig ist das Abendmahl abgebildet. Auf dem Ambo, dem Lesepult, hat Maria Fernandez die Ausgießung des Geistes über Maria im Kreis der Apostel dargestellt. Mit einem Kniff hat sie für ihre Gestaltung und für den Lektor Raum gewonnen: Über den Treppenabsatz hinaus wurde die Stufe vergrößert und das Relief bis zum Boden herabgezogen. Auf diese Weise rückte der Ambo auch näher zur Gemeinde: „Die Lesung, das Wort Gottes ist das Bindeglied zwischen Liturgie und Volk“, erläutert Maria Fernandez ihre Gedankengänge. Die Brücke zur Gegenwart schlägt die reduzierte Andeutung einer modernen Stadt unserer Zeit.

Maria Fernandez vermittelt dem Gegenüber, dass die Vollendung der Umgestaltung nicht nur die Erfüllung einer Aufgabe ist. Tiefe Religiösität klingt aus den Worten der Künstlerin und Überzeugung, wenn sie sagt: „Wir haben uns verpflichtet, ein großes, tiefes Kunstwerk für unsere Heimat zu schaffen, das den Glauben durch Rhythmus und Form für alle Menschen erfahrbar macht.“

Der Radleuchter im Detail


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